noch nicht geboren ist , sein Leben enden wird als Mann oder als Greis oder ... ach , was für Gedanken ... fort , fort . Heinrich erklärte sich bereit , den Wunsch Annas zu erfüllen , und stand auf . » Es wird mir vielleicht selber nützlich sein « , sagte er wie zur Entschuldigung . » Ich könnte über allerhand ins Reine kommen . « » Aber geben Sie acht , daß Sie nicht plötzlich in Ihre politische Tragikomödie geraten « , bemerkte Georg . Und zu Anna gewandt : » Er schreibt nämlich ein Stück mit einem deutschnationalen Couleurstudenten als Helden , der sich aus Verzweiflung über die Emanzipation der Juden mit Schwämmen vergiftet . « Heinrich winkte ab . » Ein Glas Bier weniger und Sie hätten nicht einmal diesen Witz gemacht . « » Neid « , erwiderte Georg . Er fühlte sich außerordentlich gut aufgelegt , insbesondere , weil er nun fest entschlossen war , übermorgen abzureisen . Er saß ganz nahe bei Anna , hielt ihre Hand in der seinen und hörte es wie von Melodien späterer Tage im tiefsten Grunde seiner Seele rauschen . Heinrich stand plötzlich im Garten draußen vor der Veranda , griff über die Brüstung , nahm seinen Mantel vom Sessel und schlug ihn romantisch um sich . » Ich beginne « , sagte er . » Erster Akt . « » Vorher Ouverture in D-moll « , unterbrach ihn Georg . Er pfiff eine getragene Melodie , nur ein paar Töne , und schloß mit einem » und so weiter « . » Der Vorhang hebt sich « , sagte Heinrich . » Fest im königlichen Garten . Nacht . Am nächsten Tag soll die Prinzessin mit dem Herzog Heliodor vermählt werden . Vorläufig nenn ich ihn Heliodor , er wird wahrscheinlich anders heißen . Der König betet seine Tochter an und kann Heliodor , der eine Art von zäsarenwahnsinnigem Gecken vorstellt , nicht ausstehen . Zu diesem Fest , das der König hauptsächlich gibt , um Heliodor zu ärgern , sind nicht nur die Edeln des Landes geladen , sondern die Jugend aller Stände , soweit sie sich durch Schönheit ein Recht dazu erworben hat . Und die Prinzessin soll an diesem Abend mit jedem tanzen dürfen , der ihr gefällt . Da ist besonders einer , Ägidius mit Namen , von dem sie ganz hingerissen scheint . Und niemand freut sich mehr darüber als der König . Eifersucht Heliodors . Steigendes Vergnügen auf Seite des Königs . Auseinandersetzung zwischen Heliodor und dem König . Hohn , Verfeindung . Nun geschieht etwas höchst Unerwartetes . Ägidius zückt den Dolch gegen den König , er will ihn ermorden . Dieser Mordversuch müßte natürlich sehr sorgfältig motiviert werden , wenn Sie nicht die Güte hätten , lieber Georg , die Sache in Musik zu setzen . So wird es genügen , anzudeuten , daß der Jüngling ein Tyrannenhasser , Mitglied einer geheimen Verbindung , vielleicht ein Narr oder Held auf eigne Faust ist . Das weiß ich nämlich noch nicht . Der Mordversuch mißlingt . Ägidius wird festgenommen . Der König wünscht mit ihm allein zu bleiben . Duett . Der Jüngling ist stolz , gefaßt , groß , der König überlegen , grausam , unergründlich . So ungefähr stell ich mir ihn vor : Er hat schon viele in den Tod geschickt , schon viele sterben sehen , aber ihm , in seiner ungeheuern innern Wachheit , scheinen alle übrigen Menschen in einem Zustand halber Bewußtheit dahinzuleben , so daß ihr Dahingehen gewissermaßen nichts anderes zu bedeuten hat als einen Schritt aus Dämmerung in Finsternis . Ein solcher Untergang scheint ihm hier zu mild oder zu banal . Diesen Jüngling will er aus einem Tag , wie ihn noch kein Sterblicher genossen , ins furchtbarste Dunkel stürzen . Ja , das geht in ihm vor . Wieviel er davon ausspricht oder singt , das weiß ich natürlich noch nicht . Ägidius , als ein nach aller Meinung zu sofortigem Tod Bestimmter , wird abgeführt , und zwar auf dasselbe Schiff , auf dem am Abend darauf Heliodor mit der Prinzessin ihre Reise hätten antreten sollen . Der Vorhang fällt . Der zweite Akt spielt auf dem Verdeck . Das Schiff in voller Fahrt . Chor . Einzelne Gestalten heben sich heraus . Ihre Bedeutung tritt erst später zutage . Morgendämmerung . Ägidius wird aus dem untern Schiffsraum heraufgeleitet . Wie er natürlich glauben muß , zum Tode . Aber es kommt anders . Seine Fesseln werden gelöst , alle neigen sich vor ihm . Er wird begrüßt wie ein Fürst . Die Sonne geht auf . Ägidius hat Gelegenheit zu bemerken , daß er sich in der besten Gesellschaft befindet . Schöne Frauen , Edelleute . Ein Weiser , ein Sänger , ein Narr sind zu größern Rollen bestimmt . Aus dem Chor der Frauen löst sich aber keine andre als die Prinzessin selbst , die Ägidius zu eigen gehört , wie alles auf dem Schiff . « » Ein splendider Vater und König « , sagte Georg . » Für einen geistreichen Einfall ist ihm nichts zu teuer « , erläuterte Heinrich , » das ist seine Natur . Es folgt ein herrliches Duett zwischen Ägidius und der Prinzessin , dann setzt man sich zum Mahl . Nach dem Mahle Tanz . Hohe Stimmung . Ägidius muß sich natürlich für gerettet halten . Er wundert sich nicht übermäßig , denn sein Haß gegen den König war immer sehr von Bewunderung unterzündet . Der Abend bricht an . Plötzlich ist ein Fremder an der Seite des Ägidius . Vielleicht ist er auch längst dagewesen . Einer unter den vielen , unbemerkt , stumm . Er hat ein Wort mit Ägidius zu sprechen . Fest und Tanz gehen unterdessen weiter . Ägidius und der Fremde . All dies ist Euer , sagt der Fremde . Ihr könnt damit nach Belieben walten , könnt Besitz ergreifen und töten , ganz