sie sich mit » Sie « an , und an einem Tische mit seinem Gesinde wollte von diesen großen Herren auch keiner mehr zum Essen niedersitzen . Da es keine Berge hierzulande gab , die Bäume in der Landschaft selten und die Kirchtürme klein und unansehnlich waren , so hätte es eigentlich nichts in die Augen Fallendes gegeben , wären nicht die Essen gewesen , die sich allerorten neugierig und gleichsam waghalsig emporreckten . Hier eine von einer Zuckerfabrik , dort von einer Ziegelei oder Brennerei . Auch auf dem Vorwerke Habeldamm gab es solch eine Esse , die zur Brennerei gehörte . Der Wirtschaftshof wurde von lauter neuen einstöckigen Gebäuden gebildet . Wie auf dem Präsentierbrett lag das ganze da , mit seinen blitzblanken , gekalkten Wänden , hellroten Ziegeldächern , mitten in den grünen Rübenfeldern , die sich bis dicht an die Gebäude zogen . Eine Feldbahn verband das Vorwerk mit dem Hauptgute Welzleben . Eine größere Bahn ging in weiter Kurve über andere Rübengüter nach der Zuckerfabrik . Diese Fabrik war , ein Aktienunternehmen der umliegenden Grundbesitzer . Etwas abseits vom eigentlichen Wirtschaftshofe lag die Wohnung der Wanderarbeiter , die » Kaserne « wie sie kurzweg bezeichnet wurde . Es war ein mäßig großes , einstöckiges Haus , » genau nach der polizeilichen Vorschrift erbaut « , wie der Inspektor nicht zu bemerken verfehlte , als er Gustav mit seinen Leuten einwies . Zu ebener Erde befanden sich zwei saalartige Räume , der größere für die Mädchen zum Wohnen und Speisen , der andere für die Männer bestimmt , ferner eine Küche mit neumodischem Herd und eine Wasch- und Spüleinrichtung . Im ersten Stock waren die Schlafräume untergebracht , die Mädchenkammer getrennt von der der Männer durch die Wohnung des » Aufsehers « wie Gustav jetzt tituliert wurde . Der Inspektor , ein jüngerer Herr , dessen Schnurrbart und schneidiger Ton keinen Zweifel darüber aufkommen ließ , daß er Reserveoffizier sei , führte Gustav in sämtlichen Räumen umher , übergab ihm den Hauptschlüssel und machte den Aufseher darauf aufmerksam , daß man sich von seiten der Gutsverwaltung für jede » Schweinerei « , die hier etwa vorkommen würde , an ihn halten werde . Gustav fand die Einrichtung , in der sie fortan hausen sollten , weit besser , als er ' s erwartet hatte . Die kasernenartige Einteilung des Hauses heimelte ihn wie eine Erinnerung an die Soldatenzeit an . Pauline hätte sich freilich mehr Traulichkeit gewünscht in ihrer Stube , die außer Bett , Schrank , Tisch und Stühlen nichts enthielt . Aber man mußte schließlich froh sein ! Hatte man doch ein Dach über sich und eine Diele unter den Füßen . - Mit dem Küchenherde konnte sie auch zufrieden sein . Gut , daß ihr die neumodischen Kochvorrichtungen vom Rittergute daheim einigermaßen bekannt waren . Der Inspektor hatte sie darauf hingewiesen , daß hier das zukünftige Feld ihrer Tätigkeit sein werde . Die Kartoffeln werde sie wöchentlich zugemessen erhalten für die » ganze Gesellschaft « . Was sie damit anfange , sei ihre Sache . » Darum können wir uns nicht auch noch scheren ; da hätten wir viel zu tun ! « hieß es in kurzer , schneidiger Ansprache . Von den Arbeitern fanden sich nicht alle sofort in die neuen Verhältnisse . Der Pole Rogalla räsonierte laut , allerdings auf polnisch , was niemandem etwas tat , weil niemand es verstand . Bedenklicher war , daß er sich weigerte , in dem gemeinsamen Männerschlafsaale zu übernachten . Häschke sprach die Vermutung aus , daß dem Polacken die gewohnte » Bucht mit den Reichskäfern « fehle . Gustav redete ein Wörtlein deutsch mit dem Polen . Rogalla suchte daraufhin zwar die gemeinsame Bettstatt auf , in der Nacht aber stahl er sich hinweg . Er mußte irgendwo eine seinem Geschmacke mehr zusagende Schlafstätte ausfindig gemacht haben . Auch einige von den Mädchen stellten sich äußerst gefährlich an . Vor allem ein Schwesternpaar Helfner . Sie stammten aus dem Armenhause . Helfners waren eine berüchtigte Familie in Halbenau . Gustav hatte sich daher längere Zeit bedacht , ob er das Schwesternpaar mitnehmen solle . Aber sie hatten die heiligsten Versprechungen gegeben , sich gut aufführen zu wollen . Jetzt fanden sie alles schlecht : die Wohnung , das Essen . Die Arbeit war ihnen zuviel . Als Gustav sie etwas scharf ' rannahm , verschwanden sie in eine Kammer und schlössen die Tür hinter sich zu . Da blieben sie und kamen nicht zur Arbeit . Gustav war ratlos . Männer zu kommandieren , das hatte er als Unteroffizier gelernt , aber mit widerspenstigen Frauenzimmern fertig werden , das war noch ein ander Ding . Pauline konnte ihm dabei nicht helfen , sie war zu weich , um ihresgleichen zu beherrschen . Da fand der Aufseher unerwartete Hilfe und Unterstützung in seiner kleinen Schwester . Schon auf der Reise hatte es sich gezeigt , daß Ernestine unter den Mädchen die Führerrolle an sich gerissen habe , obgleich sie eine der jüngsten war . Die anderen , unter denen manches bärenstarke Frauenzimmer sich befand , beugten sich doch der Energie und Klugheit dieser kleinen Person . Jetzt war Ernestine die einzige , die sich Eingang zu dem aufsässigen Schwesternpaare zu verschaffen wußte , ja , die Helfners schließlich dazu bewog , die Arbeit aufzunehmen . Eine äußerst brauchbare Zugabe für den Aufseher bildete auch Häschke . Das war ein hartgesottener Sünder , der schon durch manches enge Loch in seinem Leben hindurchgekrochen sein mochte , der mit allen Hunden gehetzt war . So einen konnte man hier gegebrauchen . Dabei war Häschkekarl ein grundgutmütiger Geselle und seinesgleichen gegenüber stets zur Hilfe bereit . Aber Häschkes freundschaftliche Gesinnung verwandelte sich sofort ins Gegenteil , wenn er es mit einem Höhergestellten zu tun hatte . Da wurde aus diesem lustigen Bruder ein mißtrauisch hämischer Geselle . Auf den Inspektor hatte Häschkekarl sofort seinen ganzen Haß geworfen . Er lag Gustav in den Ohren , daß er