deren leichtlebiger Gleichmuth ihn zur rechten Zeit daran erinnert habe , welche Quellen der Zufriedenheit jedweder Mensch besitze , der weise genug sei , sich den Sinn frei zu erhalten , sich nicht von Zufällen beunruhigen und sich nicht vor der Zeit altern zu lassen . Mit den Erinnerungen und Gewissensbissen der Vergangenheit hatte er vollkommen abgeschlossen , ja , er begriff es , Dank dem Zuspruche der Herzogin , kaum noch , wie sie ihn jemals in so sinnverwirrender Weise hatten peinigen können . War es denn seine Schuld , daß der gewaltsame Starrsinn Paulinen ' s sie verhindert hatte , sich nach hergebrachter Weise in das Vernünftige und Nothwendige zu fügen , daß sie ihrer Leidenschaftlichkeit mehr als der Vernunft Gehör gegeben ? Oder was konnte er dafür , daß ein unglücklicher Zufall seiner Gattin ein Geheimniß enthüllt hatte , welches ihr besser verborgen geblieben wäre ? Er hatte Stunden , in denen er mit seiner Gattin um ihres Ernstes willen recht unzufrieden war , und wenn er auch von dieser Unzufriedenheit , welche sich nicht nur auf Angelika , sondern auch auf den Caplan erstreckte , der sich mehr und mehr von der im Schlosse herrschenden Geselligkeit zurückzog , nicht viel merken ließ , so kamen doch die Augenblicke immer häufiger , in denen die Herzogin ihm das Geständniß derselben abzulocken wußte . Das gute Einvernehmen zwischen den beiden alten Freunden knüpfte sich dadurch fest und fester , und , wie Herbert es bezeichnet hatte , die Herzogin bestimmte und leitete das Leben im Schlosse fast ausschließlich . Es war ein herrlicher Sommertag , an welchem der Baumeister nach jenem Mittage im Flies ' schen Hause wieder in Richten eintraf . Die Fenster des unteren Geschosses , welche bis zum Boden herniedergingen , waren geöffnet , die Luft regte sich nicht , die Wolken schwebten wie flüssiges , durchsichtiges Silber an dem blauen Himmel . Ueberall hörte man Vogelsang , überall spielten aufsteigend und sich in sich selber drehend zahllose Mückenschwärme im warmen Sonnenscheine . Oben auf der First des alten Thurmes sah die junge Storchfamilie nach den heranfliegenden Alten aus , und aus dem fetten Grün des Rasens wuchsen , von der Wärme gelockt , die Butterblumen , die Campanula , die Scabiosen und eine Fülle farbiger Gräser hervor . Aus den Volièren auf der Terrasse tönte das Gezwitscher und das Singen ihrer gefiederten Bewohner , und die großen Windspiele des Barons sprangen in langen Sätzen neben einander her , ohne auf den kleinen Mops der Herzogin zu achten , der ruhig in der warmen Sonne da lag , leise und träge mit den großen , schwarzen Augen blinzelnd , wenn eines der Windspiele in raschem Sprunge über ihn fortsetzte . Wie immer hatte Herbert an der herrschaftlichen Tafel gespeist und seine kurze geschäftliche Unterhaltung mit dem Freiherrn gehabt , ehe dieser sich zurückzog . Nun war die Zeit der Mittagsruhe vorüber , die Wärme fing an nachzulassen , und der Kaffee sollte deßhalb im Freien eingenommen werden . Eine chinesische Strohmatte war auf dem Boden ausgebreitet , um gegen die Feuchtigkeit zu schützen , welche von dem Gewitterregen des frühen Morgens etwa noch im Erdreiche zurückgeblieben sein konnte . Die Herzogin , welche nur selten einmal geneigt war , sich Bewegung zu machen , saß ruhig im Sessel und drehte die kleine emaillirte Tabacksdose mit dem Bilde der Königin Marie Antoinette in der Hand , während die Diener mit den silbernen Theebrettern herbeikamen , um den Kaffee in kleinen Tassen von Sèvres-Porzellan herumzugeben . Sie war heller gekleidet als gewöhnlich , und als der Freiherr ihr die Bemerkung machte , daß ihr dies vortheilhafter stehe , meinte sie , man müsse es dem Wetter nachthun , das jetzt so freundlich sei , und es sei ihr hier ja auch so heiter , so völlig heimisch zu Sinne , daß sie es aus Dankbarkeit darauf angelegt habe , ihm zu gefallen . Der Baron machte ihr das Compliment , welches diese Aeußerung verlangte , man begann zu scherzen , und obschon Herbert dieses Mal nur wenige Wochen von Richten entfernt gewesen war , fiel es ihm doch wieder auf , wie das Leben und das Behaben seiner Bewohner sich immer mehr verändert hatten , seit er zum ersten Male dorthin gekommen war . Damals hatte der Freiherr doch mit seiner Gattin und mit dem Caplan seine Muttersprache geredet , jetzt sprach er , wo dies irgend thunlich war , das Deutsche nicht , während der Marquis , der sichtlich bemüht war , es zu erlernen , Herbert ' s Anwesenheit , mit welchem er fast gleichen Alters war , zur Uebung in der ihm neuen und fremden Sprache zu benutzen liebte . Sie waren auf diese Weise in eine Art von näherer Bekanntschaft gerathen und auch an dem Nachmittage auf der Terrasse plaudernd umhergeschlendert , bis ein Zufall sie in das geöffnete Billardzimmer führte , in welchem man die Rapiere , die Fleurets und überhaupt die Geräthschaften bewahrte , deren man zu körperlichen Uebungen bedurfte . Der Marquis , welcher ein Meister in denselben war , forderte den Architekten auf , ein paar Gänge zu machen , und nachdem man sich damit genug gethan hatte , nahm der bewegliche Franzose schnell ein Racket in die Hand , Herbert zum Federballspiele einladend . Jeder Müßige nimmt , ohne es zu wollen , an der Beschäftigung Theil , welche er vor seinem Auge ausüben sieht , und bald hatte die Sicherheit der Spielenden die Zuschauer so lebhaft gefesselt , daß deren Unterhaltung sich nur noch auf sie bezog . Herbert schlägt den Ball so sicher , wie er den Zirkel und das Richtmaß führt , bemerkte der Freiherr , indem er dem Diener seine geleerte Tasse reichte . Ja , meinte die Herzogin , welche kurzsichtig war und das Glas vor die Augen genommen hatte , er ist Meister in dem Spiele , er übertrifft selbst den Marquis , den man sonst dafür bewunderte und der es ,