überwiegend sei , deshalb sei er jetzt schon gekommen . Er erlaube sich , dem Grafen den Vorschlag zu thun , den Rest des Abends diesem Zwecke zu widmen , ein Souper und Karten bringen zu lassen und ihrem morgenden Zusammentreffen das Ansehen einer beim Spiel entstandenen Mishelligkeit zu geben . Der Graf nahm das Anerbieten an , behielt sich jedoch das Recht vor , die Gattung der Waffen und die Einrichtung des Zweikampfes zu bestimmen , und wählte Pistolen . Gotthard überließ ihm diese und jede andere nähere Bestimmung . Es ward Wein gebracht , Essen , ein Spieltisch und Karten ; dem Kellner deutete man an , daß man seiner vorläufig nicht bedürfe . Ungefähr eine Stunde lang blieben die vier Herren beisammen ; es herrschte eine eisige Höflichkeit . Endlich erhoben sich Gotthard und Otto , einen Wundarzt aufzusuchen , der zugleich des Erstern Zeuge sein mußte , da Kronberg St. Luce dazu aufgefordert . Sehr geschickt verbreiteten sie das flüchtige Gerücht eines Streites beim Ecarté . Jede Maßregel ward so getroffen , daß im Augenblick die Sache als ganz folgelos erschien , während ihr Ausgang zu einem bestimmten Schluß führen mußte . Als sie zurückkehrten , stand Kronberg auf und trat Gotthard entgegen . Herr Geheimrath ! sagte er , was auch morgen das Schicksal über uns entscheide , die Zartheit und Entschlossenheit , mit welcher Sie von der äußern Ehre der Mutter meiner Kinder eine Schmach , von dem Leben der Knaben einen tiefen Schmerz abwenden , verdient meinen achtungsvollen Dank . Obgleich es ein sehr schmerzendes Gefühl ist , das mir denselben auferlegt , gebieten mir Pflicht und Ehre , Ihrer Loyalität vor diesen Herren die vollkommenste Anerkennung auszusprechen . Gotthard dankte schweigend . Die beiden Freunde wollten einen nochmaligen Versuch der Versöhnung wagen , Kronberg wies sie stolz zurück , ergriff Viatti ' s Arm und verließ den Saal . Es war ausgemacht worden , sich am nächsten Morgen um sechs Uhr am dazu bestimmten Orte zu treffen ; die beiden Duellanten sollten von einer gegebenen Entfernung aus auf einander zu gehen und Jeder schießen , wann er wollte . Als Kronberg und der Marchese sich wandten , das Zimmer zu verlassen , stürzte St. Luce auf Gotthard zu und drückte ihn an seine Brust wie einen Sohn , dann folgte auch er den Andern ; als Secundant Kronbergs glaubte er nicht allein bei jenem verweilen zu dürfen . Und nun eine Bitte , sagte Gotthard zu Otto ; haben Sie die Güte , mich morgen während des Duells nicht einen Augenblick aus den Augen zu lassen , das Uebrige mag der Doctor Hollau besorgen , der Ihr Mitsecundant ist . Ich wünsche , daß Sie Annen sagten , daß ich gehandelt , wie Der mußte , der ihr Herz gekannt . - Ehe noch Otto ihm etwas zu erwidern vermochte , hatte er sein Schlafzimmer betreten und hinter sich abgeschlossen . Anna ' s fieberheiße Hand ruhte noch zwischen den beiden Leontinens , ihr feuchter , glühender Blick hing noch an den bereits geschlossenen Lippen der Erzählerin . Leontine hatte ihr Alles mitgetheilt , was sie durch Duguet über Kronbergs Bruch mit der Capacelli und dessen rasche Abreise erfahren . - Anna war tief erschüttert . Roderichs Rückkehr zu der eignen ursprünglich edeln Natur seines Wesens glich dem Morgentraume seiner ersten Neigung für sie ; und gerade in diesem sein Bild verklärenden Lichte , gerade in dieser Milderung der stets unterdrückten harten Anklage ihres Innern gegen ihn mußte die Verzweifelnde sich ihn mit fast unumstößlicher Gewißheit als den Mörder des Geliebten denken . Das Duell , von dem sie überzeugt war , es finde statt , glich in ihren Augen keinem Zweikampf , denn sie blieb dessen Ausgangs gewiß . - Das zwiefach Dämonische der Empfindung übermannte sie . Laut aufschluchzend barg sie ihr Haupt tiefer in die verhüllenden Kissen ; o wie gern hätte sie in kühler Erde es gebettet ! Auch Leontinens Elasticität schien gebrochen . Sie kniete am Bette der Freundin , die sie fortwährend mit angststierem Auge bewachte . Sie wußte selbst nicht , was sie so Entsetzliches fürchtete . Zwischen den Fingern knitterte sie ein kleines Zettelchen von Viatti ' s Hand , das man ihr heimlich aus dem Gasthof zugeschickt ; es sollte sie beruhigen und athmete doch nur die tiefste Empörung gegen Annen aus , die erst vor Kurzem ihrem Gatten das Mitwissen um einen inhaltschweren Brief mit frecher Großartigkeit abgeleugnet und jetzt vor dem Unglückseligen auf eine Weise entlarvt sei , die nur seinen Tod zu wünschen lasse . - Kronberg mußte ihm also unbedingtes Vertrauen geschenkt haben . O hätte Leontine aus dieser engen Schlucht der Pein nur einen einzigen Moment in Viatti ' s Herz schauen können ! Sie fürchtete mit verwirrender Sorge die Feuerbrände des Mistrauens , der wüthenden Eifersucht seiner ewig in sich arbeitenden und stets von außen unbeschäftigten Natur , deren Einfluß in diesem Augenblick Kronbergs Seele allein beherrschte ! Doch wo ihn auffinden ? - Das ganz Hülflose der Lage beider Frauen war schaudererregend . Und , seufzte sie - fortredend aus den sich innerlich jagenden Gedanken heraus - wenn es nun anders käme ? O , es ist ja nur ein anderes Entsetzliche , dich daran erinnern zu müssen , daß auch Gotthards Kugel treffen kann ! Aber das Grausenhafte bleibt sich immer gleich . - Nun , vielleicht , vielleicht trifft sie ihn nicht zum Tode ; er ist besonnen . - Anna , jetzt , erst in diesem Augenblick , verstehe ich Jean Carlo ' s sich an den Glauben klammernden Trost ganz . In solchem Abgrund Wahnwitz erweckender Pein , die eine Menschennatur aus allen ihren Fugen reißt und sie zum Spielball der innern Höllengeister macht , beut nur allein die Kirche den schwachen Hoffnungsstrahl , der , ach ! so klein , dennoch , unserer ewigen Lampe gleich , das nächste Dunkel hellt . O Anna ! was hilft mir all mein Geist