wollten ihm alle dienen und helfen . Er aber hatte sich besonders an des Erzählers Frau angeschlossen , bei dem er auch wohnte und aß . So verging nun eine Zeit , während welcher die Frau nachdenklich und schweigsam war ; dann aber sagte sie zu ihrem Mann , daß sie ja doch beide sich von den Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft befreit hätten und sich als Pfadsucher der neuen Menschheit wüßten , die , wie sie das oft besprochen , auch eine andre Form der Ehe bringen werde ; in dieser solle die Freiheit der Persönlichkeit gewahrt bleiben ; und da die Persönlichkeiten sich heute immer verschiedenartiger entwickelten , so werde die neue Ehe viele voneinander abweichende Typen aufweisen . Nun wisse er wohl , daß sie ihn liebe , aber es sei zu dieser Liebe eine neue Zuneigung in ihr Herz gekommen , nämlich für ihren gemeinsamen Freund ; und anfänglich habe diese Erscheinung sie recht beunruhigt , denn da die Gefühle zu ihm als ihrem Mann noch immer die alten seien , so habe sie ihn doch nicht verlassen mögen um den neuen Geliebten ; am Ende aber habe sie sich gedacht , daß auch solches in der künftigen Gesellschaft möglich sei , daß eine Frau mit zwei Ehegatten lebe , wie umgekehrt ein Mann mit zwei Ehefrauen , was wir ja beides auch heute schon bei barbarischen Völkern in der Wirklichkeit sehen ; und da sie doch die künftige Gesellschaft in ihrer Lebensführung vorbilden wollten , so schlage sie ihm vor , daß der Freund in ihren Ehebund als Gleichberechtigter aufgenommen werde . Auf diese Rede konnte der Mann nichts erwidern , da sie aber eine Angelegenheit von großer Bedeutung für die künftige Ordnung der Menschheit betraf , so entschloß er sich , daß er alles seinen Freunden unterbreitete , damit vorher eine gründliche Besprechung über die soziologischen und sittlichen Fragen stattfinde , die diesen Fall betrafen . Dies geschah nun alles , und nach einer sehr genauen Prüfung kamen die Freunde zu dem Urteil , daß die Frau recht habe und nach ihrer Rede geschehen müsse . Dem Spruch fügte sich der Mann , und so begannen die drei ihre neue Ehe . Nun zeigten sich aber bald Unzuträglichkeiten , die sich aus dem Wesen des zweiten Gatten ergaben . Durch seine Eigenart war er nämlich allen Vorstellungen unzugänglich , die bezweckten , ihn zu etwas seinem Willen Entgegengesetzten zu bewegen ; und nachdem zuerst aus Schonung alles nach seinen Wünschen gegangen war , herrschte er nachher hierdurch vollständig , zur großen Beschwernis des ersten Mannes . Und während sonst das neue Verhältnis wohl hätte Dauer haben können , wurde es ihm nun unerträglich , so daß er aus der Familie ausschied , denn die Frau hing mehr an dem zweiten Manne wie an ihm . Derart lebte er nun schon seit Wochen allein . Hans wußte auf diese Bekenntnisse wenig zu antworten ; aber da jemand , der sein Herz erleichtern will , denn der Mann hing noch an seinem Weibe und sehnte sich nach ihr , nicht verlangt , daß man viel zu ihm spricht , sondern er ist froh , wenn er selbst ohne Störung seine Beichte beenden kann , so fiel das dem andern nicht auf . Nach einer Weile fuhr der fort , nachdem er nun dergestalt allein lebe , habe er wieder mehr für die Verbreitung ihrer gemeinsamen Ideen tun wollen . Und da sei ihm Hans eingefallen , daß er es in der Hand habe , der Sache einen wichtigen Dienst zu leisten . Er wisse nämlich , daß er gelegentlich noch jenen Kurt besuche , den Schwager Hellers , den er gleichfalls an jenem ersten Abend kennen gelernt . Wenn er nun dem auf seiner Schreibstube einmal sage , er wolle telephonieren bei ihm , so werde er und der andre den Raum verlassen , und er , nämlich Hans , bleibe allein . Dann könne Hans auf einer Wachstafel Abdrücke der Schlüssel machen , nach denen er selbst , der solche Künste gelernt habe , Nachschlüssel anfertigen werde ; und wenn dann einmal gelegene Zeit sei , so würde er mit einem Freunde des Nachts das ganze unbewachte Geschäft öffnen und aus dem Geldschrank eine Summe nehmen , die seine Freunde in Rußland brauchten , um eine Druckerei anzulegen ; und da keinerlei Spuren eines Einbruchs zu bemerken wären und man nicht erfahren könne , auf welche Weise das Geld verschwunden sei , so müsse dieser Plan ganz sicher auszuführen sein . Bedenken sittlicher Art aber werde er , Hans , doch wohl nicht haben , da man doch nur einem Ausbeuter nehme , was er zu Unrecht besitze , und das verwende für die Befreiung der Menschheit . Wie Hans diese Rede hörte , wurde ihm wie durch einen Blitz sein eignes Leben und das Leben aller dieser Menschen erleuchtet , und wurde von tiefem Entsetzen fast geschüttelt , und war ihm , als müsse er den Russen niederschlagen in Entrüstung ; und so sehr konnte er sich nicht bezwingen , daß der andre nicht seine Verfassung gemerkt hätte ; die war aber derart , daß er in Angst geriet und verlegen wurde und dann plötzlich ging . Wie der andre fort war , kamen dem Hans die Tränen über sein Leben , er legte das Gesicht auf seine Arme und weinte bitterlich . Aber noch nicht war die Zahl der Boten zu Ende , die ihm an diesem Weihnachtsabend geschickt wurden , nämlich der Brief der toten Luise und dieser Mensch , der sich eben vom Narren zum Verbrecher entwickelte ; es kam noch ein Wort von der treuen Dienstmagd seiner Eltern , und das traf ihn am tiefsten . Die Mutter schickte ihm zur Bescherung aus der Heimat ein Kistchen , in das sie allerlei gepackt , was sie nützlich für ihn meinte , denn Überflüssiges zu schenken war ihrer sparsamen Art zuwider , und auf dem Boden lag der Brief , der fest