Besorge das sogleich ! Jetzt fort mit ihm ! « » Ich selbst werde ihn hinunterbringen . Komm ! « Er faßte ihn beim Mantel und schob ihn vor sich her zum Tore hinaus . Der Chodj-y-Dschuna verabschiedete sich von mir und ging ihnen nach . Zu Kara aber sagte ich : » Du siehst , was du mir über diesen Tifl sagtest , hat schnelle Frucht gebracht . Heut abend habe ich Etwas vor , was Niemand wissen darf . Halte dich bereit , mit mir nach dem See hinunterzugehen , wenn Alle schlafen ! « Da schaute er in herzlicher Freude zu mir her und sagte : » Ein Abenteuer , ein verschwiegenes ! Mit dir , Effendi ! Ich weiß , was dieses Vertrauen bedeutet , und danke dir dafür ! « Er zog meine Hand an sein Herz . Dann ging ich in die Wohnung des Ustad , um die Karte des Schah an ihre Stelle zurückzulegen . Ich hatte sie nicht gebraucht . Der übrige Teil des Tages war nur dem Schlafe und der Sammlung weiterer , neuer Kräfte gewidmet . Am Abende aßen wir in der Halle . Ich hatte erfahren , daß nach dem Wettrennen eine Beleuchtung sämtlicher Höhen stattfinden solle . Es waren auch schon viele Fackeln angefertigt worden , darunter sehr lange und starke von Palmenfaser , welche mehrere Stunden lang brennen und nur schwer zu verlöschen sind . Ich ließ mir von Schakara heimlich ein halbes Dutzend von diesen geben und nahm sie nach dem Essen mit hinauf zu mir . Schakara wurde überhaupt mit in das Geheimnis gezogen , denn ich brauchte Jemand , der für mich und Kara das Tor offen zu halten hatte . Was ich tun wollte , war nicht ungefährlich . Darum teilte ich es ihr mit , daß ich die Absicht habe , vom See aus in den versteckten Kanal einzudringen , und forderte sie auf , nur höchstens drei Stunden auf uns zu warten und , falls wir da noch nicht zurückgekehrt seien , uns schleunigst Hilfe zu senden . Als man zur Ruhe gegangen war , nach zehn Uhr , begab ich mich in den Hof . Kara stand bereit ; Schakara war bei ihm . Ich wiederholte ihr , wie ich mir ihre etwaige Hilfe dachte . Er nahm die mitgebrachten Fackeln ; dann gingen wir . Im Duar gab es kein Licht . Man schlief auch hier bereits . Am Landeplatze fanden wir das Boot . Es war nur angebunden . Die beiden Ruder hingen in den Dollen . Wir stiegen ein und paddelten uns leise nach der Stelle , welche ich untersucht hatte . Es war nicht schwer , die Maueröffnung hinter dem Gestrüpp aufzufinden . Wir stellten das Boot rechtwinkelig dagegen an und gaben hinten einige kräftige Ruderschläge . Es drang mit seiner ganzen vorderen Hälfte ein . Wir nahmen die Ruder in das Boot , bückten uns nieder und krochen unter dem nun auseinandergeteilten Rankengewirr bis an die Spitze des Kahns vor . Nun war der Sternenhimmel über uns verschwunden . Wir befanden uns in dichtester Finsternis . Die Ruder an uns nehmend , tasteten wir mit ihnen rechts und links aus dem Kahn heraus . Wir fühlten harte Wände und stießen uns an diesen so weit hinein , daß auch das Hinterteil des Fahrzeuges durch das Gestrüpp kam . Hierauf zog ich das Schibhata49 aus der Tasche , um eine der Fackeln anzubrennen . Bei ihrem Scheine sah ich ein ganz vorn im Schnabel des Bootes befindliches Loch , in welches ich sie steckte . Später hörte ich , daß dieses Loch genau zu diesem Zwecke angebracht worden sei , weil die Schamiki des Abends gern rund um den See zum Nur-y-Saratin 50 ruderten . Der Kanal war hier , am Anfange , sehr schmal . Aber als wir uns eine Strecke weit fortgegriffen hatten , traten die Wände doppelt weit zurück , und auch die Höhe nahm in demselben Verhältnisse zu . Die Luft war kalt und feucht , doch gut und leicht zu atmen . Die Wände und die Decke bestanden aus den schon oft erwähnten Riesenquadern . Nun schoben wir uns statt mit den Händen mit den Rudern fort . Der Kanal ging stetig geradeaus . Das Wasser war tief und schwarz , dabei aber durchsichtig wie Kristall . Das Bild unserer ruhig brennenden Flamme schaute wie aus unergründlicher Tiefe zu uns herauf . Ich war so vorsichtig gewesen , die Länge des Kanals abzuschätzen , natürlich nur so ungefähr , bloß mit dem Auge . Die Zahl der Quader gab mir den Anhalt hierzu . Vierzig , sechzig , achtzig Meter ! Ein solcher Aufwand von Material und Arbeitskraft konnte nicht bloß den Zweck einer einfachen Zu- oder Ableitung des See- oder Bergwassers haben . Es mußte noch ganz andere Gründe gegeben haben , diesen Zu- oder Abfluß nicht oben vor aller Augen , sondern hier unten in der Verborgenheit geschehen zu lassen . Wenn ich mich in die ferne Zeit zurückdachte , in welcher diese Bauten entstanden waren , so drängte mir die von unserer Fackel kaum einige Bootslängen weit durchbrochene Finsternis die Frage auf , ob dieses Wasser wohl als lebenspendendes Element oder aber als verschwiegener , düsterer Helfer des Todes betrachtet worden sei . Bereits über achtzig Meter waren wir vorgedrungen . Der Duar lag droben hinter uns . Wir mußten uns ungefähr an der Stelle befinden , wo draußen , auf fester Felsenunterlage , die Cyklopenmauer begann . Da hörten hier unten die behauenen Quader auf ; der Kanal wurde noch breiter und höher , so daß wir die Ruder bequem ausstrecken und rühren konnten , und die Wände bestanden aus dem mühsam durchbrochenen Gestein des Berges . Die Decke war gewölbt . Hierauf kamen wir an einen Seitenkanal , welcher rechtsab führte , und lenkten in ihn ein . Er war genau so breit und so hoch wie der Hauptkanal , aber nicht lang . Auch hatte