in sich , um das zu wollen , was er gerne wollen möchte . Du wirst nun wohl sehen , daß es der Ort nicht thut , wenn man den rechten Sinn nicht mitbringt . Du stützest Dich auf die letzten traurigen Ereignisse , und behauptest , hier gehe alles Familienglück zu Grunde . Es sei , als walte ein finsterer Geist in unserm Umkreis , der bald auf diesen , bald auf jenen niederfalle . Ich kann solchen Aberglauben nicht billigen , lieber Sohn , Gottes Gnade läßt sich nicht bannen . Wer auf sie baut , der mag stehen , wo er will , er steht in seiner Hand . Es ist wahr , es kann einem manchmal erschrecken , wie sich das Mißgeschick einnistet , und Leid und Trübsal unsere Tisch- und Bettgenossen werden , man immer nur traurigen Gesichtern begegnet , und selbst die Kinder sich ängstlich umsehen , ob auch kein neues Unglück im Winkel laure ? Es ist so , lieber Sohn ! wir erfuhren es Alle , und erfahren es wohl noch . Allein jedes hat seine Zeit , und ich denke , wäre man herzhafter , ließe man sich nicht beugen , sähe man mehr auf Gott , es würde uns nicht so dunkel vor den Augen und so gepreßt ums Herz bleiben . Was hilft das aber Alles ! Du hast nun doch einmal Deinen Sinn auf Veränderung gestellt . Du hältst hier nicht aus . Ich kann nicht sagen , ob Du recht oder unrecht daran thust ? Wenn es erst so weit ist ; wenn man einmal ein Gefühl ausgesprochen , einen Widerwillen , eine Besorgniß mitgetheilt hat , dann freilich kommt der rechte Muth nicht wieder . Das Mißvergnügen ist ansteckend wie die Furchtsamkeit . Ich sagte vorhin , auch den Kindern werde es unheimlich hier . Gestern Abend mußte ich das wieder erfahren . Wenn die Scheu und Bangniß allein schon ein Uebel ist , so zieht sie immer noch neue herbei . Es hatte den ganzen Tag geregnet . Die große Stube ist kühl , und scheint die Sonne nicht , so machen es die alten Linden trübe und feucht darinnen . Kinder frieren leicht , wenn sie einmal nicht draußen im Freien sein können . Ich hatte gegen Abend Feuer ins Kamin machen lassen . So lange die Flamme hell brannte , war es eine Lust für die Kleinen . Wie sich aber das Holz verkohlte , und die Gluth matter und dunkler ward , dann die Dämmerung eintrat , da drängte sich der kleine Kreis enger zusammen . Sie erzählten einander Hexengeschichten und andern tollen Schwank . Annchen saß auf meinem Schooß im Winkel am Kamin . Sie hatte das Köpfchen an mich angelehnt , und sah zuweilen , mit den klugen Augen blinzelnd in die meinigen . Ich küßte sie , indem ich , von der Aehnlichkeit mit der Verstorbenen getroffen , leise sagte : » Ganz wie die Mutter ! « Der arme , kleine Georg hatte unterdessen sein Fußbänkchen dicht zu mir herangezogen , die Aermchen um meine Kniee geschlungen , das Gesicht hineingedrückt , als wolle er schlafen . Jetzt hörte ich ihn schluchzen , und da ich sanft seinen Kopf in die Höhe richte , bricht es wie ein Schrei aus dem kleinen , gepreßten Herzen : » Mutter ! Mutter kommt auch gar nicht wieder ! « Mir ging das durch die Seele , und vollends , als Annchen altklug versicherte : » Mutter ist todt , ja gewiß , sie ist todt ! « Georg sah entsetzt auf , seine Thränen stockten . Es war , als wolle er mir das Ja oder Nein auf den Lippen lesen . Ich hatte Mühe , ihm die Bedeutung von Annchens Aeußerung begreiflich zu machen . Er seufzte tief , kam zu mir herauf , und sagte mir leise ins Ohr : » Darf ich denn nicht mehr in unser Haus gehen ? Ich möchte doch so gern ! « Er brachte das Letzte nur unter vielen Thränen stockend heraus . » Vater , « flüsterte ich eben so leise , » hat den Schlüssel mitgenommen . Du weißt ja , die Thüren sind verschlossen , wir können sie nicht aufmachen . « » Wir können sie nicht aufmachen ? « wiederholte er , das Köpfchen nachdenkend in die Höhe richtend . » Und Mutter auch nicht , wenn sie wiederkommt ? « setzte er hinzu . Ich küßte ihn , mit der Bitte , nur bis dahin Geduld zu haben . Allein er wiederholte bittend : » aber ich möchte doch so gern , so gern in unser Haus gehen ! komm doch , komm ! « bis ich ihn zuletzt ermahnen mußte , artig und folgsam zu sein . Annchen gab hier , wie immer , ihr Wort dazu , und drohte mit dem schwarzen Manne , wenn er noch länger weinen würde . Im nämlichen Augenblick stieß der Wind ein Fenster auf , die Kammerthür gegenüber sprang aus dem Schloß , der Wind fuhr heulend durchs Zimmer , die ältern Kinder flüchteten sich ängstlich ans Kamin . Franz stieß mit dem Fuß die Gluth zusammen , warf frisches Holz hinein , und als dieses prasselnd aufflackerte und der Schein den nächsten Umkreis erhellte , sagte er , es sei was Schwarzes durch die Stube gegangen . Die Kleinen fingen nun laut an zu schreien . Ich schalt ihn thöricht , rief die Magd , hieß sie Licht bringen , und suchte in der Zwischenzeit die erschrockenen Kinder zu beruhigen . Allein auch ich sollte ein wenig außer Fassung gerathen , als wirklich eine Figur auf mich zuschritt , und ich erst nach einer Weile den halb verwirrten , unglücklichen Caplan erkannte , der von der Gartenseite durch die Kammer hereingekommen war . Bei dem ersten Laut seiner Stimme zitterte Georg so heftig , daß ich , alle Gastlichkeit bei Seite lassend , zuerst das Kind entfernen ,