gewesen wäre ! Das alte Schloß war so spukhaft still an diesem Abend . Das Dienstmädchen saß vermutlich beim Punsch in der Dienerstube , die im Souterrain lag . Eine Viertelstunde lang hatte das mächtige Geläute der Schloßkirche die Zimmer durchtönt , und ihn hatte es unterhalten , die Kirchgänger den Berg hinaufsteigen zu sehen . Heini war [ 280 ] schrecklich müde vom Bilderbesehen . Heinz hatte ihm , da anderes Spielzeug dem Kinde nicht zusagte , ein ganzes Dutzend der heiß ersehnten Bilderbücher geschenkt . Nun sollte er ihm etwas erzählen und konnte doch vor Unruhe kaum still sitzen . Im Auf- und Abgehen sprach er , wie unter einem inneren Zwange stehend , von den Weihnachten seiner Kinderjahre , wie Otti und Hede ihn , den Kadetten , vom Bahnhofe abgeholt hätten nach Hause , wo Berge von Kuchen ihn erwarteten , und wie sie alle Drei so gar nicht gewußt hätten , was anfangen , bis zu dem heiß ersehnten Glockenzeichen . „ Warum ist Tante Otti nicht bei uns ? “ fragte Heini . „ Sie ist krank . “ „ Was fehlt ihr denn ? “ „ Das verstehst du nicht , mein Liebling . “ Der Kleine schwieg und Heinz dachte weiter an die Zeiten , wo er sich so wohl gefühlt hatte unter den Verhätschlungen seiner Schwestern , besonders Hede die war gerade zu erfinderisch gewesen in Liebesbeweisen . Wie hatten sie beide miteinander getollt , gelacht , wie ernsthaft hatte sie davon gesprochen , ihm dereinst die Frau auszusuchen , und mit welch rührender Bereitwilligkeit gab sie ihm die paar Groschen ihres Taschengeldes , wenn Ende des Monats nichts mehr in seinem Portemonnaie war ! Und jetzt – jetzt redeten sie kaum miteinander , und am Weihnachtsabend war sie nicht daheim – – . Es war seine Schuld , das fühlte er deutlich . Er war im Unrecht ! Er stößt da das beste , was er , nächst seinem Kinde , noch im Leben hat , mutwillig von sich . – – Wenn sie nachher kommt , dann will er sie umfassen und sie bitten , Geduld mit ihm zu haben , will sie bitten , ihm zu helfen , das Leben weiterzutragen . Er will ihr alles gestehen , wie und warum er gelitten , wie er gearbeitet , wie er den Mut zu weiterem Schaffen verloren . Er will sich an ihr , an dem treuen Schwesterherzen wieder aufrichten . Er ist so weich gestimmt wie einst vor Jahren , wo sein Kinderauge in den Glanz des Weihnachtsbaumes schaute . „ Möchtest du , daß Tante Hede bald kommt ? “ unterbricht Heini des Vaters Gedanken . „ Gern , Heini , und weißt du , dann wollen wir Tante bitten , daß sie abends immer bei uns bleibt . “ „ Ja , Papa ! Warum thatest du das nicht schon lange ? “ Heinz wurde verlegen . „ Tante hatte Weihnachtsarbeiten , “ sagte er unsicher . „ Sieh ’ mal , sie hat dich gemalt ; und hat dir die hübsche Bluse genäht ; aber nun wollen wir sie bitten , daß sie bei uns bleibt , und dann lesen wir und spielen Halma , und das Pianino schieben wir hierherein und Tante singt uns Lieder vor – möchtest du das ? “ „ Freilich , Papa ! “ antwortete der Kleine und seine Augen glänzten . Und dann klopfte es plötzlich und gleich darauf trat Hede ein . Heinz erwiderte ihren „ Guten Abend ! “ nicht , er sah sie nur groß an , erstaunt , befremdet . So hatte sie ausgesehen vor fünfzehn Jahren , so rosig , so jung , so hübsch . Eine Strähne der dunklen Scheitelhaare hatte sich gelockert und hing ihr über die Stirn , die Lippen , die sonst einen so herben Zug hatten , ließen nun im halb verlegenen Lächeln die weißen Zähne durchblitzen – wie ein Wunder erschien sie ihm . „ Heinz ! bist du böse ? “ fragte sie und ging zu ihm hinüber und erfaßte seinen Arm . Er schüttelte den Kopf . „ Hast du auf mich gewartet ? “ „ Ja ! “ sagte das Kind anstatt des Vaters , „ sehr haben wir gewartet , und wir wollten dich um etwas bitten . “ Sie blickte von einem zum andern und ihr Lächeln erstarb . „ Wir wollten dich bitten , Tante , daß du jetzt immer abends bei uns bleibst . Es ist nicht schön wenn du drüben allein sitzest , sagt Papa , und das Klavier schieben wir auch hierher . Hede antwortete nicht , sie sah nur fragend auf Heinz , auch er hatte eine Frage in seinen Augen , und auf einmal färbte ein Purpurrot ihr Gesicht . „ Heinz , “ begann sie endlich , zu ihm tretend und die Hand auf seine Schulter legend , „ Heinz , ich muß dir eine Mitteilung machen . Sieh , Heinz – ich – du weißt ja wie arm ich bin an einem bißchen eignen Glückes – oder , du weißt es nicht , nein – du weißt es ja nicht ! Und da hat mich der Zufall , oder die Not – wie du willst – in das Haus getrieben , wo ich nun doch noch – nicht ein bißchen – nein , ein ganzes Uebermaß von Glück finden sollte . – - Heinz , ich habe es genommen , als es mir entgegengebracht wurde heute , ich konnte es ja nehmen , ich bin frei , ganz frei , denn du – du brauchst mich nicht – ich hab ’ s gemerkt während des halben Jahres meines Hierseins . Und so bin ich jetzt Günthers Braut . Er war sehr blaß geworden , er trat auch unwillkürlich einen Schritt von ihr fort , so daß ihre Hand von seiner Schulter sank . Dann aber , als er in ihre Augen sah , ihre erschreckten