der nicht auf ihn gehört hatte , wieder bei sich aufzunehmen , und zwar als Schwerkranken , der von der Gastfreundschaft viel größere Opfer forderte als ein Gesunder . Die uns angewiesenen Zimmer lagen alle nebeneinander . Zwischen einigen von ihnen gab es innere Verbindungstüren , sodaß wir uns besuchen konnten , ohne erst hinaus auf den Korridor gehen zu müssen . Und ebenso willkommen war uns der Umstand , daß es an Stelle der Fenster Türen gab , durch welche wir aus unsern Wohnungen direkt hinaus in das Freie treten konnten . Ein Jeder von uns bekam einen holländischen Soldaten zur Bedienung zukommandiert . Diese Leute sprachen alle ziemlich gut malajisch , wenigstens den dortigen Dialekt . Sogar meinem Sejjid Omar wurde einer zugesellt . Diese Beiden wurden gleich am ersten Tage » dicke Freunde « , und es bereitete uns Andern ein stillgenossenes Vergnügen , den Araber mit seinem Nederlander holländisch zu malaien oder malajisch holländern zu hören . Die beste Stube wurde natürlich für den Kranken bestimmt , und ebenso selbstverständlich war es , daß Mary , seine Tochter , neben ihm zu wohnen kam . Die Möbel waren überall zwar einfach , aber höchst bequem , dem Klima und Gewohnheiten dieser Gegend angemessen . Mit einem Worte , wir sahen uns ganz vortrefflich installiert und hatten das nicht etwa uns oder unsern Vorzügen und Verdiensten , sondern nur der noblen Gesinnung des » Mijnheer « zuzuschreiben , zumal wenn wir an den so rücksichtsvoll versteckten Vorwurf der Hafenbeamten dachten : » Wir haben grad jetzt scharfe Differenzen mit den Eingeborenen , und es gibt eine europäische Nation , welche ihnen heimlich Waffen liefert . Sie verstehen mich ! « Nachdem Mary ihres Vaters Wohnung zu seinem Empfange vorbereitet hatte , war es ihr unmöglich , länger im Zimmer zu bleiben . Sie wanderte draußen im Freien ruhelos hin und her . Tsi war , nachdem er gesehen hatte , wo er wohnen sollte , gleich wieder fortgegangen . Als er wiederkam , folgte ihm ein Malaie , welcher einen großen Pack Pflanzen trug . Es war Brucea sumatrana , das Ko-su der Chinesen , welches der junge Arzt in der Nähe des Kratong in hinreichender Menge gefunden hatte . Er ging damit nach seinem Zimmer , um es zum Gebrauche vorzubereiten . Ich saß inzwischen mit den beiden Engländern beisammen , und es bedarf wohl keiner Frage , wovon wir uns unterhielten . Das Gespräch ging fast nur zwischen mir und Raffley hin und her . Der Uncle warf nur sehr selten ein Wort hinein , denn er war so mit sich selbst beschäftigt , daß er kaum hörte , was wir sagten . Wir ahnten wohl , worüber er so eifrig nachdachte , bekamen es aber auch zu hören , als er endlich ungeduldig aufsprang und in beinahe zornigem Tone sagte : » Ich werde diese beiden Kerls nicht los ! Sie rütteln an mir , immerfort , immerfort ! « Hierauf begann er , im Zimmer auf und ab zu wandern . » Welche Kerls , dear uncle ? « fragte John lächelnd . » Dieser Omar und dieser Tsi , « antwortete der Governor . » Sie sind beide so höflich , so bescheiden gegen mich , und doch ist es mir , als ob sie hinter meinem Rücken über mich lachen müßten . Das ist ein Zustand , den ich nicht gut vertragen kann ! Und worüber haben sie zu lachen ? Ueber meine berühmte Kenntnis fremder Völker , natürlich , ganz natürlich ! Die haben bisher alle nichts getaugt ! Die waren unbildsam , rückständig , dumm und frech ! Kaum als ein lohnendes Kanonenfutter zu betrachten ! Die ganze Erde gehörte eigentlich uns , nur uns ; sie aber waren nur zu dulden , um das Niedrige zu tun , was sich für uns , die Erhabenen , nicht schickte ! Da kommt zunächst dieser arabische Sejjid Omar und schaut mich unausgesetzt mit seinen dunkeln Augen verwundert fragend an . Er wichst , schmiert und salbt seinem deutschen Sihdi die Stiefel , obgleich der Islam ihm das auf das allerstrengste verbietet , liebt ihn beinahe wie eine Braut und würde wohl gar für ihn das Leben lassen . Und außerhalb dieser unendlich rührenden Zuneigung ist er stolz wie ein Spanier und hält auf Ehre wie ein britischer Earl ! Es hilft nichts , daß ich mich dagegen sträube , ich muß es eingestehen , daß er mir gefällt , daß ich ihn achte , ja , daß ich ihn sogar liebgewonnen habe . Oder gar noch schlimmer , dieser Mensch scheint es darauf abgesehen zu haben , mir auf Schritt und Tritt und so oft er mir vor die Augen kommt , zu imponieren ! Er , der Eselsjunge , mir , dem Governor von Ceylonisch Indien ! « » Uncle , Uncle , « lachte Raffley . » Was muß ich von Euch hören ! Wer hätte das gedacht ! « » Lacht nur , Sir ; immer lacht ! « fuhr der Andere fort . » Ihr wißt ja nicht , warum er mir imponiert ! Diesem Sejjid ist meine Hautfarbe , meine Nationalität , meine Lordschaft , meine Governorschaft und Alles , Alles , worauf mein ganzer Stolz beruht , schnuppe , vollständig schnuppe ! Für ihn bin ich nur Mensch , grad so wie er , nur Mensch , weiter nichts ! Und das , grad das gefällt mir von dem Kerl ! Ich kann es ihm nicht verdenken , wahrhaftig nicht , denn als ehrlicher Mann muß ich mir sagen , daß ich an seiner Stelle wohl ganz derselbe Sejjid Omar sein würde , aber leider ohne die rührende Liebe , welche dem beinahe angebeteten Sihdi die Stiefel putzt und salbt ! Ich sollte eigentlich diesen Sihdi hassen , der es wagt , mir einen Eselsjungen mitzubringen , damit ich endlich einmal kennen lernen möge , was eigentlich ein Mensch ist und was keiner !