so etwas gelingen , so lerne zuvor leiden . Wer Seelen retten will , vereinige sich mit Christus in seinem Martertum für die Seelen und teile mit ihm - wenn nicht die blutige Passion auf dem Kalvarienberge , so doch die stille Passion des Herzens am Oelberg . Du mußt mystischerweise in Dein Herzblut Deine Gebete für Seelen eintauchen , wenn Gott sie erhören soll . Wie unaussprechlich haben die Heiligen , die große und zahlreiche Bekehrungen bewirkten , unausgesetzt gelitten ! Ihre Liebe und ihre Vollkommenheit haben wir nicht ; umso mehr wollen wir uns bemühen , ihnen im Leiden ähnlich zu werden . Du hast Herzweh um Deine arme Großmutter ? O Kind , das glaub ' ich Dir ! aber das Leiden darf kein Zustand - es muß eine Tugend sein , indem Liebe zum Leiden es zum Opfer macht und die Seele in ein tägliches Holocaust verwandelt . « Mit einem Ausbruch der tiefsten Sehnsucht rief Regina : » Ist es nicht auch vermessen , lieber Onkel , wenn ich beteure : das - gerade das , nur das begehre ich ! « » Nun , wenn Du das wirklich begehrst - das kannst Du haben , unter allen Verhältnissen und zu jeder Stunde , « entgegnete Levin . » Aber so recht doch erst unter dem strikten Gehorsam des Ordenslebens , das zu jeder Stunde den eigenen Willen , die eigenen Absichten , die eigenen Wünsche abtötet . « » Ich sage nicht Nein ; aber ich sage : zur vollkommenen Hingebung an den Willen Gottes brauchst Du das Ordensleben nicht . Dieses übt die Hingebung auf einer höheren Stufe des inneren Lebens , weil es nach den evangelischen Räten geordnet ist . Übe Du Dich einstweilen in der Hingebung Deines Willens , die auf den Geboten Gottes ruht ; dann machst Du Dich vielleicht der Gnade würdig , jene höhere Stufe betreten zu dürfen . « - Auch ihn hatte Julianens Tod sehr ergriffen . Sie war seine Zeitgenossin , wenig älter als er ; viele Jahre - und vielleicht die schmerzlichsten seines Lebens , hatte er neben ihr auf Windeck verlebt und tief die Lähmung empfunden , die von ihr ausging und auf der höheren Entwicklung ihres Mannes und ihrer Söhne lastete . Aber immer hatte er es als seine Schuld , als ein Zeichen seiner Unvollkommenheit betrachtet , daß das wundervolle Licht des katholischen Glaubens , mit dem Juliane in so häufige Berührung kam , ihr dennoch verschleiert blieb . Er wendete auf sich selbst an , was der heilige Karl Borromäus einst zu seinen Provinzialbischöfen auf einer Synode sagte : » Möchte das göttliche Licht , das in dem Herzen der Bischöfe leuchtet , nie verdunkelt werden von der Finsternis ihrer sündigen Natur . « Das gilt für uns alle , dachte er bei sich selbst ; das göttliche Licht und die göttliche Liebe sind ja immer bereit , unser Herz zu entzünden ; doch jenes stirbt in der Finsternis - und diese in der Kälte unserer sündigen Natur - und da Juliane sie nicht in mir , dem Priester , aufstrahlen sieht , so müssen sie ihr freilich verborgen bleiben . Alles wurde ihm ein willkommener Anlaß , um sich zu verdemütigen . Nun war sie tot , die arme Juliane ! nun war sie eingetreten in die Welt , die von der ewigen Wahrheit schleierlos durchleuchtet wird ! War diese ihr aufgegangen als ein sengender Blitzstrahl oder als eine überirdische Sonne ? - - Niemand war im ersten Augenblick so betroffen und im zweiten so gefaßt über Julianens Testament , als der , den es am meisten anging : Orest . Er hatte sich von Kindheit auf daran gewöhnt , sich als den künftigen Herrn auf Stamberg zu betrachten ; plötzlich war das vorbei ! eine sehr unangenehme Überraschung allerdings ; doch nicht heftig genug , um ihn aus seinem Gleichgewicht zu bringen . Mit der größten Gemütsruhe beschloß er auf der Stelle , seinen Etat , den er im Hinblick auf die glänzende Erbschaft gemacht hatte , nicht im geringsten zu beschränken und Uriel dafür sorgen zu lassen , daß er denselben durchführen könne . Orest war ganz der Alte : der Ausdruck des genußsüchtigen Egoismus . Da aber kein Mensch unverrückbar auf einer und derselben Stelle in seiner Richtung stehen bleibt , sondern entweder mit starker Willensfreiheit aufwärts geht , oder sich von den Windstößen der Neigungen , der Leidenschaften , der Triebe beherrschen läßt und unter ihrem Einfluß mehr und mehr abwärts sinkt : so hatten sich denn auch in Orest die Grundzüge seines Charakters und seiner Richtung beträchtlich entfaltet und ihn nicht aufwärts geführt . Sein Losungswort hieß : Lebensgenuß , der ununterbrochen angeregt und ebenfalls ununterbrochen befriedigt werden mußte . Wie er sich das Herz verwüstete und den Kopf verödete , wie alle höheren Fähigkeiten seiner Seele nach und nach aus Mangel an Nahrung absterben , aus Mangel an Übung verkommen mußten , das wurde er nicht gewahr , weil sein Leben sich eben auf der sinnlichen Oberfläche , nicht in der sittlichen Tiefe bewegte . In den lombardischen und ungarischen Feldzügen war er der bravste , unermüdlichste Soldat gewesen , immer munter , immer herzhaft , pünktlich im Dienst , tapfer in der Schlacht , kühn in der Gefahr . Er wurde auch sehr bald Rittmeister ; seine Chefs hatten ihn gern , seine Mannschaft liebte ihn . Dies war Orests glänzende Seite . Das kriegerische Leben mit seiner Gefahr , seiner Mühseligkeit , seiner Anstrengung , seiner Beweglichkeit - war das Element , in welchem sich Orest mit Wonne bewegte ; da fühlte er sich immer angeregt und immer beschäftigt ; da konnte er entbehren und sogar großmütig sein , für andere sorgen , denken , wachen , denn dies war eben die Richtung und die Gabe seiner Natur . Aber über seine natürlichen Anlagen reichte seine gute Seite nicht hinaus . Da , wo jene aufhörten , hörten seine Vorzüge auf