Hand . Alfred that , als bemerke er es nicht . Es war ihm unmöglich , einen Mann traulich zu begrüßen , den er nicht in seinem Hause zu sehen wünschte . Ruhberg brachte ihm Nachrichten aus der Heimat und sprach von den Angelegenheiten auf Reichenbach ' s Gütern , soweit sie die kirchlichen Verhältnisse betrafen . Dann rückte er endlich mit der Bitte hervor , daß Alfred , der mannichfache Bekanntschaften unter den Räthen der verschiedenen Ministerien besaß , seinen Einfluß zu Gunsten Ruhberg ' s verwenden solle , um dessen Bestätigung als Domherr zu erlangen , die noch zweifelhaft schien . Die Behörden standen an , die auf ihn gefallene Wahl gutzuheißen , da seine hierarchischen Tendenzen nur zu sehr bekannt waren . Alfred nahm seine Bitte kühl auf und sagte , da Ruhberg dringender wurde : Sie verkennen einerseits meinen Einfluß , mein Herr Kaplan , andererseits mich selbst . Ersterer reicht nicht so weit , als Sie glauben , und ich kann ihn nicht unbedenklich für Jemand anwenden , dessen Grundsätze und Ansichten den meinigen so sehr entgegen sind , als die Ihren . Im Uebrigen , Herr Caplan , denken Sie von meiner christlich vergebenden Gesinnung besser als ich selbst , denn ich habe weder vergessen noch kann ich vergeben , was Sie gegen mich verschuldet haben . Der Kaplan erbleichte und ein Blick , scharf wie der Stachel einer Schlange , schoß aus seinen Augen auf Alfred , aber keine Muskel seines Gesichtes bewegte sich . Ich weiß nicht , wovon Sie sprechen , Herr von Reichenbach ! sagte er . Ich bin mir bewußt , Sie wegen des kleinen Streites in Rosenthal um Vergebung gebeten zu haben , und was die Milde betrifft , er betonte das Wort scharf , die Sie an meinem Vorgänger so hoch geschätzt haben , und die Sie in gewissen Fällen vielleicht selbst bedürfen könnten , so sollen Sie mich so mild als Ihren verstorbenen Freund , den Domherrn , finden . Mit der kirchlichen Würde soll mir die christliche Milde kommen , wie ich hoffe . Es ist schwer in untergeordneter Stellung sich frei und richtig zu entwickeln , das Amt giebt Kraft und Einsicht mit dem Beistand Gottes . Ich bedarf Ihrer Milde nicht , sagte Alfred stolz , und ich habe Ihnen keine Milde angedeihen zu lassen , nach der Beleidigung , die Sie , und wie ich erkundet habe , Sie allein mir mit der gehässigen Zeitungsanzeige zugefügt haben , deren Sie sich wohl erinnern werden . Damit ist Alles zwischen uns gesagt . Er schritt hinaus , ließ Ruhberg stehen und ging seine Frau aufzusuchen , der er verbot , den Kaplan bei sich oder außer ihrem Hause zu empfangen und zu sprechen . XVIII Langsam und drückend schwer gingen die Tage an Therese vorüber . Sie hatte gleich nach des Bruders Erkranken ihre Pflegetochter von sich entfernen , sie zu Frau von Barnfeld schicken wollen , aber Agnes hatte es mit Bestimmtheit verweigert , sich von ihr zu trennen . Sie erklärte , daß Nichts sie vermögen würde , die Freundin , der sie so viel frohe Stunden verdanke , der sie von Herzen ergeben sei , zu verlassen , nun da diese in Angst und Sorgen sei , und Therese hatte sich in ihre Ansicht gefügt . Mit verständiger Thätigkeit und großem Geschick übernahm Agnes alle häuslichen Geschäfte , die sonst der ältern Freundin oblagen . Sie sorgte für Alles , wußte für Alles Rath , was Julian irgend bedürfen konnte , so daß Therese sich mit ruhiger Zuversicht ausschließlich der Pflege des Bruders widmen durfte . Dabei schien das junge Mädchen sich recht in ihrem Elemente zu fühlen und trotz wirklicher Sorge um den Präsidenten und mancher körperlichen Anstrengung ihren ruhigen , klaren Sinn zu behalten . Das machte sie Therese immer werther und ward für Eva unschätzbar , die alle Fassung verloren hatte . Schon am frühesten Morgen kam sie zu den Freundinnen und verließ sie so spät als möglich . Wie Agnes wünschte sie helfen und nützen zu können , aber die gänzliche Unkenntniß aller häuslichen und wirthschaftlichen Fertigkeiten hinderte sie daran . Doppelt betrübt durch die Unthätigkeit , zu der sie sich verdammt fühlte , saß sie tagelang mit verweinten , halbgeschlossenen Augen da . Sie war ein wahres Bild des Kummers , und Therese sowohl als Agnes und Theophil empfanden inniges Mitleid mit ihr . Konnte man irgend eine Beschäftigung für sie ermitteln , die sich auf Julian bezog , dann belebte sie sich plötzlich ; war die kleine Arbeit beendet , so sank sie in die frühere Abspannung zurück . Sie machte den rührenden Eindruck eines kranken Kindes und wie ein solches ward sie von Agnes mit unwandelbarer Güte und Nachsicht behandelt , die , obgleich bedeutend jünger als Eva , jetzt wie ihre Beschützerin auftrat . Theophil entging die große Tüchtigkeit des jungen Mädchens nicht und er wußte ihr die Erleichterung Dank , welche sie Theresen verschaffte . Unablässig für diese besorgt und vorsorgend , dachte er dennoch daran , auch Agnes Beweise seiner Theilnahme und Achtung zu geben , die sich von Tag zu Tag für sie steigerten . Durch Agnes erfuhr er zu jeder Stunde , wie es um Julian stehe , wie Theresen ' s Stimmung sei , denn diese selbst war nur für Augenblicke sichtbar . Tag und Nacht an Julian ' s Lager beschäftigt , schien sie fast übermenschliche Kraft in sich zu finden , um dem Bruder nie zu fehlen , wenn für kurze Zeit die Nebel des Fiebers von ihm wichen und er seine Umgebung erkannte . Am Neujahrsmorgen hatte sie einen Brief von Theophil ' s Mutter erhalten , die ihr in den wärmsten Ausdrücken für die Güte dankte , welche sie dem leidenden und jetzt genesenen Sohne bewiesen habe . Ein Brief von Theophil war beigelegt , in welchem er sich erfreut über die Rückkehr der Gesundheit und voll Sehnsucht nach einem Glücke aussprach ,