, wie es der Fülle von Poesie in meinem Herzen gelang , selbst das zu verklären , zu verschönen , was an sich so prosaisch ist . Das ist es ja , was er unter wahrer Weiblichkeit versteht , die Fähigkeit , auch das Alltägliche poetisch aufzufassen und zu gestalten . Ich werde also ein Kochbuch in Versen und mit Illustrationen herausgeben und das Werk ‚ Die deutsche Frau am häuslichen Herde ‘ nennen . Denkt nur , welch ’ reizende Initialen und Arabesken da anzubringen sind ! Ich werde zeigen , daß man ein Büschel Petersilie ebenso anmutig arrangieren kann , wie Rosen oder Veilchen . Ist solch eine grüne frische Randverzierung nicht immer hübsch anzusehen , sei es Epheu oder Petersilie , Myrte oder Sauer ­ ampfer ! und wenn eine wärmere Farbe darin fehlt , — so lasse ich ein paar rosige Radieschen verstohlen zwischen den Blättern durchschimmern und habe ein so reizen ­ des Frühlingsbild geschaffen , wie nur irgend eine unserer berühmten Malerinnen . Ist denn ein Küchen ­ gewächs nicht auch ein Gewächs Gottes ? Nicht auch schön wie Alles , was er schuf ? Und welche Abwechs ­ lung läßt sich in diesem Werke anbringen . Zum Bei ­ spiel das Kapitel der Zubereitung von Seefischen werde ich mit einem eigenen Titelblatte eröffnen in der Art , wie die Kupfertafeln in Schleidens , Wunder des Meeres ‘ .40 Unter einer klaren Wasserfläche spielen in buntem Gemisch alle die Fische , von denen das Kapitel spricht . Korallenriffe winden sich zwischen durch und von der untergehenden Sonne rosig angehaucht wiegen sich Wasserlilien auf ein ruhigen Meeresspiegel ! — Jeder Abschnitt wird ein derartiges Titelbild bekom ­ men , welches das zuzubereitende Tier lebendig und in seinem Elemente zeigt , das Wild im Walde vor der jagenden Meute fliehend , die Taube mit dem Ölzweig über der Arche schwebend , das zahme Geflügel im niederländischen Genre in seinem heimischen Hühnerhofe . Obst und Gemüse muß als Stillleben arabeskenhaft behandelt und zu Randverzierungen der einzelnen Rezepte verwendet werden . Zum Schluß ein Bild , wo die Familie fröhlich um den gedeckten Tisch versammelt ist . Oben drüber in gotischen Buchstaben der schöne Spruch : , Komm Herr Jesus , sei unser Gast ! ‘ Jesus ist auch dieser Einladung gefolgt und sitzt in Strahlenglorie oben am Tisch , umgeben von den Kindern des Hauses . Ihm gegen ­ über das glückliche Ehepaar , sich gegenseitig die Bissen in den Mund steckend . Engel kredenzen ihnen die Speisen , die Engel der Eintracht , des Friedens und der Genügsamkeit . Die Gattin sitzt mit dem Rücken gegen den Beschauer , der Gatte jedoch — und das ist die Hauptpointe — der Gatte wird ein Portrait ! “ 41 Sie hielt inne , hingerissen von der Schi ­ lderung ihrer poetischen Schöpfung und der Aussicht auf den großen Erfolg , der dem Werke nicht fehlen konnte . „ Nun , wen soll denn das Portrait vorstellen , wohl mich ? “ fragte Herbert spöttisch . „ Dich ? O nein ! Schelm — errätst Du ’ s nicht ? Ach Gott , sieh mich nicht so scharf an , — Du weißt ja doch , wen ich meine ! “ „ Möllner ? “ sagte der Bruder . „ Nun freilich . Gott , wenn ich mir das Lächeln denke , das um den stolzen , schwellenden Mund spie ­ len wird , wenn er sein Portrait von meiner Hand gezeichnet sieht , wenn er sieht , wie überall , in Allem , was ich denke und schaffe , sein Bild mir gegenwärtig ist ! O es wird , es muß ihn rühren ! “ „ Ja , es wird ihn ungemein rühren “ , bemerkte Herbert , „ und es wird eine reizende Szene geben , wenn er das Werk seiner Geliebten , der Hartwich , zum Geschenk bringt , damit sie das Kochen daraus lernt ! Vergiß nur nicht , ein Rezept zu Froschkeulen beizu ­ fügen , damit sie ihm immer die Frösche braten kann , die sie mit einander bei ihren physiologischen Versu ­ chen gebrauchen . “ „ O Edmund “ , klagte Elsa etwas erschrocken und enttäuscht , „ es fließt heute wieder wie Wermut von Deinen Lippen . Geh ’ , diese ätzende Schärfe zerstört alle Blüten meiner Phantasie . Deshalb vermeide ich Dich immer , wenn ich eine Arbeit beginnen will . Was hast Du nur für Freude daran , mich aus mei ­ nen Himmeln zu reißen ? Ist das recht ? Laß eine Seele ihre Heimat suchen , die nicht auf dieser Erde heimisch ist ! “ Und sie schlug die Äuglein zur Decke auf und legte die runzlige Hand auf ihr flaches Brüstchen : „ Ich bin eine kleine , bescheidene Seele ! Meine Hoffnung , mein kindliches Vertrauen ist mein ganzer Reichtum , bitte , bitte , süß ’ Brüderchen , laß ihn mir , so lange kein Anderer ihn mir raubt . “ „ Aber Du wirst Dich doch endlich überzeugen müssen , daß Du mit Deinen Hoffnungen geprellt bist , und deshalb will ich Dich wenigstens warnen , damit Du nicht durch vorzeitige Kundgebungen Deiner Ge ­ fühle Dich und mich mit Dir lächerlich machst . Ich weiß aus bester Quelle , daß Möllner draußen in Hochstetten war , um die Hartwich zu besuchen , und daß er zwei Stunden bei ihr blieb . Reime das mit sei ­ nem Enthusiasmus in der Sitzung zusammen und mach ’ Dir einen Vers daraus . “ Elsa schlug die Augen nieder und dachte ein Weilchen nach , dann aber atmete sie tief auf und schüttelte die wallende Mähne : „ Nein , es ist nicht , es kann nicht sein ! Dieses Mannweib gewinnt vielleicht das Interesse , aber nimmer das Herz unseres Freun ­ des . Nein , nein , Elsa fürchtet nicht , daß Lohengrin sich zur Ortrud verirre.42 Und nun an die Arbeit