seine Lippen . Das Mädchen schrak zusammen , ihr Körper zuckte sichtlich , und dabei zog sie den linken Fuß , der bis jetzt auf dem Papier gestanden , zurück , während sie zu gleicher Zeit das erröthende Gesicht gegen den Boden wandte . - Vielleicht um ihre Verlegenheit zu verbergen , vielleicht auch um ihre Hand auf schickliche Art denen des Barons entziehen zu können , beugte sie sich hastig vorn über , ihre Blicke suchten irgend einen Gegenstand , und da sie zufällig vor sich das bewußte Papier erblickte , so bückte sie sich schnell darnach , hob es auf , glättete es auf ihrem Knie und legte es alsdann zu einem langen Streifen zusammen , den sie sich langsam um den Finger wand . Während dieser bedeutungsvollen Pause hatte indessen Herr von Brand seine Zeit nicht verloren . Er rückte seinen Fauteuil noch etwas näher zu dem Mädchen hin und legte seinen Arm geschickt auf die Lehne des Stuhles , von wo er nur langsam herabzusinken brauchte , um genau die Stelle ihrer feinen Taille zu treffen . Dabei blickte er ihr von unten herauf sanft lächelnd in die Augen , und während er natürlicherweise für seine Kühnheit von vorhin - ihr nämlich die Hand geküßt zu haben - um Verzeihung bat , beging er eine noch weit größere , da sie nicht sogleich eine Antwort gab , indem er seine Hand ihrem Kinne näherte und ihren Kopf ganz leise hob und aufwärts wandte ; und er that das mit einem Blicke voll Innigkeit und Liebe . - - Dem konnte das Mädchen nicht widerstehen , weil sie hiezu nicht den festen Willen hatte , doch schlug eine tiefe Röthe auf ihrem Gesicht empor , als sie ihm , doch nur eine Sekunde lang , fest in die glühenden Augen schaute . Aber sein Blick war so feurig , daß er unmöglich zu ertragen war , weßhalb denn auch das Mädchen mit einem leichten Seufzer ihre Augen schloß in der festen Ueberzeugung , es schließe nun auch ihr Leben mit einem süßen Ende oder es geschehe ihr sonst etwas Schreckliches . - Und so war es auch ; denn kaum schloßen sich ihre Augen , so fühlte sie den weichen Druck zweier fremden Lippen auf den ihrigen und ein unnennbares Gefühl durchzuckte sie so heiß und stürmisch , daß sie in der That einer halben Ohnmacht nahe war . Wie schon oben angedeutet , hatte der rechte Arm des jungen Mannes die Lehne des Fauteuils zur gelegenen Zeit verlassen , hatte sich um ihren schlanken Körper gelegt und drückte sie leicht auf die Seite , während seine linke Hand langsam ihre rechte erhob , - dieselbe rechte Hand , um deren Zeigefinger sie das bewußte Papier geschlungen hatte . Als der Baron so diese Hand erhob , that er es gewiß nur in der Absicht , um zuerst die kleinen niedlichen Fingerspitzen zu küssen , und darauf das gleiche Geschäft bei den seinen Grübchen auf den Knöcheln zu versehen . Begreiflicherweise mußte er zu diesem Zwecke den Papierstreifen abwickeln , was er denn auch muthwillig , scherzend that . Auguste , die nun das A des Liebesalphabets glücklich hinter sich hatte , ging , wenn auch mit feuchten Augen gerne durch diesen Scherz auf das B über , ja sie lächelte recht freundlich , als nun der Baron das Papier neckend um jeden einzelnen Finger wickelte , diesen darauf küßte und es dann wieder entfernte . Das war ein recht harmloses Spiel , das auch ziemlich lange fortgesetzt wurde ; bald aber verschwand der Streifen gänzlich von der Hand und alsdann begnügte sich der junge Mann nicht mehr damit , daß er die Hand küßte , sondern er wandte sich nun an den Arm und avancirte dort über glattes Gold und kalte Steine hinweg und so weit hinauf , bis undurchdringliches Spitzengewebe und ein anschließender seidener Aermel seinen weiteren Forschungen für diesmal ein Ziel setzten . Es ist wunderbar , wie ein erster gelungener Kuß im Stande ist , so viele bis dahin unübersteigliche Schranken zu Boden zu werfen , wie er weite Klüfte ausfüllt , die uns bis dahin trennten , wie er eine Vertraulichkeit hervorzuzaubern vermag , an die man bis dahin in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht . Das geht im Allgemeinen so und man sah es auch in diesem speziellen Falle ; Auguste zog ihre Hand nicht mehr zurück , sondern ließ sie in der des Barons ruhen , auch schloß sie ihre Augen nicht wieder , sondern sah den jungen Mann , der an ihrer Seite saß , zuweilen recht forschend und fest an , warf auch wohl zuweilen einen Blick auf die Thüre des Nebenzimmers , durch welche die Mama verschwunden war . » Wir haben nun zusammen ein kleines , theures und liebenswürdiges Geheimniß , « sagte der Baron schmeichelnd , indem er ihre Hand an seine nun wirklich brennende Stirne legte . » Bewahren wir es noch für eine kurze Zeit , Auguste , lassen wir es noch eine Weile verborgen vor den Augen der übrigen Welt , uns freuend , daß wir Beide Etwas gemeinschaftlich besitzen , von dem die Uebrigen keine Ahnung haben . O , eine solche Heimlichkeit ist so süß , mein Mädchen ; es gibt nichts Seligeres , als so im Gewühle der Welt scheinbar fremd an einander vorbei zu streifen , wo doch ein Blick , ein leiser Druck der Hand , ein verstandenes Wort deutlich spricht und vollständige kleine , liebe , heimliche Geschichten erzählt , während wir öffentlich einem langweiligen Gespräch zu lauschen scheinen . « » Gewiß , gewiß , « versetzte Auguste , » ich freue mich darauf . « » Und jetzt brauche ich nicht mehr mit tiefem Weh im Herzen von ferne zu stehen , wenn du im Arme anderer Tänzer an mir vorüberfliegst , mein süßes Kind . Ja , ich werde sogar glücklich sein , wenn sie dir schön thun , wenn ich sehe ,