schönen Züge , die Du von ihm berichtest , bilden ein vollkommnes Ganze mit dem , was eine befreundete Erinnerung hinzubringt . Du hast wohl recht zu sagen , daß , wo der Boden mit Heldenblut getränkt wird , es in jeder Blume neu hervorsprieße , Deinem Helden gönne ich , daß Mars und Minerva ihm alles Glück zuwenden mögen , da er so schönem an Deiner Seite entrissen zu sein scheint . 17. Mai 1809 G. An Goethe 18. Mai Der Kronprinz von Bayern ist die angenehmste unbefangenste Jugend , ist so edler Natur , daß ihn Betrug nie verletzt , so wie den gehörnten Siegfried nie die Lanzenstiche verletzten . Er ist eine Blüte , auf welcher der Morgentau noch ruht , er schwimmt noch in seiner eignen Atmosphäre , das heißt : seine besten Kräfte sind noch in ihm . Wenn es so fort ginge und daß keine bösen Mächte seiner Meister würden ? - Wie gut hatten ' s doch jene Ritter , die von geneigten Feen mit kräftigen Talismanen versehen wurden , wenn sie zwischen feurigen Drachen und ungeschlachten Riesen nach dem tanzenden Wasser des Lebens oder nach goldnen Liebesäpfeln ausgesandt waren und eine in Marmor verwünschte Prinzessin , so rot wie Blut , so weiß wie Schnee , schön wie das ausgespannte Himmelszelt über dem Frühlingsgarten , als ihrer Erlösung Lohn ihnen zuteil wurde . - Jetzt ist die Aufgabe anders : die unbewachten Apfelbäume hängen ihre fruchtbeladenen Zweige über den Weg , und Liebchen lauscht hinter der Hecke , um den Ritter selbst zu fangen , und diesem allem soll er entgehen und sein Herz der Tugend weihen , die keine Jugend hat , sondern eine gräuliche Larve , so daß man vor ihr Reißaus nehmen möchte ; la belle et la bête , la bête ist die Tugend und la belle ist die Jugend , die sich von ihr soll fressen lassen ; da ist ' s denn kein Wunder , wenn die Jugend vor der Tugend Reißaus nimmt , und man kann ohne geheime parteiliche Wünsche nicht Zeuge von diesem Wettrennen sein . - Armer Kronprinz ! Ich bin ihm gut , weil er mit so schönem Willen hinübergeht zu meinen Tirolern , und wenn er auch nichts tut , als der Grausamkeit wehrt , ich verlasse mich auf ihn . Gestern bin ich zum erstenmal wieder eine Strecke weit ins Freie gelaufen , mit einem kapriziösen Liebhaber der Wissenschaften und Künste , mit einem sehr guten gehorsamen Kinde seiner eignen Launen , eine warme lebendige Natur , breit und schmal , wie Du ihn willst , dreht sich schwindellos über einem Abgrund herum , steigt mit Vergnügen auf die kahlen Spitzen der Alpen , um nach Belieben in den Ozean oder ins Mittelländische Meer zu speien , macht übrigens wenig Lärm . Wenn Du ihn je siehst und nach dieser Beschreibung erkennst , so ruf ihn nur Rumohr , ich vermute , er wird sich nach Dir umsehen . - Mit diesem also hat meine unbefangne Jugend gewagt , sich das Ziel einer anderthalb Stunden weiten Reise zu setzen , der Ort unserer Wallfahrt heißt Harlachingen , auf französisch Arlequin . Ein heißer Nachmittag , recht um melancholische Blicke in Brand zu stecken . Wir verlassen den grünen Teppich , schreiten über einen schmalen Balken auf die andere Seite des Ufers , wandern zwischen Weiden , Mühlen , Bächen weiter ; - wie nimmt sich da ein Bauer in roter Jacke aus , gelehnt an den hohen Stamm des edlen populus alba , dessen feine Äste mit kaum entsproßnen Blättern einen sanften grünen Schleier , gleichsam ein Frühlingsnetz niederspinnen , in welchem sich die tausend Käfer und sonstige Bestien fangen , scherzen und ganz lieblich haushalten . Jetzt ! Warum nicht ? - Da unter dem Baum ist genugsam Platz , seinen Gedanken Audienz zu geben , der launige Naturliebhaber läßt sich da nieder , das Dolce farniente summt ihm ein Wiegenliedchen in die Ohren , die Augenlider sinken , Rumohr schläft . Natur hält Wache , lispelt , flüstert , lallt , zwitschert . - Das tut ihm so gut ; träumend senkt er sein Haupt auf die Brust ; jetzt möcht ich dich fragen , Rumohr , was ich nie fragen mag , wenn du wach bist . Wie kommt ' s , daß du ein so großes Erbarmen hast und freundlich bist mit allen Tieren , und dich nicht kümmerst um das gewaltige Geschick jenes Bergvolks ? Vor wenig Wochen , wie das Eis brach und der Fluß überschwoll , da setztest Du alles dran , eine Katze aus der Wassersnot zu retten . Vorgestern hast du einen totgeschlagnen Hund , der am Wege lag , mit eignen Händen eine Grube gemacht und mit Erde bedeckt , obschon Du in seidnen Strümpfen warst und einen Klaque in Händen hattest . Heute morgen hast du mit Tränen geklagt , daß die Nachbarn ein Schwalbennest zerstörten trotz deinen Bitten und Einreden . Warum gefällt dir ' s nicht , deine Langeweile , deine melancholische Laune zu verkaufen um einen Stutzen , du bist so leicht und schlank wie eine Birke , du könntest Sätze tun über die Abgründe , von einem Fels zum andern , aber faul bist du und furchtbar krank an Neutralität . - Da steh ich allein auf der Wiese , Rumohr schnarcht , daß die Blumen erzittern , und ich denk an die Sturmglocke , deren Geläut so fürchterlich in den Ohren der Feinde erklingt , und auf deren Ruf alle mit Trommeln und Pfeifen ausziehen , ob auch die Stürme brausen , ob Nacht oder Tag , - und Rumohr , im Schatten eines jungbelaubten Baumes , eingewiegt von scherzenden Lüftchen und singenden Mückchen , schläft fest ; was geht den Edelmann das Schicksal derer an , denen keine Strapaze zu hart , kein Marsch zu weit ist , die nur fragen : » Wo ist der Feind ? - Dran , dran ,