nicht mit sich selbst gerungen hat , kann auch nicht mit dem Genius ringen , ihn bannen , ihn zu Red ' und Antwort zwingen , ihm das Zauberwort ablocken wodurch er seinen Gebilden die Weihe ertheilt , und welches er nicht auf die erste Bitte und an den Ersten Besten verschwendet . Wer bestimmt ist die Weihe zu empfangen muß andre Wege gehen als die Talentvollen , die Begabten , welche bei ihrem ersten Erscheinen ein Paar Rosen um sich her streuen und dann mit leeren Händen weiter ziehen . Ihn muß eine Göttin , die einzige , die ewige Göttin alles Lebens und alles Seins , die Liebe , in ihre Arme nehmen und an ihrem Busen muß sie ihn groß ziehen und nähren mit zwei Quellen die ewig strömen : mit Schmerzen und mit Meditationen . - - Ich lebte bis zu meinem fünfzehnten Jahr unbändig , seelig und phantastisch dahin . Da trat eine vollständige Revolution ein . Mein Pflegevater und mein Beichtvater , Pater Melchior , verkündeten mir : ich sei für den geistlichen Stand bestimmt . Dabei kam es für mich zum ersten Mal klar und deutlich zur Sprache , daß meine geliebten und geehrten Pflegeltern eigentlich gar nicht mit mir verwandt waren . Ich weiß nicht welche von diesen beiden Nachrichten mich tiefer erschütterte . Nur das weiß ich , daß ich auf der Stelle in mir selbst sprach : Beides gilt mir nichts ! ich werde nicht Geistlicher und ich bleibe ihr Kind ! - Mit herzzerreißendem Schmerz stürzte ich zu meiner Pflegemutter . Ich schrie , ich weinte , ich schluchzte : ich sei ihr Sohn , ich wolle es bleiben ; sie solle nicht leiden daß man mich ihr raube ! und Geistlicher wolle ich nicht werden , sondern Musiker . Sie suchte mich zu beschwichtigen indem sie mit mir weinte und mit Liebkosungen mich tröstete : ich sei ihr Fidelis ; wenn nicht ihr Sohn .... doch immer und ewig ihr herzeigener Fidelis ! sie habe mich groß gezogen an ihrer Brust ! Gott habe ihren Sohn zu sich genommen und dafür mich in ihre Arme gelegt , und so viel Thränen habe sie geweint um seinen Tod und um mein Leben , daß etwas ebenso Heiliges als die Mutterliebe für mich daraus zusammengeschmolzen sei . » Nun so rette mich , Mutter , rette mich von dem geistlichen Stande ! « flehte ich . » Deine Mutter hat es so bestimmt , Fidelis ! « entgegnete sie sanft und traurig . Ich war wie wahnsinnig . » Was ist das für eine Mutter die mich erst ins Leben gestoßen hat und mich nun in den Tod .... in mehr als den Tod ! stoßen will . Ich weiß von keiner Mutter ! « schrie ich . Mein Pflegevater sprach mir mit Ernst zu ; Pater Melchior mit linder Güte . Ich ließ mir auch all ihre Ermahnungen und Tröstungen gefallen ; gingen sie aber auf den fraglichen Gegenstand über , so geberdete ich mich wie ein junges Pferd auf den Steppen der Ukraine , das eingefangen werden soll . Ich , lernen ? ich , studiren ? ich , ein heiliges Amt regelmäßig verwalten und es nie verlassen ? ich , im geistlichen Gehorsam meinen Obern mich unterwerfen ? thun , treiben , denken , lehren , wie sie gebieten ? - Nimmermehr ! Ich wollte in die Welt . » Ich will ja nichts Böses und nichts Verbotenes in der Welt thun ! - aber ich will und muß in die Welt , sagte ich so recht in kindischer Weise ; - und wenn mir das nicht erlaubt wird , so laufe ich heimlich fort . « Mein Entschluß schien so fest , daß man mir Ruhe gönnte . Allein nach kurzer Zeit kündigte Pater Melchior mir an ich solle ihn nach Prag begleiten , wo man mich zu sehen und zu sprechen wünsche . Abermaliger , heftiger Widerstand , der doch zulezt überwunden ward ! während dieses Kampfes bildete sich mein Entschluß fest aus die Flucht zu ergreifen , wenn mir keine andre Rettung übrig bliebe . Das machte mich ruhig , und ich fuhr mit Pater Melchior nach Prag , erwartungsvoll aber gewappnet . Dort geleitete er mich in ein ernstes stilles alterthümliches Gebäude , dessen Pforte sich uns geheimnißvoll öfnete ; dann über einen einsamen Hof , durch lange hallende öde Gänge , in ein düstres , unschönes Gemach : ich stand im Sprachzimmer eines Klosters . Ich fühlte mich einer Ohnmacht nah : die Luft war so beklommen .... die Wände so dunkel .... und das Gitter , das fürchterliche Gitter und der braune Vorhang hinter demselben erfüllten mich mit Vorstellungen von Kerker und Grab . » Wenn ich hier eingesperrt werden soll , so renne ich mit dem Kopf gegen die Mauer ! « sagte ich fassungslos zum frommen Pater Melchior , der sanft entgegnete : » Was fällt Dir ein , Fidelis ! Hier lebt Deine Mutter und sie wünscht Dich zu sehen . « Indem rauschten schleppende Gewänder jenseits des Gitters , der Vorhang wurde zurückgezogen , und eine Klosterfrau in der Ordenstracht der Karmeliterinnen stand mir gegenüber . » Hier ist Fidelis , « sagte der Pater . Sie neigte ihr Haupt zum Gruß , zum Dank , und er verließ das Sprachzimmer . So wie ich diese Frau sah flog meine Seele ihr entgegen und ich liebte sie . Ich stürzte wie zerschmettert am Sprachgitter nieder , ich rang die Hände , ich breitete meine Arme gegen die starren Eisenstäbe aus und stammelte schluchzend , athemlos : » O meine Mutter .... Du meine wahre , meine wirkliche Mutter - wie lieb ' ich Dich ! « Welch ein Antlitz schaute auf mich herab ! Sibylle , dies holde kleine Gemälde entzückt Sie und spricht Sie an wie ein verkörperter Sonnenstral . Nun stellen Sie sich vor daß dies himmlische Wesen durch ein Läuterungsfeuer nach dem andern hindurch