als etwas Unmögliches erschien . Der Barigell führte mit seinen Häschern die Gefangenen triumphierend in das Gefängnis , denn es fiel im Hause keinem mehr ein , die Banditen zu verweigern , da sie vollauf mit ihren sterbenden Gebietern zu tun hatten . Vittoria lebte völlig einsam und zurückgezogen , aber nicht als eine Gefangene im Kastell . Ihre Zimmer waren angenehm geschmückt , zwar nur mit einer Aussicht in den innern Hof , aber doch nicht unerfreulich . Der Gouverneur besuchte sie zuweilen , und zeigte ihr die größte Hochachtung , dessen Lieutenant Vitelli , ein jüngerer Mann mischte einige Zärtlichkeit , ja Leidenschaft in den Ausdruck seiner Verehrung , weil er von der Schönheit Vittorias , die er früher noch niemals gesehn hatte , bezaubert war . Sie verstand recht gut , daß diese Gefangennehmug , wie sie es mit allem Anstand doch war , sie vom Herzog trennen solle , damit nicht geschehe , was die Familie und auch die Medicäer fürchteten , daß er sich mit ihr vermähle , und so auf neue Erben viele von den Gütern der Bracciano übergehen möchten . Da sie aus dem ihr angedrohten Prozeß mit Triumph geschritten war , so überließ sie der Zeit , ihr künftiges Schicksal zu entwickeln . Sie war jetzt damit zufrieden , daß sie die Verlobte des Mannes war , den sie verehrte und liebte . Daß ihre Mutter , wie man ihr sagte , nicht wohl sei , betrübte sie innigst , da es ihr unmöglich war , sie zu pflegen und zu trösten . Sonst wies sie alle Besuche , die zuweilen die Erlaubnis des Governadors erhielten , zurück ; denn da sie den Herzog Bracciano nicht sehen sollte , er auch keinen Versuch machte , bei ihr einzudringen ; so wollte sie kein anderes menschliches Angesicht schauen , außer ihre Wächter und die alten Freunde ihrer Kindheit , Guido und Ursula , welche sie mit sich genommen hatte . Bracciano hatte dem Papst und dem Medicäer versprechen müssen , jetzt seine Verbindung mit Vittorien aufzugeben . Unter dieser Bedingung hatte man die Anklage fallenlassen , die Gerüchte unterdrückt , keine andre Zeugen verhört , und Vittoria selbst auf anständige Weise bewacht . Bracciano sah ein , daß , wenn er nicht nachgäbe , und zum allgemeinen Ärgernis unmittelbar nach des Gatten Tode sich mit der Witwe vermählte , der verletzte Papst unerbittlich , seine Familie unversöhnlich sein und er alle Gunst des Volkes verlieren würde . Alles , was boshafte Feinde gegen die Accoromboni aufbringen konnten , erhielt dann eine große Wahrscheinlichkeit , und da nur die äußere Tatsache erschien und die innersten geistigen Ursachen , das moralische Getriebe verborgen bleiben mußten : so setzten sich beide dem allgemeinen Abscheu aus , und es entstand dann die Frage , ob der Herzog , trotz seiner Stellung , mächtig genug sei , der Kabale gegenüber Vittorien vor Schande , Einkerkerung , vielleicht gar schimpflichem Tod zu schützen , ja ob er nicht selbst , überwältigt , den Sturz teilen würde . So waren es denn doch die Umstände welchen diese beiden starken Naturen nachgeben mußten . Sie beugten nur ungern den stolzen Nacken , aber das Schicksal , das sie selbst herbeigerufen hatten , bezwang sie dennoch . In dieser ruhigen , fast anmutigen Einsamkeit war alle Bitterkeit aus dem Gemüt Vittorias verschwunden . Sie erlebte jetzt den Zustand , in welchem auch der starke Geist sich nicht ungern einer unbedingten Passivität hingibt . Dies ist kein Verzagen , Sichaufgeben , oder ohnmächtiges Verzweifeln , sondern die Seele taucht sich willig , wie in einen erquickenden Schlaf , in ein behagliches Vergessen unter , um wieder neue Kräfte für andre , vielleicht nahe Stürme zu sammeln . Nur einmal war ihr Zorn in seiner ganzen Stärke wieder aufgewacht . Der älteste Bruder , Ottavio , hatte sich , mit Erlaubnis des Gouverneurs , bei ihr melden lassen , und dringend ein Gespräch verlangt . Sie war nicht zufrieden damit , ihn kurz abzuweisen , sondern schickte ihm noch ein Billet , voll Bitterkeit durch den Diener , in welchem sie ihm von neuem seine Schlechtigkeit vorwarf . Man sagte ihr , daß er mit sehr bekümmerten Mienen sich entfernt habe . Zweites Kapitel Ganz Rom war in der heftigsten Bewegung . Der Adel , der das , was geschehn war , für Verletzung aller seiner Rechte , für Beschimpfung und gewalttätigen Mord erklärte , rottete sich in den Häusern , Straßen und auf den Plätzen zusammen ; auch die Feindseligsten versöhnten sich und schwuren Rache und Vergeltung . Die Bürger verschlossen sich in ihren Häusern , weil sie einen gewaltsamen Ausbruch fürchteten . Die Regierung war ungewiß , was sie tun sollte , der Barigell war mit seiner Mannschaft allenthalben auf Wacht . Es fehlte dem Adel nur ein Haupt , um die verschiedenen schwankenden Entschlüsse auszuführen , und zu diesem schwang sich durch Wut und ungebändigte Wildheit Luigi Orsini auf . Die alten Barone und Grafen , selbst der Geistlichen viele , billigten die Rache , von welcher alle durchglüht waren , wenn jene auch selber keinen tätigen Anteil nehmen wollten . Luigi war derjenige , welcher sich mit Recht von allen am meisten gekränkt fühlen konnte . Schon am folgenden Tage war Raimund , sein Bruder , so wie sein Schwager Savelli , an den Wunden gestorben sie wurden zugleich mit dem jungen Rusticucci mit großem Pomp und vielem Tumult und unter Geschrei und heftigen Reden beerdiget . Im Palast des Luigi hatten sich nach dem Begräbnis alle jungen Adlichen von den verschiedenen Familien versammelt . Die junge Gattin Luigis flehte umsonst . » Du hast es mir so feierlich versprochen « , sagte sie , » dich aller jener gewaltsamen Taten , aller jener Wildheit völlig zu entwöhnen , die deinen Namen so berüchtigt gemacht haben : ich habe deinem heiligen Wort vertraut und mein Schicksal an das deinige geknüpft ; und nun sollen jene schadenfrohen Prophezeiungen meiner Feindinnen dennoch