, « wehrte Norina , » mir ist , als wären sie alle beseelt . « Als sie die Höhe erreichten , zeigte sich plötzlich ihnen zur Seite ein Berghang , übersät von blühenden Ginsterbüschen . Die Sonne stand darauf und wandelte alles in funkelndes Gold , während der Himmel dahinter sich veilchenblau wölbte . In stummem Staunen standen die beiden Wandernden . Dann sanken sie wortlos in das weiche Gras . Sie waren wie verzaubert . Bis drüben der Glanz erlosch . Dann erwachten sie . Und kletterten , die Straße suchend - denn das Sinken der Sonne erinnerte an den Heimweg - gerade hinauf , wobei Konrad jeden Stein dankbar grüßte , weil er ihm den Vorwand bot , Norinas Hand zu umfassen . » Wir sollten uns stärken vor dem Heimweg , « meinte er , sobald sie die Straße erreicht hatten . » Stärken ? Wo ? « lachte sie . » Glauben Sie , hier gäbe es alle hundert Schritte ein Wirtshaus ? ! Da müssen wir schon bis nach Tavernuzze zurück ! « Er sah sich um . Jenseits , auf der höchsten Höhe , entdeckte er Mauerwerk zwischen Weinspalieren . Und die Kinder , die unten am Wasser mit den rosigen Schweinchen gespielt hatten , kamen die Straße herauf und bogen um die Mauer in der Richtung auf jenes versteckte Haus . » Habt ihr da droben zu trinken ? « sprach Konrad die kleinen Burschen an . Sie lachten lustig aus braunen Schelmenaugen . » Wir haben Wein , sehr guten Wein , « meinte der älteste stolz und winkte dazu mit den schmutzigen Händchen . Konrad und Norina folgten ihm . Sie kamen an ein Haus mit gewölbter , auf mächtigen Pfeilern ruhender Loggia . In schweren , dichten Trauben umspannten üppige Girlanden blauer Glyzinen ihre Bogen ; auf der einen Seite füllte sie hochgetürmt duftendes Heu , um das ein ganzes Hühnervolk gackerte , auf der anderen saß auf geflochtenem Strohstuhl eine sehr alte , weißhaarige Frau mit einem kleinen , nackten Kinde auf dem Schoße . Als unsere Wandernden , von den Knaben angekündigt , sich näherten , traten aus der Türe im Hintergrund ein paar hochgewachsene Weiber , aus dem Garten liefen noch andere Kinder herzu , und langsam , mit arbeitsmüdem Schritt , kamen die Männer aus dem Stall und von der Wiese . Einer , der letzte , ein dunkel gebräunter Geselle , trug über den breiten Schultern schwere Kupferkessel . Er hob sich im Schreiten in großer Silhouette vom Abendhimmel ab , der jetzt einem stillen , grünen Meere glich . Sie scharten sich , wie um ihres Lebens Mittelpunkt , um die Alte , die , während die anderen alle die Fremden grüßten , mit einer fast abweisenden Würde ihnen entgegensah . Norina aber neigte sich vor ihr . » Es soll Frauen geben , « sagte sie dann zu Konrad , » die höhnend davon reden , daß man sie zu einer Gebärmaschine erniedrigen wolle . Was kann ein Weib mehr erhöhen , als am Ende ihres Lebens ihres ganzen Geschlechtes Mutter zu sein ? ! « Sie streichelte den Kindern die braunen und schwarzen Köpfchen und sprach lächelnd mit den Frauen , während Konrad vom Bauer erfuhr , daß Wein und Öl , sieben Eier und ein Laib alten Brotes alles sei , was er im Hause habe . » Gern « , so sagte er freundlich , » steht es den Gästen zur Verfügung . « Im Kamin loderte alsbald , von Holzblöcken genährt , ein mächtiges Feuer auf , am Kesselhaken darüber hing die Eisenpfanne , in der in brodelndem Öl Mehl und Eier zu köstlichen Kuchen brieten . Die roten und blauen Flammen erleuchteten den dunklen Raum , tauchten die vielen Gesichter , die sich um die am Tische sitzenden Fremden reihten , in ihre Glut . Schon lag ein reines Tuch über der geschwärzten Platte , als von draußen einer der Knaben hereinlief und einen Strauß duftender Rosen in ihre Mitte stellte . Dann trug der Bauer die große , strohumflochtene Flasche herzu , die Mädchen brachten Teller und ungefüge eiserne Gabeln und Messer , und schließlich setzte die Bäuerin stolz den dampfenden Kuchen vor ihre Gäste . Die Flammen im Kamin sanken zusammen . In tiefem Violett , das nur die Sterne durchbrachen , sah der Himmel durch das einzige kleine Fenster . Norina und Konrad hoben die Gläser , um ihren Gastgebern zuzutrinken . Sie dankten freudig . Dann aber füllte der Bauer noch einmal die Becher : » Madonna segne den Schoß der Frau ! « sagte er feierlich . Und Konrad zog , als könnte es nicht anders sein , Norinas Kopf an seine Schulter und küßte sie auf die Stirn . Als sie in die Loggia hinaustraten , saß die Greisin noch immer auf ihrem Sessel . Das Kind auf ihrem Schoße schlief . Norina neigte sich abermals tief vor ihr . » Deinen Segen , Mutter , « bat sie . Und die alte Frau hob ihre zitternde , von eines langen Lebens Arbeit rauh gewordene Rechte und legte sie auf den Scheitel der jungen . Noch einen Blick auf das alte Haus , und sie gingen dem Tale zu . Die Nacht lag dunkel darin . Aber Miriaden Leuchtkäfer wetteiferten mit den funkelnden Sternen , um sie hell zu machen . » Wein Weib ! « flüsterte Konrad , ihre Lippen suchend . Nur ganz leise gaben sie den Druck der seinen zurück . Als sie wieder durch die schmale Gasse von Montebuoni kamen und den Aufgang zur Kirche erreicht hatten , öffnete sich in dem Hause vor ihnen eine Tür . Chorknaben erschienen , vermummte Gestalten dann mit brennenden Kerzen in den Händen , - ein Zug , der kein Ende nahm ; und schließlich : ein schwarzer Sarg . - Norina erbebte . Konrad aber hatte den Arm fest um sie geschlungen . » Mein Weib ! « flüsterte