er sein Gehirn in niederträchtigen Plänen und Anschlägen , wie er den Widerstand der Forstschreiberstochter besiegen könne ... Das Ereignis auf Gnadeck lenkte plötzlich seine Gedanken in eine ganz andere Bahn . Das junge Mädchen war jetzt eine begehrenswerte Partie , von altem Adel und reich . Kein Wunder , daß er innerlich aufjubelte bei der Nachricht und sofort den großmütigen Entschluß faßte , die liebreizende Blume auf Gnadeck mit einem Heiratsantrage zu beglücken ... Daß sie ohne Zögern die Ehre annehmen würde , lag natürlich außer allem Zweifel ; denn wenn sie auch aus Koketterie seinen Liebesanträgen auf eine Zeit zu widerstehen vermocht hatte , so war das doch nicht denkbar der Aussicht gegenüber , vielbeneidete Frau von Hollfeld zu werden . Ueber diesen Punkt war er so vollkommen klar und sicher , daß auch nicht ein Wölkchen der Befürchtung ihm die lockende Aussicht verdunkelte ... Es war indes nicht der glühende Wunsch allein , Elisabeth zu besitzen , der ihn antrieb , so rasch wie möglich zu handeln ; er mußte sich sagen , daß , wenn der Fund in den Ruinen bekannt wurde , auch noch andere Freier bei der ihrer Schönheit wegen bereits vielgenannten Goldelse anklopfen würden - schon der Gedanke machte ihm das Blut sieden . Der Ausführung seines Entschlusses stand indes noch ein Hindernis entgegen , und das war Helene . Nicht etwa , weil ihm eine mitleidige Regung gekommen wäre darüber , daß das heißliebende Mädchen namenlos leiden müsse infolge dieses Schrittes - was das betraf , so kannte er kein Erbarmen - wohl aber hatte er zu bedenken , daß er möglicherweise durch die plötzliche Heirat um die Erbschaft kommen könne , die er von Helene erwartete . Es galt also , vorsichtig und schlau zu sein . Wir haben gesehen , wie er kalten Blutes die tiefe , blinde Liebe der Unglücklichen ausbeutete und sie dadurch , daß er sich in seiner höchsten Lebensfrage ihr scheinbar unterwarf , unauflöslich an sich kettete . Sobald er das Zimmer verlassen hatte , schwankte Helene nach der Thür und schob den Riegel vor . Jetzt erst überließ sie sich völlig ihrer Verzweiflung . Wer sie nicht kennt , jene qualvollen Stunden , die auf eine ungeahnte , plötzlich wie aus der Luft herniederstürzende , zermalmende Nachricht folgen , jene Stunden , in denen der Mensch seinen Schmerz in die Welt hinausschreien möchte , und wo er , der Stütze und des Trostes anderer so bedürftig , doch scheu und wie gehetzt Dunkel und Einsamkeit aufsucht , als seien Licht und Klang tödliches Gift für seine brennende Wunde ; wem sie erspart wurden , jene Qualen , die plötzlich ein harmonisch geordnetes Gemüts- und Gedankenleben aus den Fugen zu reißen vermögen : der wird freilich nicht begreifen , daß Helene auf dem Fußteppich zusammensank und verzweiflungsvoll in ihren Locken wühlte , während ihre kleine , gebrechliche Gestalt wie im Fieber hin und her geschüttelt wurde ... Sie lebte und atmete ja nur in dieser glühenden Neigung ! Hatten doch schon einige finstere Blicke , eine mehrtägige düstere Zurückhaltung des geliebten Mannes hingereicht , sie in den tiefsten Kummer zu versenken und sie sogar teilnahmslos zu machen für ein Ereignis , das in früherer Zeit ihr schwesterliches Herz tief erschüttert haben würde , um wie viel mehr mußte sie jetzt leiden in der Ueberzeugung , daß sie ihn verlieren werde . Obwohl ein wildes Chaos von Gedanken in ihrem Kopfe kreiste , so war sie doch unfähig , einen einzigen klaren , sichtenden zu erfassen . Das demütigende Bewußtsein ihrer körperlichen Gebrechen , um deren willen sie aus ihrem geträumten Paradiese gestoßen wurde , Hollfelds heutiges Bekenntnis seiner Liebe , das ihr zugleich Himmel und Hölle erschlossen hatte , eine wahnsinnige Eifersucht auf diejenige , die sie noch gar nicht einmal kannte , welche aber dereinst an seiner Seite mit allen Rechten der Gattin stehen sollte , das alles wogte und stürmte in ihr und drohte , den schwachen Faden zu zerstören , der ihre Seele an den hinfälligen Körper fesselte . Erst spät , nachdem die Nacht bereits hereingebrochen war , öffnete sie der besorgten Kammerfrau die Thür und ließ sich auf vieles Bitten derselben zu Bette bringen . Sie verbat sich streng den Besuch des Arztes , den die Zofe vorschlug , ließ der Baronin , die ihr persönlich gute Nacht wünschen wollte , hinaussagen , daß sie der größten Ruhe bedürfe und nicht gestört sein wolle , und verbrachte dann einsam die schrecklichste Nacht ihres Lebens . Sie wurde erst ein wenig ruhiger , das heißt die furchtbare Spannung ihrer Nerven ließ nach , als das Morgenlicht durch eine Spalte des Vorhanges in das Zimmer huschte . Es war , als glitte der dünne , goldene Strahl auch in ihre umnachtete Seele und werfe ein Streiflicht auf das , was ihre Gedanken im tollen Kreislaufe unberührt gelassen hatten . Sie fing an zu überlegen , daß Hollfeld ja völlig selbstlos handle . Wenn auch die Notwendigkeit , daß er sich vermählen müsse , stets wie ein Schreckbild vor ihr aufgestiegen war , so hatte sie dieselbe doch nie wegzuleugnen vermocht ; und mußte sie es nicht anerkennen , daß ihr Gedanke , er werde warten , bis sie aus dieser Welt geschieden sei , in ihm keinen Raum gefunden hatte ? Brachte er nicht auch ein schweres Opfer ? Denn er liebte ja sie , nur sie allein , und mußte sich entschließen , einer anderen anzugehören ; durfte sie ihm die Erfüllung einer heiligen Pflicht noch schwerer machen durch ihren Jammer ? ... Er forderte sie auf , einen mühevollen Weg mit ihm zu gehen ; sollte sie sich da feig und mutlos zeigen , wo er eine große Willensstärke bei ihr vorausgesetzt hatte ? ... Und fand er ein Weib , das sich mit der Freundschaft begnügte , da , wo es mit vollstem Rechte Liebe heischen konnte , wie hätte sie sich an Selbstverleugnung übertreffen lassen mögen ? In fieberhafter