erhalten und ihren Einzug geordnet hatte , machte sie einen ihrer ersten Ausgänge zum Bischof . Sechs Wochen später holte sie für ihre neue Stellung die Bedingung nach , der katholischen Kirche anzugehören . Ende des ersten Buchs . Zweiter Band Zweites Buch 1. Den Strom zu nennen , auf dem ein in erster Morgenfrühe ausgefahrener Dampfer soeben seine schäumenden Furchen zieht , drängt es unser ganzes Herz . Doch sei von ihm nur gesagt , daß er von den Frage- und Ausrufungszeichen seiner ersten Alpen-Jugend an bis zu den letzten versandenden Gedankenstrichen und Stirnrunzeln des Alters groß und bedeutsam ist wie das Menschenleben selbst ... Wie grüßen uns die Zinnen der Thürme , die rings auf deinen Felsenufern ragen , du bei Sonnenschein und Nebel gleich Geliebter ! Wie schlägt die Welle an deine Wehre und Buchten ! Wie kräuselt sich über gesprengtem Felsenriff in deinem offenen Bett jetzt spielend die Woge , wo sonst die Strömung tödtliche Opfer forderte ! ... Und in diese grüne Gegenwart ringsum , diese blaue über uns , in dies Singen und Rufen von den Gestaden , in dies Läuten von uralten Thürmen in grauen Städten und Weilern spricht Sage und Geschichte herein so lebendig , so gegenwärtig , als wenn auf den Kanten der Felsen immer noch die verlockenden Geisterjungfrauen säßen und ihre goldenen Locken im Mondlicht strählten , auf den Söllern immer noch die Ritterfräulein mit ihren Schärpen winkten , die sie dem Kämpen zum Lohne gestickt , immer noch der schwere Tritt der schellenbehangenen Rosse , der vom Felsen drüben zum Felsen hüben das Echo weckt , kommen könnte von einem Banner Geharnischter , nicht von den Fuhrleuten mit ihren zweirädrigen Karren und den an den Stirnen mit einer großen rothen wollenen Agraffe geschmückten , über den Hufen so langzottig behaarten Thieren , die in unsere Keller nur den Wein verführen ! » Nur « den Wein ! » Nur « deinen goldensten Hort ! ... Wir Undankbaren und so schon durch deinen Reichthum Verwöhnten ! Bunt und lustig drängen sich die Passagiere des Dampfboots ... Nennt ihr den Gehalt der Gegenwart leer und flüchtig , so ist gewiß das Leben auf Eisenbahnen und Dampfschiffen dem kurzen Moussiren zu vergleichen , das die Weinperlen oben zum flüchtigen Kranze vereinigt . Närrische Blasen , die da aufgeworfen werden von Ost und West ! Moden , ihr tollen , wer hat euch erfunden ! Trägt man die Mützen jetzt so flach , die Burnusse , die Plaids , die Abd-el-Kaders mit dieser kühnen Schwenkung um die Schulter ? Was welscht und radebrecht der Zeitgeist im Gespräch zusammen , nicht nur äußerlich barock dem . Ohre nach , auch innerlich dem Geiste ? Sind wir schon auf dem Hudson oder Delaware , daß uns so yankeehaft , zu Muthe wird ? Und müssen wir wirklich der Versuchung widerstehen , diese Kellner mit ihren carrirten Halsbinden und grotesk gestreiften Inexpressibles nicht für Affen zu halten ? Großer Saturn , verspeise deine eigenen Kinder und nimm uns alle hin zu deinen urewigen Frühstücken , wenn diese Reisewelt der Dampfschiffe , Eisenbahnen und Hotels mehr sein wollte , sein dürfte als der kurze Schaum , den unser Zeitalter aufwirft , wenn sein hoffentlich tieferer innerer Gehalt im ersten Anschuß an die Atmosphäre tritt ! Auch auf der » Prinzessin Marianne « - Albums , Panoramas , Plaids , blaue , grüne , rothe Schleier , Firnißstiefel , Cotteletts , Beefsteaks ... Schooshündchen ... hinterpommersche Welt- und Zeitansichten ... Dünste und Nebel über Baumwolle , Bundestag , Whigs und Tories , Louis Philippe ' s neueste bombenfeste Kutschen , Thalberg und Liszt ... alles was sich nur dem Streit des Zeitalters der Revolutionen mit dem Horror vacui des immer siegreichern Systems der materiellen Interessen entbinden und entwinden kann ... Dann aber von Station zu Station scheidet sich von diesem kosmopolitischen Durcheinander doch Sonderleben um Sonderleben ... Die ausgesteckte Fahne auf einem Häuschen am Ufer bringt neue Passagiere , ein Zeichen vom Schiffe kündigt den Nachenführern Abgehende an . Ja , es gibt noch einzelne in der Welt ! Man schwimmt und schwatzt oder schweigt nur so eine Weile im Allgemeinen mit . Abseits sich wendend bleibt jedem wieder sein eigenes Herz , sein eigenes Schicksal , sein eigenes angstvolles Mühen , im allgemeinen Drängen sein Ziel nicht zu verlieren . Schon seit der in den engern Umgebungen des Stromes abgehaltenen Mittagsmahlzeit hatte eine Dame zu öfterm den Steuermann nach der baldigen Nähe eines Ortes gefragt , wo sie abzusteigen gedachte . Schon lange stand sie an der kleinen Thür , an welcher die Stiege aufgezogen hängt , über welche die Abgehenden in Kähne steigen müssen , die von den kleinern Stationen dem Dampfschiff entgegenkommen . Manchem schon mochte die Dame wegen des unausgesetzten Vorbehaltens ihres blauen Schleiers aufgefallen sein . Ein einfacher gelber Strohhut schützte sie gegen die senkrecht fallenden Strahlen der Augustsonne . Den trotz der Hitze zuweilen heftig aus den Biegungen des Stromes hervorbrechenden Windstößen hielt ein schottischer Mantel Stand von grün und roth carrirtem Muster und leichtem Baumwollzeuge . Neben der schlanken Gestalt stand schon in Bereitschaft ein Koffer von ganz neuem hellbraunen Leder , ein Koffer , der so klein und handlich war , daß er nur auf die nothwendigsten Bekleidungsgegenstände schließen ließ ; selbst eine Hutschachtel fehlte ; man mußte annehmen , daß der gelbe Strohhut , den die Dame trug , der einzige war , den sie für ihre Reise nöthig hielt . In der Hand hielt sie noch eine kleine buntgewirkte Bügeltasche ... Frauen und Männer , denen solche indiscrete Prüfungen ebenso nahe lagen wie uns , gab es schon seit einige Stunden genug . Die Dame aß nichts , trank nichts , sah nur starr und stumm in die Abwechselungen der Gegend , setzte sich zuweilen mit großer Sicherheit auf diejenige Seite des Schiffs , die vor der Sonne Schutz bot , und brütete unter ihrem blauen Schleier und schottischem Mantel und Sonnenschirm über Dinge , die schon mancher