, anstatt ihre Schuld durch ein Gott gefälliges Leben und aufrichtige Buße zu sühnen , fröhlich in den Tag hineinlebe ! « » Wer hat Dir das Geheimniß verrathen ? rief ich entsetzt aus , und dabei dachte ich an Dich . « » Gott hat es mir durch einen himmlischen Sendboten kund thun lassen und ich – ich will meine armen Eltern aus der ewigen Verdammniß retten ! kreischte sie laut auf und dann sank sie besinnungslos zu Boden . – « » Als sie endlich auf ihrem Lager aus einer tiefen Ohnmacht erwachte , redete sie irre . Eine schwere Krankheit hatte sie befallen , und während einer Woche glaubten wir täglich , daß es mit ihr zu Ende ginge . In meiner Angst und in der festen Ueberzeugung , daß nur Du allein ihr die furchtbaren Mittheilungen gemacht haben könntest , schrieb ich an Dich , Es waren harte Worte , welche ich Dir sagte , die aber durch den schweren Verdacht , der auf Dir lastete , vollkommen gerechtfertigt waren . Erst nach langer , ruhiger Ueberlegung begann ich zu bezweifeln , daß Du den Frevel an Johanna begangen habest , und ich wurde darin bestärkt , durch einzelne ihrer Dich betreffenden Worte und durch die im Delirium wiederholte Erwähnung eines von einem himmlischen Boten an sie gerichteten Briefes . « » Johanna ' s vielfache Fragen , ob Du Dich bereits auf freiem Fuße befändest , und meine auf ' s Neue erwachende Zuneigung zu Dir , den ich schließlich nur für einen leichtsinnigen , verführten Patron hielt , veranlaßten mich nunmehr , mit aller Macht für Deine Befreiung zu wirken . Mir allein wäre es schwerlich gelungen , doch war ich glücklich genug , die Theilnahme einer höchst achtbaren Familie , in deren Hause Johanna ihre erste Jugend verlebte , für Dich zu erwecken . Jenen treuen Freunden verdankst Du hauptsächlich , daß die Mauern des Kerkers Dich nicht mehr umschließen . « » Ich war von Allem unterrichtet , was dort in Frankfurt geschah , und unsere Freunde erhielten wieder durch mich regelmäßige Berichte über meine arme Johanna . Wir Alle hofften . Du würdest Dich durch die Besorgniß vor Deiner Wiederverhaftung und durch die ernsten Rathschläge wohlmeinender Leute bestimmen lassen , so schnell als möglich dem nächsten französischer Hafen zuzueilen . Du Haft in dieser Beziehung unsern Erwartungen nicht entsprochen und wirft in Folge dessen eine um so trübere Erinnerung von hier mit fortnehmen . Ich glaube wenigstens , daß Du , so wie ich Dich kenne , nicht von hier scheiden willst , ohne Johanna wenigstens heimlich gesehen zu haben . « » Ich habe sie gesehen – « » Du hast sie gesehen ? « fragte der Oberstlieutenant erstaunt . Ich erzählte darauf meine Erlebnisse vom vorhergehenden Abend bis in die kleinsten Einzelheiten , und fand einen gewissen schmerzlichen Genuß darin , nicht nur jedes Wort zu wiederholen , welches Johanna selbst gesprochen hatte , sondern auch der schmachvollen Reden der beiden Geistlichen Erwähnung zu thun . Dabei fiel mir auf , daß mein Vormund nur um die Besuche Bernhard ' s wußte , der andere Priester ihm dagegen vollständig fremd war . Ich erklärte mir daraus , daß dieser also wirklich zum ersten Male die Schwelle der Oberförsterei betreten habe . » Du hast Johanna gesehen , « nahm der Oberstlieutenant wieder das Wort , sobald ich geendigt , » und damit den Zweck , der Dich hierherführte , erreicht ; Du kannst daher schon morgen Deine Weiterreise antreten . « Auf diese Zumuthung antwortete ich nichts ; ich hatte zu fest beschlossen , jene Gegend nicht eher zu verlassen , als bis ich betreffs Johanna ' s Lage einen entscheidenden Schritt gethan . Der Oberstlieutenant , mein Schweigen für Zustimmung nehmend , fuhr darauf fort : » Wie Du Johanna gestern gesehen hast , sitzt sie , mit kurzen Unterbrechungen , bereits seit Monaten , nur daß ihre Kräfte sie mit erschreckender Schnelligkeit verlassen und sie , nach dem Ausspruch des Arztes , ihrer baldigen Auflösung entgegengeht . O mein Gott , diejenigen , welche ihr die grausamen Enthüllungen machten , haben eine schwere , eine furchtbare Verantwortlichkeit auf sich geladen ! Das zarte Wesen war noch zu jung , zu schwach , um das schreckliche Geheimniß ertragen zu können , überhaupt erfahren zu dürfen . Doch wer auch immer die Schuld trägt , nicht zufrieden damit , ihr ganzes Erdendasein vergiftet zu haben , benutzte er auch noch ihre krankhafte Aufregung dazu , sie zu überzeugen , daß es ihr obliege , die Sünden ihrer Eltern abzubüßen . Den verhängnißvollen Brief hatte sie in ihrer ersten Verzweiflung vernichtet , doch ließ sich der Inhalt desselben aus ihrem späteren Benehmen leicht errathen . « » Als sie nämlich ihre Krankheit so weit überstanden hatte , daß sie wieder aufrecht im Bette sitzen konnte , verlangte sie fortwährend nach einem katholischen Geistlichen . Meine Lisette , Du kennst sie ja , glaubte darin einen Fingerzeig Gottes zu entdecken und riech mir dringend , ihren Bitten zu willfahren . Lange weigerte ich mich hartnäckig ; ich suchte Johanna durch freundliche Worte zur Vernunft zu bringen , allein vergeblich ; das arme Kind flehte , daß es einen Stein hätte erbarmen mögen , › was hilft mir meine Religion , ‹ rief sie unter Thränen aus , › die mir nur gestattet , für mein eigenes Seelenheil Sorge zu tragen ? Verschafft mir einen rechtgläubigen katholischen Geistlichen , der mich lehrt , die Schuld meiner Eltern zu sühnen , oder ich sterbe in meinen Sünden , die doppelt schwer auf mir lasten , weil ich versäumte , eine mir auferlegte heilige Pflicht zu erfüllen . ‹ O , mein Sohn , so manches liebe Mal habe ich dem Tode in die Augen geschaut , wenn die feindlichen Feuerschlünde Verderben in unsere Reihen schleuderten , und ich habe nicht gezittert oder gezagt , höchstens den Faustriemen etwas fester um mein Handgelenk gedreht