, es lag Freude , Wehmut und auch etwas Stolz auf den schönen Lippen . » Apropos , « rief sie ihm entgegen , » ich habe Briefe von Ihren Freunden aus Deutschland für Sie mitgebracht , « und nach diesen Worten sagte sie den Herren » Gute Nacht , « ergriff den Arm des Grafen Kicki , und verließ den Saal . Valerius ging ebenfalls nach seinem Mantel ; der Gedanke an die deutschen Briefe erfüllte seinen Geist , und träumerisch stieg er die Treppe hinab . » Gute Nacht , lieber Träumer , « flüsterte kaum hörbar eine deutsche Stimme neben ihm . Als er sich ermunterte , sah er den Grafen und die Fürstin vor sich hineilen , und ein Schwarm von jener Gruppe aus dem Saale stürmte an ihm vorüber nach der Tür . Dort schwangen sie sich rasch auf ihre Pferde und begleiteten den Wagen Konstantiens . Diese ungewöhnliche Courtoisie machte einen angenehmen Eindruck auf Valerius . Man sieht gern das Heimische geehrt in der Fremde . Er glaubte wenigstens , dies sei der Grund seines Wohlgefallens an dieser Szene . 16. Es war spät in der Nacht , aber der Mond schien noch in lichten Strahlen . Valerius war so erfüllt von Gedanken , Träumen , unklaren Wünschen , daß er seine Wohnung noch nicht suchen mochte . Er wanderte durch die stillen Straßen und war bald wieder auf der Weichselbrücke . Wie so ganz anders sahen ihn jetzt die Wellen des Flusses , die Sterne , die Mondesstrahlen , die dunkel gewordenen Fenster der Paläste an ; denn die äußeren Dinge erhalten erst ihre Augen und ihre Sprache von unserem Herzen . Selbst die trüben weltgeschichtlichen Gedanken , die ihn vor wenig Stunden hier zu Boden drückten , sie waren verschwunden , und wenn er sie herbeirief , so lächelten sie , als hätten sie ihren Scherz mit ihm getrieben . » Es ist wirklich eine Maskerade , « sprach er vor sich hin , » dies wunderliche Leben bis in das geheimste Treiben unserer Gedanken hinein , und es kommt nur auf die Beleuchtung an , ob sie ein schauerliches oder ein lustiges Ansehen haben soll . Solch eine gewöhnliche Redensart : Das Leben ist eine Maskerade , und doch so tief und so richtig ! Im Grunde sind in den vulgärsten Sprichwörtern und Phrasen alle Wahrheiten längst aufgefunden , und es ist töricht , sich darum zu quälen . Man verliert sein Leben , und die Welt gewinnt nichts Neues . « Aber sein grübelnder Charakter verließ ihn auch in diesem Augenblicke nicht , auch von seinen glücklichen Momenten verlangte er Rechenschaft . Er erinnerte sich einer Zeit , wo diese Fürstin Konstantie einen durchaus ungünstigen Eindruck auf ihn gemacht hatte : ihr männlicher Stolz , ihre Keckheit , des Lebens Freuden wie eine Titanin an sich zu reißen , hatte ihm mißfallen , entschieden mißfallen . Und er konnte sich doch nicht leugnen , daß ihre plötzliche Erscheinung ihn jetzt mit einer Art Zauber überwältigt hatte . Aber er leugnete sich ' s. Stanislaus und der tiefe Blick , den er in ein so edles , so vortreffliches Herz getan hatte , die Überzeugung , welche er dadurch gewonnen , jenes romantische Polen , für das er ausgezogen von seiner Heimat , existiere wirklich , Hedwig mit dem Schimmer ihrer lieblichen Jugend , die ganze kräftige Freude des Festes - das alles , glaubte er , habe seinen Trübsinn verscheucht . » Und die Fürstin hat wohl auch dazu beigetragen , « setzte er leise hinzu . » Sie erinnert mich an die schönen Tage in meiner Heimat , an das poetische Grünschloß , an meine innige Kamilla ! Ich habe dir versprochen , Kamilla , dein zu gedenken und dich zu küssen , wenn ich mich freue , vergib , daß es seit so langer Zeit zum ersten Male geschieht . « Während er wieder nach der Stadt zurückkehrte , erkämpfte er von seiner Eitelkeit noch einen neuen Grund , und da es eben eine verstockte Eitelkeit war , die er sich in seinem früheren so abgemachten und sicheren Wesen zum Vorwurf machte , so verfolgte er mit der Strenge eines Büßers jeden Sieg , den er über diese Schwäche zu erringen glaubte . » Sie ist die Schwester des Eigennutzes , und dieser der Erbfeind aller Bildung , « sagte er , um sich in eine erhöhte Stimmung zu bringen und dadurch seinen Fehler desto lebhafter zu empfinden . » Sie hat von jeher die besten Menschen , und somit die besten Prinzipien unterjocht , die Führer und Träger neuer großer Ideen haben sich von der alten verderbten Welt betören lassen durch eitlen Prunk und Glanz , so ist Cäsar , so Napoleon erlegen , so sind tausend weniger Bekannte immer wieder zurückgezogen worden unter den Troß der Gewöhnlichkeit . « Er glaubte nämlich , ein geheimes Etwas in ihm sei geschmeichelt oder bestochen vom Range der Fürstin , und die mehr als gewöhnliche Auszeichnung , mit der sie ihm begegne , mache darum einen so günstigen Eindruck auf ihn , weil sie von einer Fürstin ausgehe . Sein ganzer demokratischer Stolz empörte sich dagegen , aber was helfen Grundsätze gegen anerzogene Schwächen ! In unserem Zeitalter der großen Standesunterschiede wächst mit einem großen Teile der niedriger Geborenen ein verborgener irdischer Himmel auf , in welchem die höheren Stände sich bewegen , nach welchem der Geist strebt , ohne es zu wissen . Denn dieser wunderliche Himmel liegt wie eine unklare , ungestaltete Ahnung in diesen Menschen , und wenn sie mit vornehmen Leuten in genaue Lebensverhältnisse kommen , so fühlen sie sich in einer erhabeneren Sphäre , und doppelt glücklich , ohne daß ihr Stolz die richtige Deutung dieser Illusion auffinden läßt . Das schreitet vom Bauer zum Bürger , vom Adeligen zum Fürsten , und durch alle Mittelglieder dieser Stände . Es hilft nichts dagegen als ein trostloser Indifferentismus , der keine Reize kennt , und