er Hülfe und Steuern verlange , ihm Ungarn zu retten und ihn an Frankreich zu rächen - und daß er , ohnehin schon übelgelaunt angekommen , hier es noch mehr geworden , als die Stände sich schwierig zeigten seine Forderungen zu bewilligen - da wage man nicht ihn um eine Gnade zu bitten , die hohe Häupter wie er nur in frohen Ruhestunden gewährten , wo die Krone sie nicht drücke und ihnen nicht die Fähigkeit raube , an anders denn an die Sorgen darum zu denken . » Uebrigens aber , « schloß sie , » werden die Majestäten heut ' Abend mit beim Tanz erscheinen , vielleicht fügt es sich da , wie damals auf der Veste , daß ein gutes Wort eine gute Statt findet . « Durch die mit Menschen erfüllten Straßen machten sich jetzt Vermummte in Narrenkleidern mit Kolben und Peitschen in der Hand Platz . Die Menge wich zur Seite um noch eine Stufe oder Erhöhung zu erobern , von welcher aus der Zug gesehen werden könnte , der nun folgte . Voran kam ein Reiter mit bunten Bändern und Schellen behangen und sein Schimmel nicht minder . Er hatte vor sich einen großen Sack , aus welchem er Nüsse auf die Straße warf , welche die Jugend begierig aufzulesen war und unter Geschrei und Balgen darum rang . Dann folgten vier andere Reiter , ebenfalls phantastisch bunt gekleidet mit Körben vor sich auf dem Sattel , worin sich Eier befanden . Sie warfen damit nach den Frauen an den Fenstern wie auf den Straßen ; aber die Eier waren mit Rosenwasser gefüllt und richteten da , wo sie trafen , keinen Schaden an , als daß die duftende Flüssigkeit verspritzte . Dann kamen die Schönbartleute selbst mit ihren Schutzhaltern , Hauptleuten und Spielleuten in mannigfaltigen Vermummungen , unter denen es nicht an derben Anspielungen auf die Hauptangelegenheiten des Tages und die Gebrechen der Zeit fehlte . Dann folgte auf einer von vielen Pferden gezogenen großen Schleife eine Maschine , Hölle genannt , die ein künstliches Feuerwerk in sich faßte und zuletzt am Rathhaus angezündet ward . In dieser Hölle gewahrte man außer ergötzlichen Bildern aus der Natur und dem Menschenleben auch satyrische Darstellungen , wie der Nürnberger Witz sie liebte : einen Venusberg mit schönen Frauen ; einen Backofen , worin Narren gebacken wurden ; eine große Büchse , welche böse Weiber schoß ; einen Vogelherd , worauf man Narren und Närrinnen fing ; ein Glücksrad , welches Narren und Närrinnen herumdrehte , die sich einander jagten ; eine Galeere , auf welcher Mönche und Nonnen aneinander gekettet ruderten , und noch mehr dergleichen . Darauf folgten vielspännige Schlitten mit maskirten Personen in prächtigen Pelzen , dahinter saßen Spielleute auch in bunte Trachten gekleidet , die lustig aufspielten . Daran schlossen sich etwas entfernter kleine Rennschlitten mit Geharnischten besetzt , die sich mit Turnierstangen einander auszustechen und herunterzuwerfen versuchten - ein Spiel , welches das Gallenstechen hieß und das auch zu andern Zeiten in Nürnberg angestellt ward . Unter diesen Geharnischten befand sich Stephan Tucher . Ursula ' s Augen hatten ihn erkannt , auch wenn er nicht zu den Frauen hinaufgeschielt hätte ; aber er wollte ihnen auch eine Probe seiner Geschicklichkeit geben , und mit seiner Turnierstange gewandt ausholend , gelang es ihm , einen andern Geharnischten von seinem Schlitten zu werfen , daß er unter dem Gelächter des Volkes im Schnee sich wälzte . Diesem wollte sich der Herabgeworfene am schnellsten entziehen indem er aufstehend sich in Scheurl ' s Hausthür drängen wollte . » Dort gehört Ihr nicht hin ! Lauft nur Eurem Schlitten nach ! « rief Stephan eifersüchtig und drohte ihm mit seiner Lanze . Jener aber warf seinen Helm ab , und Stephan erkannte mit Mißbehagen Georg Behaim in ihm . Den Bruder Elisabeth ' s hatte er nicht dem allgemeinen Spotte preisgeben wollen ; indeß blieb ihm nichts anderes übrig als weiter zu fahren und sein Turnierheil auch an Andern zu versuchen , damit Behaim nicht in dem , was er ihm gethan , eine besondere Absichtlichkeit suche . Es gelang ihm auch noch Manchem herabzuwerfen , indeß er selbst vor jedem Angriff fest saß - so aber errang er sich den Preis des Gallenstechens . Als es vollständig dunkel geworden , ward auf dem Markt das Feuerwerk abgebrannt , und das war zugleich das Zeichen zur Versammlung der Masken im Tanzsaal des Rathhauses . Da wimmelte es von allerlei schönen und wunderlichen Masken . Männer und Frauen wetteiferten miteinander an Pracht und Absonderlichkeit der Kleidung , und manche Freiheit herrschte dabei , die zu anderen Zeiten die bedenklichen und sittenstrengen Nürnberger nicht dulden mochten . Verschiedenartige Aufzüge fanden dabei statt und possenhafte Darstellungen ergaben sich aus ihnen von selbst . Sie wurden von der Tribune aufgeführt , die für den Kaiser und den König wie die anderen zum Reichstag gekommenen Fürsten erbaut war und auf welcher diese Platz genommen . Denn sie waren nur als Zuschauer und ohne Masken erschienen , und auch König Max beobachtete diesmal eine strengere Zurückhaltung und Etiquette als bei seinem ersten Aufenthalt in Nürnberg . Vielleicht war er überhaupt nicht wohl gelaunt durch die geringe Willfährigkeit , welche der Reichstag zeigte , auf seine Forderungen einzugehen ; vielleicht wollte er auch sich den stolzen Nürnbergern , damit sie nicht etwa übermüthig würden , mehr in der Würde seiner Majestät zeigen , als sie ihn früher gesehen , damit sie nicht vergessen , daß sie doch seine Unterthanen wären , wenn sie auch sonst sich ihrer reichsbürgerlichen Freiheit rühmen mochten . Er sah ernst , fast finster in das Maskenspiel , und nur der unverwüstliche Kunz von der Rosen vermochte durch irgend eine ihm in ' s Ohr gezischelte Bemerkung zuweilen ein Lächeln um seinen Mund zu zaubern . Mit den bängsten Empfindungen warf Ursula Muffel zuweilen einen scheuen Blick auf den König Max . Seit dem Wiedersehen mit Stephan Tucher plötzlich in ihren Hoffnungen so kühn gemacht , als