und weil ich glaubte , Italien , der Freiheit nicht mehr fähig , sei unter eurer Herrschaft am sichersten geborgen : denn eure Herrschaft war gerecht und mild . Ich habe fortgedient , obwohl ich meiner Freunde Boëthius und Symmachus , Blut fließen sah , wie ich glaube , unschuldig Blut : aber sie starben durch offnes Gericht , nicht durch Mord . Ich mußte deinen Vater ehren , auch wo ich ihn nicht loben konnte . Jetzt aber - « » Nun , jetzt aber ? « fragte die Königin stolz . » Jetzt komme ich , von meiner vieljährigen Freundin , ich darf sagen , meiner Schülerin - « » Du darfst es sagen , « sprach Amalaswintha weicher . » Von des großen Theoderich edler Tochter ein einfach schlichtes Wort , ein Ja zu erbitten . Kannst du dies Ja sprechen - ich flehe zu Gott , daß du es könnest - so will ich dir dienen treu wie je , solang es dieses greise Haupt vermag . « » Und kann ich ' s nicht ? « » Und könntest du es nicht , o Königin , « rief der Alte schmerzlich , » o dann Lebewohl dir und meiner letzten Freude an dieser Welt . « » Und was hast du zu fragen ? « » Amalaswintha , du weißt ich war fern an der Nordgrenze des Reichs , als hier der Aufstand losbrach , als jene furchtbare Kunde , jene furchtbare Anklage sich erhob . Ich glaubte nichts - ich flog hierher von Tridentum . - Seit zwei Tagen bin ich hier und keine Stunde vergeht , keinen Goten spreche ich , ohne daß die schwere Klage mir schwerer aufs Herz fällt . Und auch du bist verwandelt , ungleich , unstet , unruhig - und doch will ich ' s nicht glauben . - Ein treues Wort von dir soll all diese Nebel zerstreuen . « » Wozu die vielen Reden , « rief sie , auf die Armlehne des Thrones sich stützend , » sage kurz , was hast du zu fragen ? « » Sprich nur ein schlichtes Ja : bist du schuldlos an dem Tode der drei Herzoge ? « » Und wenn ich es nicht wäre - haben sie nicht reichlich den Tod verdient ? « » Amalaswintha , ich bitte dich : sage ja . « » Du nimmst ja auf einmal großen Anteil an den gotischen Rebellen ! « » Ich beschwöre dich , « rief der Greis auf die Kniee fallend , » Tochter Theoderichs , sage ja , wenn du kannst . « » Steh auf , « sprach sie finster sich abwendend , » du hast kein Recht , so zu fragen . « » Nein , « sagte der Alte ruhig aufstehend , » nein , jetzt nicht mehr . Denn von diesem Augenblick an gehör ' ich der Welt nicht mehr an . « » Cassiodor ! « rief die Königin erschrocken . » Hier ist der Schlüssel zu meinen Gemächern in dieser Königsburg : du findest darin alle Geschenke , die ich von dir und Theoderich erhalten , die Urkunden meiner Würden , die Abzeichen meiner Ämter . Ich gehe . « » Wohin , mein alter Freund , wohin ? « » In das Kloster , das ich gegründet zu Squillacium in Apulien . Fortan werd ' ich , fern den Werken der Könige , nur die Werke Gottes auf Erden verwalten : längst verlangt meine Seele nach Frieden , und jetzt hab ' ich auf Erden nichts mehr , was mir teuer . Noch einen Rat will ich dir scheidend geben : lege das Zepter aus der blutbefleckten Hand : sie kann diesem Reiche nicht mehr Segen , nur Fluch kann sie ihm bringen . Denke an das Heil deiner Seele , Tochter Theoderichs : Gott sei dir gnädig . « Und ehe sie sich von ihrer Bestürzung erholt , war er verschwunden . Sie wollte ihm nacheilen , ihn zurückrufen , aber an dem Vorhang trat ihr Petros , der Gesandte von Byzanz , entgegen . » Königin , « sagte er rasch und leise , » bleib ' und höre mich . Es gilt ein dringendes Wort . Man folgt mir auf dem Fuß . « » Wer folgt dir ? « » Leute , die es nicht so gut meinen mit dir als ich . Täusche dich nicht länger : die Geschicke dieses Reiches erfüllen sich : du hältst sie nicht mehr auf , so rette für dich was zu retten ist : ich wiederhole meinen Vorschlag . « » Welchen Vorschlag ? « » Den von gestern . « » Den der Schande , des Verrats ! Niemals ! Ich werde diese Beleidigung deinem Herrn , dem Kaiser , melden und ihn bitten , dich abzurufen . Mit dir verhandle ich nicht mehr . « » Königin , es ist nicht mehr Zeit , dich zu schonen . Der nächste Gesandte Justinians heißt Belisar und kommt mit einem Heere . « » Unmöglich ! « rief die verlassene Fürstin . » Ich nehme meine Bitte zurück . « » Zu spät . Belisars Flotte liegt schon bei Sizilien . Den Vorschlag , den ich dir gestern als meinen Gedanken mitteilte , hast du als solchen verworfen . Vernimm : nicht ich , der Kaiser Justinian selbst ist es , der ihn ausspricht als letztes Zeichen seiner Huld . « » Justinian , mein Freund , mein Schützer , will mich und mein Reich verderben ! « rief Amalaswintha , der es schrecklich tagte . » Nicht dich verderben , dich erretten ! Wiedergewinnen will er dies Italien , die Wiege des Römischen Reichs : dieser unnatürliche , unmögliche Staat der Goten , er ist gerichtet und verloren . Trenne dich von dem sinkenden Fahrzeug . Justinian reicht dir die Freundeshand , die Kaiserin bietet dir ein Asyl an ihrem Herzen , wenn du Neapolis ,