schrecklichen Träumen , daß Schlaflosigkeit im Vergleich noch eine Wohlthat schien . Zu der Sorge , die ihm seine Krankheit machte , kamen andere , die er sonst sehr leicht genommen hatte , die aber jetzt sein ohnedies angegriffenes Gehirn noch mehr verwirrten und seine hypochondrische Stimmung verdüsterten . In seine Krankenstube drängten sich einzelne Leute , die sich durchaus durch die Bedienten nicht hatten abweisen lassen - Leute mit höchst bedenklichen Physiognomien und auffallend schmutziger Wäsche , die , wenn sie denn endlich vorgelassen waren , eine große Brieftasche öffneten und dem Herrn Baron ein » kleines Wechselchen « präsentirten , zweitausend , dreitausend Thaler - » eine wahre Kleinigkeit für den Herrn Baron . « Vielleicht wäre es Felix leicht gewesen , diese ominösen Papiere einzulösen , wenn er jetzt war , was er zu sein hoffte , als er sie aus der Hand gab , nämlich : der erklärte Bräutigam Helenens , der Schwiegersohn eines der reichsten Grundbesitzer der Provinz . Aber leider war er das doch nun nicht , hatte auch keine Aussicht es zu werden und konnte sich in Folge dessen auch nicht weiter wundern , wenn die Baronin in den Privataudienzen , die er jedesmal , so oft eine jener verdächtigen Gestalten die Schwelle seines Zimmers überschritten hatte , nachsuchte , sich bedeutend weniger geschmeidig zeigte , als vor einigen Wochen , wo die Sonne seiner unüberwindlichen Liebenswürdigkeit noch im Zenith stand . Felix wußte recht gut , daß seine Tante sich zu einer Freigebigkeit , die ihrer Natur so gründlich widersprach , nur darum verstand , weil sie in ihm den Mitwisser des großen Familiengeheimnisses erblickte . Aber auch dieses einzige , unersetzliche Band hielt nur noch an dem letzten Faden . Es unterlag nämlich keinen Zweifel , daß nur die Furcht vor der » bornirten Ehrlichkeit des Barons , « wie die Baronin sagte , sie abhielt , es in dem mit Albert Timm entbrannten Kampfe auf ' s Aeußerste ankommen zu lassen , und Felix war keineswegs ganz sicher , ob selbst diese Furcht sie bewegen könnte , den zwischen ihm und Albert geschlossenen Contract zu sanctioniren . Er hatte deshalb bis zu diesem Augenblick noch nicht gewagt , ihr die Höhe der Summe anzugeben , für welche er Alberts Verschwiegenheit erkauft hatte . Felix Zaghaftigkeit in dieser ganzen Angelegenheit hatte einen triftigen Grund in seiner eigenen mißlichen Lage . Er mußte die Tante in möglichst guter Stimmung erhalten , um ihr die Summen abzulocken , die er für seine persönlichen Bedürfnisse brauchte . Es war ja später noch immer Zeit , ihr in Betreff Timms reinen Wein einzuschenken . Wie grimmig auch Felix Oswald haßte und wie entsetzlich es ihm auch gewesen wäre , wenn es dem Verhaßten mit Alberts Hülfe gelang , sich in den Besitz des Vermögens zu setzen und am Ende doch Helene zu gewinnen - so mußte das Alles dem Augenblick und seinen gebieterischen Forderungen untergeordnet werden . So standen die Sachen , als am Morgen nach der Soirée , an der Felix natürlich nicht Theil nehmen konnte , die Baronin , nachdem sie sich vorher hatte anmelden lassen , dem Patienten einen Besuch abstattete , Felix saß in einen weiten Schlafrock gehüllt , fröstelnd dicht an dem heißen Ofen . Die großen , einst so übermüthigen , jetzt so gläsern starren Augen , und die krankhafte , scharf abgeschnittene Röthe auf seinen magern Wagen zeugten von den reißenden Fortschritten , welche die Krankheit in den letzten Tagen gemacht hatte . Er erhob sich , über diesen Besuch außer der gewöhnlichen Zeit einigermaßen verwundert , halb aus seinem Stuhl und streckte der Tante seine abgemagerte , fieberheiße Hand entgegen : Bon jour , ma tante ! soll ich sagen , so früh oder so spät noch auf ? denn Ihr habt ja beinahe bis an den hellen Morgen getanzt . Ich habe den Baß bis hier in mein stilles Zimmer hinein hören können : brum ! brum ! brum ! bis ich fast verrückt über dem Gebrumm wurde ; und wenn Sie mir das Fluchen nicht abgewöhnt hätten , ma tante , ich hätte , hol ' mich der Teufel , den verdammten Kerl , der das Gebrumm fabricirte , bis in den tiefsten Pfuhl der Hölle verwünschen können . Ich hoffe , daß es mit Ihrer Gesundheit heute nicht schlechter geht , als mit Ihrem Fluchen , sagte Anna-Maria lächelnd , indem sie vor dem Kranken in einem Lehnsessel Platz nahm und eine Handarbeit in Ordnung brachte , ein Beweis , daß sie es auf einen längeren Besuch abgesehen hatte ; aber im Ernst , lieber Felix , ich habe Sie aufrichtig bedauert , und komme , Sie wegen der nächtlichen Störung um Entschuldigung zu bitten . Sie sind ja heute außerordentlich gnädig , liebe Tante . Ich dächte , das wäre ich immer , erwiderte Anna-Maria , nur daß es Leute giebt , die sich durchaus nicht davon überzeugen können . Ich gehöre nicht zu diesen , liebe Tante . Ich weiß es , Felix , und Sie werden mir das Zeugniß geben , daß ich stets für Sie gethan habe , was in meinen Kräften stand . Ja wohl , ja wohl , murmelte Felix , und überlegte , ob der Augenblick wohl geeignet sei , gegen seine Tante ein kleines Geschäft zu erwähnen , in das er sich vor nun beinahe drei Monaten eingelassen hatte und das in wenigen Tagen regulirt werden mußte . Die Gesellschaft - die übrigens pünktlich zwei Uhr fünfzehn Minuten aufgebrochen ist , lieber Felix - war gestern Abend recht animirt , fuhr die Baronin fort , und es hat mir von Herzen leid gethan , daß Sie nicht daran Theil nehmen konnten . Es wäre wirklich Zeit , daß Sie sich endlich einmal wieder gesund meldeten . Das weiß Gott , seufzte der Patient , sich ungeduldig in seinem Lehnstuhl herumwerfend ; man wird hier in dieser verdammten Spelunke noch ganz zum Hypochonder . Aber erzählen Sie