versetzte der Prälat : » so sey es drum . Gib mir die Brille , und zünde mir im Nebengemach die Lampe an . Du weißt wohl , setzte er leiser hinzu , daß ich an dem verdammten krausen Geschrifft lange studiren muß mit meinen blöden Augen , und ich kanns nicht leiden , daß der wilde Laffe davon Zeuge sey . Unterhalte ihn indessen , wenn Du Dich vor ihm nicht fürchtest ; und suche ihn zu begütigen , damit der Teufel Ruhe halte , der in ihm rumort . « - Fiorilla versprach ihm , ihr Möglichstes zu thun , und der Prälat schlich zum Nebengemach , sich an die beschwerliche Arbeit zu machen . Dagobert hatte sich in einen Sessel geworfen , und starrte erwartungsvoll zur Decke empor . Fiorilla machte sich allerlei in der Stube zu schaffen , näherte sich dem Schweigenden , entfernte sich wieder von ihm , hustete , sprach mit dem Sittich , und da alle die kleinen Mittel nicht verfingen , die sonst wohl der Männer Aufmerksamkeit rege machen , trat sie auf ' s Neue zu dem Jüngling und klopfte ihm leise auf die Schulter . Dagobert tauchte aus der Fluth seiner Gedanken auf , und sah verwundert in das Auge des lieblichen Mädchens , in welchem sich weder Leichtfertigkeit , noch stille Sehnsucht , wohl aber die freundlichste Theilnahme aussprach . » Warum so verloren ? « redete Fiorilla sanft und wohlthuend den Vetter an : » Was kann Euch so sehr betrüben und kränken ? Euer Vater ist ja nicht gestorben , da er selber Urkund von sich gibt , und andrer Schmerz belastet Euch nicht ! « - » Ihr habt Recht , Mühmchen ; « entgegnete Dagobert leicht : » für heute ist Ungewißheit mein Einziger . « - » Wir Frauen möchten so gerne jede Plage von der Brust des Mannes nehmen , « fuhr Fiorilla fort : » Wie lohnt ihr mir , wenn ich diese Frauenpflicht an Euch übe ? wenn ich vielleicht einen Augenblick Eures Lebens in die Farbe der Rosen tauche ? « - » Versucht ' s ! « sprach Dagobert : » Wählt gleich den jetzigen Augenblick , in dem ich der Erheiterung bedarf . « - » So entrunzelt Eure Stirne ! Dem Manne , der liebt , und sich der heftigsten Gegenliebe erfreut , ziemt der düstre Unmuth nicht . « - » Gutes Mühmchen ! Ihr wißt um meine seltsame Liebschaft ; es ist wahr . Was soll diese aber hier ? Ihr Gedächtniß könnte meinen Unmuth mehren . « - » Nicht so finster ! « äußerte Fiorilla , neckend drohend : » Der Liebende hört ja doch sonst mit voller Seele den Werth seines Liebchens von fremden Zungen preisen . Machtet Ihr hier eine Ausnahme ? Ich glaube nicht . So wißt denn , daß ich Euch belobe ob der Wahl , die Ihr getroffen . « - » Ihr ? « fragte Dagobert befremdet : » Wie könnt ihr wissen ? « - » Erinnert Ihr Euch noch jener Nacht , in der Ihr , des Bedürfnisses voll , eine Vertraute Eurer kleinen Geheimnisse zu haben , unter mein Fenster kamt , und mir mit überströmender Freude erzähltet , Euer Lieb von Frankfurt befinde sich zu Costnitz , ... Ihr hättet sie gesehen ... gesprochen ? ... « - » Recht wohl entsinne ich mich des Abends , von dem Ihr sprecht ; denn kaum der Wochen dreie sind seitdem verstrichen ; wie aber jene Kunde sich mit dem Beginn Eurer Rede reimt ..... « - » Das begreift ihr nicht ? Kurzsichtiger ! Ihr kennt die Wißbegier der Frauen nicht . Diejenige zu schauen , deren Reize Euch unempfindlich gemacht hatten gegen meine Freundlichkeit , ließ ich mich die Mühe nicht verdrießen , das holde Judenkind aufzusuchen . Bald entdeckte ich dessen Aufenthalt . Der Vorwand , italienisch Geld gegen deutsche Münze umzutauschen , führte mich beim Vater ein ; meine Jugend und Schmeichelei machte mich der Tochter angenehm , - das Vorgeben : ich sey noch , was ich einst war , - ihre Glaubensverwandte - machte dem Vater meinen öftern Besuch bei der einsamen Tochter wünschenswerth ; und mein offnes Bekenntniß von meinem Übertritt und meinen ziemlich nahen Beziehungen zu Euch , gewann mir das unumschränkte Vertrauen Esthers ! « - » Ists möglich ? « rief Dagobert : » und ich ahnte nicht ? .... « - » Warum kamt Ihr nicht mehr in Ben Davids Haus ? « fragte Fiorilla : » Oft schlich ich mich von hier weg , um Euch an Esthers Seite zu erwarten . Oft harrte ich auf einen abermaligen Abendbesuch unter meinem Kammerfenster , um Euch von dem Gesagten in Kenntniß zu setzen . Esther und ich , wir harrten umsonst . Grausamer ! wer wollte kalt an solchem Schatze vorübergehen , und seiner nicht begehren , nicht um ihn sich bewerben ? Welch eine Fülle von Reizen , die ich neidisch bewundre , aber auch welch ein Reichthum von Tugenden , liegt in diesem Wundermädchen verborgen ! Ihr kennt die Blüthe nicht , nach welcher Euer Auge lüstern sah , von welcher sich jedoch die Hand scheu entfernte . Das Vorurtheil ist in Euer Herz eingewachsen , wie sich der stumpfe Splitter öfters in der Wunde vernarbt . Ihr liebt in dem reizenden Geschöpfe sein Geschlecht ; Ihr haßt in ihm sein Volk . Welch unendliche Liebe fühlt Esther für Euch ! wie lohnt Ihr dieselbe durch schroffes Verschmähen ! Ich habe des Mädchens Leidenschaft durchschaut ; ich bewundere schaudernd den Abgrund dieser stammenden Neigung , wie sie nur die glühende Sonne des Mittags erzeugt . Esther gleicht dem lodernden Brande ; Ihr der abreisenden Eisklippe . Esther könnte Jahrelang für Euch sterben ... Ihr wagt es nicht nur einen Augenblick für sie zu leben ! « - Erschüttert schwieg Dagobert , als Fiorilla geendet hatte . » Eure Gleichnisse sind übel gewählt