Geiersteins - noch einmal breite ich die Arme aus wie Adlersflügel , mich dort hinzuschwingen , wo ein süßer Zauber waltete , wo jene Liebe , die nicht in Raum und Zeit bedingt , die ewig ist wie der Weltgeist , mir aufging in den ahnungsvollen Himmelstönen , die die dürstende Sehnsucht selbst sind und das Verlangen ! - Ich weiß es , dicht vor meiner Nase setzt sich ein Teufelskerl von hungrigem Opponenten hin , der nur opponiert des indischen Gerstenbrots halber , und fragt mich höhnisch , ob es möglich sei , daß ein Ton dunkelblaue Augen haben könne . Ich führe den bündigsten Beweis , daß der Ton eigentlich auch ein Blick sei , der aus einer Lichtwelt durch zerrissene Wolkenschleier hinabstrahle ; der Opponent geht aber weiter und frägt nach Stirn , nach Haar , nach Mund und Lippen , nach Armen , Händen , Füßen und zweifelt durchaus mit hämischem Lächeln , daß ein bloßer purer Ton mit diesem allem begabt sein könne . - O Gott , ich weiß , was der Schlingel meint , nämlich nichts weiter , als daß , solange ich ein glebae adscriptus sei , wie er und die übrigen , solange wir alle nicht bloß Sonnenstrahlen fräßen und uns manchmal noch auf einen andern Stuhl setzen müßten als auf den Lehrstuhl , es mit jener ewigen Sehnsucht , die nichts will als sich selbst und von der jeder Narr zu schwatzen weiß - Meister ! ich wünschte nicht , daß Ihr auf die Seite des hungrigen Opponenten trätet - es würde mir unangenehm sein . - Und sagt selbst , könnte Euch wohl eine einzige vernünftige Ursache dazu treiben ? - hab ' ich jemals Hang gezeigt zu trister Sekundanernarrheit ? - Ja , hab ' ich , zu reifen Jahren gekommen , mich nicht stets nüchtern zu erhalten gewußt , hab ' ich etwa jemals gewünscht , ein Handschuh zu sein , bloß um Julias Wange zu küssen , wie Vetter Romeo ? - Glaubt es nur , Meister , die Leute mögen auch sagen , was sie wollen , im Kopf trag ' ich nichts als Noten und im Gemüt und Herzen die Klänge dazu , denn , alle Teufel ! wie sollt ich sonst imstande sein , solche manierliche , bündige Kirchenstücke zu setzen , als die Vesper es ist , die da eben vollendet auf dem Pulte liegt . - Doch - schon wieder war es um die Historie geschehen - ich erzähle weiter . Aus der Ferne vernahm ich den Gesang einer kräftigen Männerstimme , der sich immer mehr und mehr näherte . Bald gewahrte ich denn auch einen Benediktiner-Geistlichen , der , auf dem Fußsteig unterwärts fortwandelnd , einen lateinischen Hymnus sang . Nicht weit von meinem Platze stand er still , hielt inne mit dem Singen und schaute , indem er den breiten Reisehut vom Kopfe nahm und sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirne trocknete , in der Gegend umher , dann verschwand er ins Gebüsch . Mir kam die Lust an , mich zu ihm zu gesellen , der Mann war mehr als wohlgenährt , die Sonne brannte stärker und stärker , und so konnt ' ich wohl denken , daß er ein Ruheplätzchen gesucht haben würde im Schatten . Ich hatte mich nicht geirrt , denn in das Gebüsch tretend , erblickte ich den ehrwürdigen Herrn , der sich auf einen dick bemoosten Stein niedergelassen hatte . Ein höheres Felsstück dicht daneben diente ihm zum Tisch ; er hatte ein weißes Tuch darüber ausgebreitet und holte eben aus dem Reisesack Brot und gebratenes Geflügel hervor , das er mit vielem Appetit zu bearbeiten begann : Sed praeter omnia bibendum quid , so rief er sich selbst zu und schenkte aus einer Korbflasche Wein ein in einen kleinen silbernen Becher , den er aus der Tasche hervorgezogen . Eben wollte er trinken , als ich mit einem Gelobt sei Jesus Christ ! zu ihm hintrat . Mit dem Becher an den Lippen schaute er auf , und ich erkannte im Augenblick meinen alten gemütlichen Freund aus der Benediktiner-Abtei zu Kanzheim , den ehrlichen Pater und Präfektus Chori Hilarius . In Ewigkeit ! stammelte Pater Hilarius , indem er mich mit weit aufgerissenen Augen starr anblickte . Ich dachte sogleich an meinen Kopfputz , der mir vielleicht ein fremdes Ansehen geben mochte , und begann : O mein sehr geliebter würdiger Freund Hilarius , haltet mich nicht für einen verlaufenen vagabundierenden Hindus , auch nicht für ein auf den Kopf gefallenes Landeskind , da ich doch nun einmal nichts anderes bin und sein will , als Euer Intimus , der Kapellmeister Johannes Kreisler ! - Beim heil ' gen Benedikt , rief Pater Hilarius freudig , ich hatte Euch gleich erkannt , herrlicher Kompositor und angenehmer Freund , aber per diem sagt mir , wo kommt Ihr her , was ist Euch geschehen , Euch , den ich mir in floribus dachte am Hofe des Großherzogs ? Ich nahm gar keinen Anstand , dem Pater kürzlich alles zu erzählen , was sich mit mir begeben , und wie ich genötigt gewesen , dem , dem es beliebt , nach mir , wie nach einem aufgestellten Ziel , Probeschüsse zu tun , meinen Stockdegen in den Leib zu stoßen , und wie besagter Zielschießer wahrscheinlich ein italienischer Prinz gewesen , der Hektor geheißen , wie mancher würdige Pirschhund . - Was nun beginnen , zurückkehren nach Sieghartsweiler oder - ratet mir , Pater Hilarius ! So schloß ich meine Erzählung . - Pater Hilarius , der manches - Hm ! - so ! - ei ! - heiliger Benedikt - dazwischen geworfen , sah jetzt vor sich nieder , murmelte : Bibamus ! und leerte den silbernen Becher auf einen Zug . Dann rief er lachend : In der Tat , Kapellmeister , der beste Rat , den ich Euch fürs erste erteilen kann , ist , daß Ihr Euch