stützte sich auf den Tisch , an dem sie stand – ihre Hand zitterte , aber ihr Antlitz trug die Ruhe eines unabänderlichen Entschlusses . » Und wenn es wirklich zum Aeußersten kommt , so werfe ich mich dazwischen , « sagte sie mit zuckenden Lippen . » Seine Mutter läßt ihn kalt und gleichgültig der Gefahr entgegengehen – ich werde ihn retten . « – Die Grenzförsterei lag , wie schon erwähnt , nur eine halbe Stunde von der Grenze entfernt , mitten in den dichtesten Waldungen Wiliczas . Das ziemlich große und stattliche Forsthaus war von dem verstorbenen Nordeck erbaut worden , der es mit nicht unbedeutenden Kosten hatte aufführen lassen ; trotzdem sah es wüst und verfallen aus , denn seit zwanzig Jahren war nicht das geringste zu seiner Erhaltung geschehen , weder von seiten der Herrschaft noch von seiten der Bewohner . Der jetzige Förster verdankte seine Stellung ausschließlich dem Einfluß der Fürstin Baratowska , die den Tod seines Vorgängers benutzt hatte , um einen ihrer Günstlinge in den Posten einzuschieben , Osiecki hatte ihn schon seit drei Jahren inne , und seine nur allzu häufigen Uebergriffe , wie seine ziemlich nachlässige Verwaltung der ihm anvertrauten Stellung , wurden von der Gebieterin vollständig übersehen , weil diese wußte , daß der Förster ihr persönlich mit Leib und Seele ergeben war , und daß sie unter allen Umständen auf ihn rechnen konnte . Im Anfang war Osiecki mit seinem Herrn wenig in Berührung gekommen und hatte sich im ganzen dessen Anordnungen gefügt . Waldemar selbst kam nur äußerst selten nach der einsamen und abgelegenen Grenzförsterei ; erst seit den letzten Wochen hatten die wiederholten Streitigkeiten zwischen den Forstleuten und dem an der Grenze stationierten Militär sein Einschreiten veranlaßt . Man befand sich noch immer wie mitten im Winter . Der Wald und das Forsthaus lagen tief verschneit im trüben Licht eines grauen verschleierten Himmels . In dem großen Zimmer des Erdgeschosses befand sich der Förster mit all seinen Leuten , drei oder vier Forstgehilfen und einigen Knechten . Sie hatten sämtlich die Flinten über die Schulter geworfen und warteten augenscheinlich auf das Erscheinen ihres Gutsherrn , aber nach Gehorsam und einem friedlichen Verlassen der Försterei , wie Waldemar es anbefohlen , sah die Sache nicht aus . Die finstern trotzigen Gesichter der Leute verhießen nichts Gutes , und das Aussehen des Försters rechtfertigte vollends die Voraussetzung , daß er » zu allem fähig sei « . Diese Menschen , die tagaus tagein in der Einsamkeit ihrer Wälder lebten , nahmen es schwerlich genau mit dem , was Gesetz und Ordnung von ihnen verlangten , und Osiecki zumal war dafür bekannt , daß er seiner Willkür einen nur allzu weiten Spielraum ließ . Trotzdem war die Haltung aller für den Augenblick eine ehrerbietige , denn vor ihnen stand die junge Gräfin Morynska . Sie hatte den Mantel zurückgeworfen , das schöne blasse Antlitz verriet nichts mehr von den Kämpfen und Qualen , die es noch vor wenig Stunden durchwühlt hatten , nur ein strenger , kalter Ernst lag jetzt darauf . » Ihr habt uns in eine schlimme Lage gebracht , Osiecki , « sagte sie . » Ihr solltet dafür sorgen , daß die Försterei möglichst unverdächtig und unbeachtet bliebe . Statt dessen sucht Ihr Streit mit den Patrouillen und gefährdet uns alle durch Eure Unbesonnenheit . Die Fürstin ist sehr unzufrieden mit Euch ; ich komme in ihrem Namen , um Euch nochmals und mit vollstem Nachdruck jeden Gewaltschritt zu verbieten , sei es gegen wen es sei . Für den Augenblick habt Ihr Euch zu fügen . Euer eigenmächtiges Vorgehen hat schon Unheil genug angerichtet . « Der Vorwurf machte offenbar Eindruck auf den Förster . Er sah zu Boden , und in seiner Stimme klang etwas wie Entschuldigung , als er mit einem Gemisch von Trotz und Reue antwortete : » Es ist nun einmal geschehen . Ich habe meine Leute diesmal nicht halten können und mich selber auch nicht . Die Frau Fürstin und die gnädige Gräfin sollten nur wissen , wie es thut , hier Tag für Tag an der Grenze still zu liegen , während drüben gekämpft wird , die Soldatenwirtschaft mit anzusehen und sich nicht rühren zu dürfen , obgleich man die geladene Büchse in der Hand hat . Da reißt schließlich jedem die Geduld , und uns ist sie vorgestern gerissen . Wüßte ich nicht , daß wir hier notwendig sind , wir wären allesamt längst drüben bei den Unsrigen . Fürst Baratowski steht nur zwei Stunden von der Grenze ; der Weg zu ihm ist nicht schwer zu finden . « » Ihr bleibt ! « entgegnete Wanda mit Entschiedenheit . » Ihr kennt den Befehl meines Vaters . Er will die Försterei unter allen Umständen behauptet wissen , und dazu seid Ihr uns notwendiger hier , als drüben im Kampf . Fürst Baratowski hat Leute genug zu seiner Verfügung . Aber jetzt zu der Hauptsache – Herr Nordeck kommt noch heute . « » Jawohl ! « sagte der Förster höhnisch , » Er will sich selbst Gehorsam schaffen , hat er gesagt . Wir sollen ja nach Wilicza hinüber , wo er uns fortwährend unter Augen hat , wo wir uns nicht rühren können , ohne daß er hinter uns steht und uns auf die Finger sieht – ja , befehlen kann der Nordeck viel , es ist nur die Frage , ob sich in jetziger Zeit noch einer findet , der ihm gehorcht . Er soll nur gleich ein ganzes Regiment Soldaten mitbringen , wenn er uns aus der Försterei treiben will , sonst möchte die Sache schlimm genug ablaufen . « » Was wollt Ihr damit sagen ? « fragte die junge Gräfin langsam . » Vergeßt Ihr , daß Waldemar Nordeck der Sohn Eurer Herrin ist ? « » Fürst Baratowski ist ihr Sohn und unser Herr , « brach der Förster los . » Und eine Schande ist ' s , daß