Brust , wie aus seinem innersten Leben drängend . Daß er erschrocken stand . Daß er ewig lauschte . Daß es ihm deuchte , als wenn in den reinen Lüften , die im Weidenstumpfe knarrten , und in den fernen , freien Tieren dasselbe seit Anbeginn lebendig wäre wie in ihm . Ungebunden und mit freiem Fluge , die Seele voll Licht und den Weg voll blumigen Grases hinauszuspringen , ohne Band , ohne Ziel , weil allenthalben das Ziel der Stunde , die Rast , der Aufenthalt , die Stärkung unter Fuß oder Huf gebreitet daliegt , von der Sonne geweckt , vom wehenden Luftzuge erzitternd . Hier quollen Gefühle der Freiheit auf . Und er wähnte so hin in seinen wachen Träumen , als wenn er hineingestellt wäre , ein alter Zigeuner , in die weite Steppe und hätte irgendwo da sein Wanderzelt aufgeschlagen . Als wäre er nicht geboren in einer fremden , gebundenen Gesellschaft , sondern aus dem Boden aufgesprungen , wie eines jener schlanken , schönen Schwertgräser , die mit ihren toten Ähren jetzt am Wassergraben entlang sich stolz wiegten . Hier vergaß Einhart , daß noch eine andere Welt lebte , darin er als ehrgeiziger Künstler umgegangen . Und sein einstiges Treiben und Trachten schien erstorben zu einem fernen , leeren Gemurmel . Hier hockte Einhart stundenlang auf einer Hürde und sah hinaus . Sein dunkles Gesicht war jetzt noch vollends richtig bronzen gebrannt . Seine Hände waren fein und dürr wie braune Zigeunerhände . Hier begann in ihm zum ersten Male eine Stimme leidenschaftlich zu rufen nach einem freien , eigenen , aus sich bestimmten Leben . Nie hatte er gewußt , daß es im Blute einen Laut gibt , so unaufhaltsam , so unstillbar tief , so ewig alle Stimmen der Zeit und der Welt überrufend , daß nichts bleibt als diese eine Stimme . Unter den Tieren wanderte er manchmal weit hinaus , ohne Hut , ohne Stab , ganz nur er , einsam und achtlos , daß man ihn schließlich ängstlich ein paarmal suchen kam und ihn an die Ordnung im Schlosse gütig zu mahnen . Er konnte hier alles vergessen . Er starrte einem Blatte nach , das frei im Winde lebte . Und einem Füllen , das nach seiner Mutter Laut die Ohren neckisch vorwarf . Er sah auch immer darin eine Weibesgestalt bewegungslos stehen , streng in sich selber und von zärtlicher Güte , wie nur die Schönsten sie haben . Mit der Süße der Züge einer Geliebten und auch eines ein wenig ängstlichen , lieblichen Kindes . Fern kam es . Fern ging es . Diese Bilder von Verena tauchten von ferne in die Fülle Gefühl , die ihn in der Steppe zum Leben aufrief . Und wenn dann Einhart heimgekommen , waren seine Augen von dem Glanz , der in jedem Grase gefunkelt , noch tiefer und fröhlicher , noch ahnungsvoller und leidenschaftlicher zugleich . Es ging dann aus seinen Augen und aus seinen Worten , wenn er sich so vollgesogen mit der kühnen , hinauslockenden Freiheit des Weidetieres und des ziehenden Vogels , eine solche stählerne Festfreude aus , daß mancher an der besonnten Schloßtafel , verstohlen auf Einhart blickend , nicht begriff , wie mit diesem schlanken , jetzt in gewählter Salontracht dasitzenden , leicht ergrauten Manne , dessen Mienen und Gebärden sanft und gütig waren , sich ein solcher Hauch freien Wandertums und losen Abenteuers , eine solche rücksichtslose Ungebundenheit und Lust am namenlosen Leben auf der weiten Erde je zusammengefunden . Einhart saß an der Tafel sanft geneigt . Die Gräfin Schleh sah ihn wie beglückt an . Aller Blicke suchten ihn manchmal . Er konnte mit lustiger Laune auch nur von dem springenden Blatte erzählen , dessen Spiel über die Ebene hin er mit spannenden Augen aufgesogen . Oder das Zwiegespräch von ein paar rauhaarigen Füllen , das er , als sie miteinander weideten , vorgab selber erlauscht zu haben . Innige Wahrheit barg sich immer hinter seinen lustigen Lügen . Man sah alles , was Einhart sich so aus den blauen Lüften eingebildet . Denn Einhart hatte wie ein Raubvogel so sicher die kleinsten Seelendinge angesehen , die in Luft und Steppe hinstrichen . Das alles hatte er erspäht . Das alles lebte in seinen Worten . Daß ein Pferdewiehern wie ein Lachen der Freiheit und das Auseinanderbrausen einer jungen Hengsteschar wie der letzte Ton einer ganzen Geschichte der Leidenschaft ausklang . Man liebte Einhart . Alle liebten ihn . 9 Tage nachher war man beim Landmarschall , dem Grafen Renauld , zur Tafel . Einhart sah hier Verena wieder , die heute in lichten Gewändern kam . Hier ging von Anfang an eine fröhliche Laune durch die hohen , reichen Räume . Der alte , zausbärtige Schloßherr , ein frischer , leidenschaftlicher Mensch , der jeden Eintretenden eine Weile mit zutunlichen Worten in Beschlag nahm , hatte besonders Einhart laut hofierend angesprochen . Und er war dann auch nicht mehr von seiner Seite gegangen , hatte ihn heiter plaudernd und lachend einige Säle im Schlosse weitergeführt , und hatte ihm dort herrliche Sammlungen von japanischen Altertümern , persische antike Porzellane und die kostbarsten Möbelstücke alt orientalischer , eingelegter Arbeit , wahrhaft königliche Besitztümer , einzeln vors Auge gehalten und erklärt . Aber auch bei Tisch waren alle voll Laune . Auch Verena , die in ihren hellen , blaßgrünen Falbeln und mit der dunklen Perle mitten auf der Stirn , die an einem Goldkettchen hing , wie eine liebliche Heilige von Perugino dasaß . Es schien , als wenn auch sie nur eine arglose Teilnehmerin zu erscheinen wünschte . Sie sprach , ein wenig scheu , einige Male freundlich über den Tisch herüber . Was Komtesse Josefa unabsichtlich flüchtig lächeln machte , weil Verena dabei in richtiger , weltlicher Teilnahme redete . Man sprach während der Tafel viel von den Künsten . Der alte , graubärtige Schloßherr hatte Einhart dazu ausdrücklich angeregt . Und weil Einhart gleich mit