der dicke weiße Dunst des Baderaumes in den bleichen , kühlen Tag hinaus . Und da draußen gewahrte Herr Jettenrösch einen mit dem Pferde quirlenden Reiter , der sich auf der Flucht in den Gassenwinkel vor dem Badhaus verirrt hatte . » Gottes Tod ! Was ist denn geschehen ? « Entgeistert starrte der Reiter dieses paradiesische Fenster an , in dem jetzt unter wehendem Dampf ein doppelter Adam und eine dreifache Eva zu sehen war . Fünf Stimmen kreischten ihm erschrocken zu . Und da lallte der Reiter : » Die Hallturmer Mauer ist gefallen . Die bayrischen Reiter sind hinter uns . Springet , ihr Herren , springet ! « Herr Jettenrösch , der Hundswieben und die drei frummen Fräulein sprangen bereits . Sehr schnell . Sie sprangen aus der Badstube und über die steile Treppe hinauf . Es verging eine halbe Stunde , bis sie zur Not in deckende Kleider kamen und in der Verwirrung zusammenraffen konnten , was sie mitschleppen wollten . Durch die Marktgasse gab ' s keinen Weg mehr . Vor dem Badhaus knäuelte sich ein Gedränge flüchtender Bauern vorüber , mit großen Packen auf den Köpfen , mit Kindern , Schafen und Schweinen , mit Vieh und Karren . Ein Trupp von sieben Gadnischen Reitern sprengte erbarmungslos in dieses Gewühl hinein - und einer war dabei , der halb ohnmächtig im Sattel hing , helmlos , das bärtige Gesicht und die Platten der Rüstung von Blut übergössen . War ' s der Marimpfel ? Oder war ' s nur einer , der ihm gleichsah ? Die fünfe aus dem Badhaus hatten erschrocken kehrtgemacht . Sie liefen durch den Hausflur , gewannen das Gärtlein , hüpften durch die bunten Beete , kletterten über Mauern und Zäune , flüchteten über das steile Gehäng hinunter und wateten im Tal durch die rauschende Ache . Auf dem Sträßlein , das neben dem Frauenreuter Sudhaus gegen den Königssee hinaufzog , trafen die fünf dürftig Bekleideten keuchend mit dem Häuflein der dicht verhüllten Nonnen zusammen , die aus dem geweihten Schwesternhaus geflohen waren und mit geschürzten Kutten zu dem verläßlichen Schlupfwinkel der Klostergrube rennen wollten . Wie ein Schwärm erschreckter Schäflein sprangen die frommen Mütterchen ratlos hin und her und waren glücklich , als sie Geleit und männlichen Schutz bekamen . Hinter den beiden blessierten Stiftsherren zappelten die ehrbaren Nonnen und die frummen Fräulein einträchtig nebeneinander her , hielten sich bei den Händen gefaßt und beteten beim Springen den gleichen Hilfeschrei zur allbarmherzigen Himmelskönigin . Wer von diesen Fliehenden die verstörten Augen über die Schultern drehte , konnte droben auf der Hallturmer Straße , von jagendem Nebel halb umschleiert , ein winziges Figürchenspiel entdecken , das sich hurtig gegen Berchtesgaden bewegte . Aus der Ferne beschaut , erschien es fein und zierlich . In der Nähe war ' s ein Schauder und Grauen . Hinter fliehenden Fußknechten des heiligen Peter kam ein Schwärm der Burghausener Harnischreiter einhergesprengt . Nach der blutigen Arbeit bei der Hallturmer Mauer blühte diesen Siegern das lustige Sackmachen zu Berchtesgaden . Wer jetzt den flinksten Gaul hatte , fand die reichste Beute und konnte das Haus wählen , das er plündern wollte . Wie der Hagel auf die Ähren schlägt , so stampften die Gäule immer wieder in einen Trupp der Fliehenden hinein . Wer von diesen Bedrohten nicht über den Hang der Straße hinuntersprang - wer in einem Wahnwitz , den er als Tapferkeit empfand , sich wider die rollende Eisenwalze zur Wehr setzte - , der wurde niedergeritten , niedergeschlagen , niedergestochen . Weit hinter dem Reiterschwarme jagte ein schlanker Falbe , der sich beim Rennen wie ein Windhund streckte . Im Sattel gaukelte ein junger Mensch . Seine Rüstung war von Erde und Asche umkrustet , mit geronnenem Blut gesprenkelt . Die Linke hielt den Zügel vorgeschoben ; die Rechte , die schlaff hinunterhing , umklammerte den Griff des Schwertes . Er hatte den Helm verloren , trug nur die Kettenhaube - und aus dem kleinen Oval des Stahlgeflechtes sah ein blasses , von Schweiß und Schmutz geflecktes , fast zur Unkenntlichkeit verzerrtes Knabengesicht heraus . Immer hörte er zwei zornige Stimmen schreien , weit hinter sich . Der eine von den beiden , die immer die gleiche Silbe kreischten , ritt auf einem keuchenden Schimmel , der andre auf einem erbeuteten Roß , das eine Gadnische Herrenschabracke trug . Die beiden hetzten ihre Pferde , doch immer größer wurde die Entfernung zwischen ihnen und diesem andern . Als hinter den Wiesenhügeln die ersten Dächer von Berchtesgaden auftauchten , hatte der Falbe den jagenden Reiterschwarm schon eingeholt . Mit keinem Spornstreich hetzte der junge Mensch den Gaul . Aber bis auf die Mähne beugte er sich und bettelte mit flehenden , leisen Lauten . Und der Falbe streckte , streckte und streckte sich , überholte wieder und wieder einen von den andern Reitern , kam mit der Nase voraus und jagte als erster in die leere Marktgasse von Berchtesgaden hinein . Als der Reiterhaufe um die Wende der Gasse sauste , fiel ein Geknatter über die Dächer her , und droben auf dem Berghang pufften kleine Wölklein auf , die Schüsse von Faustbüchsen . Zwei von den Reitern fielen unter die Gäule - ein Roß , das in den Kopf getroffen war , stieg mit fuchtelnden Hufen in die Luft . Auch der Bub auf dem rasenden Falben wankte . Doch er hielt sich an der Mähne . Vor einem Haus , durch dessen Erkerglas ein weißes Frauengesicht in Angst herausguckte , wollte er das Pferd zum Stehen bringen . Der Falbe prellte noch eine Strecke weit voraus . Mit zerrenden Fäusten wendete der junge Reiter den Gaul und erreichte an Amtmann Someiners Haus das Tor in dem gleichen Augenblick , in dem der Sackmacherschwarm heranrasselte . Der erste Häuf jagte weiter , zum Stift und zu den Kirchen , aus denen sich die fetteste Beute holen ließ . Die Nachtrabenden wählten unter den Häusern der Gasse . Der Bub blieb im