ließen die bösen Zungen weit aus den Mäulern hängen . » Der Raßler , dieser dicke Schweinehund , na , man kann sich ' s denken ... « - » Und sie erst ! Natürlich sie ! ! Diese durchgewichste Person ; wenn nur die Hälfte von dem wahr ist , was man über sie hört , ist ' s stark genug ... « - » Nun kann sie ihre schönen Arme bis an die Schultern in die Geldsäcke stecken . « » Geld war ihr die Hauptsache ; man weiß ja , wie diese Frauenzimmer sind . « » Und er , dieser alte Troddel , statt ein gut bürgerliches Mädchen zu nehmen und glücklich zu machen , wirft seinen Reichtum dieser Abenteurerin nach ... « » Und Du hättest sie nicht - anders haben können ? « fragte der cynische Neffe den Onkel Raßler . Statt dem Frager mit einer Ohrfeige zu antworten , obwohl ' s ihm in der Hand zuckte , erwiderte Raßler fast beschämt : » Nein , um keinen Preis der Welt . « » Unglaublich . « Wäre dieser Neffe nicht selbst in jeder Faser ein moralischer Lump gewesen , hätte er sein » Unglaublich « nicht über die Zunge zu bringen vermocht . Er erinnerte sich sehr gut , daß er und einige seiner glänzend ausgestatteten Kameraden von der männlichen Demimonde vergebens das Rasendste an verführerischen Angeboten geleistet hatten , um sich die stolze Leopoldine Klebnikow willig zu machen oder wenigstens ihre Zusage zu einer heimlichen Partie zu erreichen , die unter der Leitung eines virtuosen Impresario zu der ersehnten Orgie auswachsen konnte . Der biedere Neffe hatte mit seinen Spießgesellen von der Jeunesse dorée - vergoldete Jugend zu Deutsch , was wiederum mit übertünchten Gräbern oder mit Brokat drapierten Spucknäpfen zu übersetzen wäre - eine Wette eingegangen , bis zum nächsten Vollmond die Widerspenstige so gezähmt zu haben , daß sie ihm aus der Hand frißt . Das waren seine eigenen Worte . Nachdem er seinen Schädel , der schon anfing , vielversprechende Spuren von Kahlköpfigkeit in seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahre zu zeigen , mit allerlei Plänen zu diesem Handstreich gemartert hatte , flüsterte ihm ein Kamerad den Gedanken ein , sich als Photographenlehrling ins Albrechtsche Atelier aufnehmen zu lassen , was ja um so unauffälliger geschehen könne , als die Ausübung der Photographie mehr und mehr als Sport auch von vornehmen Weltbummlern betrieben werde . Diese stundenlange unmittelbare Nähe , besonders in der Nacht , wo mit elektrischem Lichte gearbeitet wurde , müßte doch die günstigsten Gelegenheiten schaffen ! Es half nichts . Bis zum nächsten Vollmond hatte der improvisierte Photographie-Dilettant zwar ein sehr stilvolles Samtkostüm , welches alle seine männlichen Reize eines leicht angefetteten , rosigen Blondins von mittlerer Gestalt farbig und plastisch hinreißend zur Geltung bringen sollte , abgenützt , allein sein Kriegsplan hatte sich vollkommen wirkungslos erwiesen . Zum Teil aus Ärger über den Mißerfolg und die verlorene Wette , zum Teil aus Geldverlegenheit , da der Onkel plötzlich das Portemonnaie verlegt hatte , ließ sich der rosig-blonde Neffe von einer reiselustigen Dame als » Mädchen für alles « nach Paris anwerben , wo er sich mit besseren Erfolgen in allerlei Photographie-Sport ausleben konnte . Als er nach zweijährigem Pariser Aufenthalt wieder in den Kreis der vornehmen männlichen Demimonde Isarathens zurückkehrte , war er zwar ein vollendeter Kahlkopf , aber auch ein vollendeter Photograph geworden . Nachdem ihm das Hans seines kommerzienrätlichen Onkels auf Betrieb Leopoldinens bald nicht weniger fest verschlossen wurde als es die kommerzienrätliche Geldbörse bereits war , sah der angenehme Neffe aufs neue Holland in Not - und rasch entschlossen nahm er die Hand und das Vermögen eines dummen und verliebten Bürstenbinderstöchterchens - Schwiegerpapa war k. Hoflieferant - und gründete sich , um endlich doch auch geschäftlich etwas Rechtes vorzustellen , ein eigenes photographisches Atelier , das von seinen ehemaligen Freunden viel besucht und mit der hübschen Bezeichnung » Amor und Psyche oder zum photographischen Damensport « bald in Schwung gebracht wurde . Der Lebemann a.D. , wie er sich im Kreise seiner ehemaligen Spießgesellen und Klubfreunde mit fader Selbstgefälligkeit nannte , spielte sich jetzt auf den Künstler-Erwerbsmann hinaus , um seinem knickerigen Onkel zu imponieren . An allen Hauptstraßenecken Münchens prangten seine photographischen Musterbilder in reichgeschnitztem Rokokorahmen . Als Spezialität pflegte er das Kostümbild , weil er mit richtigem Instinkt die Kunststadtkomödie der vornehmeren und reicheren Lebenskreise als ergiebiges Feld erkannte , wo die Pfiffigkeit erntet , was die Eitelkeit säet . Die Frauen und Töchter der Großbräuer und Großhändler und Bankiers wollten um die Wette mit den Frauen und Töchtern der berühmten Maler , mit den Aristokratinnen und Theaterprinzessinnen im Glanze künstlerischer Darstellung ihre Leibesschöne zur Schau tragen . Um sich den Anschein regsten Kunstinteresses und lebendigen Schönheitsgefühls zu geben , genügte es ja bei der zunehmenden Versumpfung echten Kunstgeistes und der Neigung zu leerem Maskenprunk , die großen malerischen Vorbilder der Renaissance zu modischen Toilettestücken karnevalhafter Schaustellungen zusammenzuflicken . Diese herabwürdigende Veräußerlichung der Kunst zum wesenlosen Scheine gelang den Damen der Geldsack-Aristokratie im Bunde mit den Belustigungs-Malermeistern ganz vortrefflich . Zwar protestierte die Natur durch den Schnitt der Alltagsgesichter und den Umfang der oft schwer zu bändigenden Fülle und Plumpheit des Leibes gegen diese renaissanceliche Kunstaffenkomödie , allein der Zug der Mode war stärker , als die Einsprache der Natur . Und dieser Zug der Mode war es , dessen sich Raßlers Neffe als Kunstmodephotograph so gut zu bedienen wußte , daß sein Geschäft bald ein blühendes wurde , jeder Konkurrenz zum Trotz . Bei aller Befriedigung wurmte ihn nur eins : daß Frau Kommerzienrat Raßler sich immer noch wehrte , seiner Schönheitsgallerie sich einverleiben zu lassen . Mit einer ihm unerklärlichen Beharrlichkeit nahm sie von seinem photographischen Aufschwung nicht nur keine Notiz , auch als er ein neues Atelier in der Quaistraße neben dem kommerzienrätlichen Hause eingerichtet hatte , sondern ignorierte ihn auch vollständig , als er mit unzweideutiger Aufdringlichkeit sich in ihren Mittwochs-Gesellschaftsabenden einstellte . » Ein rätselhaftes Weib ,