Ellida ‘ ist segelfertig ; morgen reisen wir nach dem Hafen ab , und wenn wir aus Westindien zurückkehren , hast Du Dir die Liebesgeschichte aus dem Sinne geschlagen , und die Annunziata hat inzwischen einen Andern genommen – “ „ Das wird sie bleiben lassen , “ fuhr Jonas wüthend auf . „ Ich bringe mich um und sie dazu , wenn sie mir so etwas anthut . “ „ Willst Du das Umbringen nicht auch auf mich ausdehnen ? “ fragte Hugo kaltblütig . „ Du scheinst mir ganz in der Laune dazu . Bis zum Küssen bist Du gekommen , das steht fest . Ich habe es mit diesen meinen Augen sehen müssen , wie der Matrose Wilhelm Jonas von der ‚ Ellida ‘ ein Frauenzimmer geküßt hat , und ich dächte , mit dieser haarsträubenden Thatsache wäre Alles zu Ende . „ Bewahre , “ sagte Jonas trotzig . „ Damit fängt es erst an – jetzt kommt das Heirathen . “ „ Heirathen willst Du auch noch ? “ fragte der Capitain im Tone der tiefsten Empörung . „ Ein Frauenzimmer willst Du heirathen ? Aber so bedenke doch , Jonas , daß die Frauenzimmer an allem Schlimmen schuld sind , daß alles Unheil auf der ganzen Welt nur von ihnen stammt , daß der Mann nur Ruhe und Frieden hat , wenn er fern von ihnen ist , daß – “ „ Herr Capitain , “ erwiderte ihm der Matrose , der gegen allen Respect seinem Herrn mitten in die Rede fiel , als er seine eigenen Worte aus dessen Munde vernahm . „ Herr Capitain – ich war ein Dummkopf . “ „ So ? Deine Annunziata scheint Dir bereits einen hohen Grad von Selbsterkenntniß beigebracht zu haben , und das ist um so bewundernswerther , als die Sprache in Eurem Verkehre nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt . Deine Auserkorene spricht das Deutsche noch herzlich schlecht , und Du hast vom Italienischen nicht viel mehr als ihren Namen begriffen . Freilich , ich habe ja vorhin gesehen , wie vortrefflich Ihr Euch zu helfen wißt . Eure Conjugation des ‚ amare ‘ war , wenn auch nicht gerade grammatikalisch richtig , doch äußerst verständlich . “ „ Ja wohl , wir wissen uns zu helfen , “ sagte Jonas voll Selbstgefühl . „ Wir verstehen uns überhaupt immer , und in der Hauptsache haben wir uns gleich verstanden . Ich habe sie gern , sie will mich , und wir heirathen einander . “ „ Punctum ! “ vollendete Hugo . „ Und was wird unter so bewandten Umständen aus unserer Abreise ? “ „ Nach Westindien gehe ich noch mit , Herr Capitain , “ versicherte Jonas eifrig . „ So über Hals und Kopf können wir doch nicht heirathen und meine Braut bleibt indeß bei der jungen Frau Almbach , die versprochen hat , für sie zu sorgen . Wenn ich aber zurückkomme , dann , meint Annunziata , müßte das Seefahren ein Ende nehmen . Sie meint , wenn sie einen Mann nähme , dann müßte er auch bei ihr bleiben und nicht jahrelang auf allen möglichen Meeren umhersegeln . Wir könnten ja irgendwo eine kleine Gastwirthschaft anlegen , dann wäre ich nicht so weit von der See entfernt und hätte immer noch Verkehr mit meinen Cameraden – meint Annunziata . “ „ Deine Annunziata scheint sehr viel zu meinen , “ bemerkte der Capitain . „ Und Du fügst Dich als bekehrter Weiberfeind und gehorsamer Bräutigam natürlich unbedingt dieser ‚ Meinung ‘ Deiner Zukünftigen . Für diese Fahrt also soll die ‚ Ellida ‘ noch die Ehre haben , Dich zu ihrer Besatzung zählen zu dürfen ? Später hat sie sich einen andern Matrosen zu suchen und ich mir einen andern Diener ? “ „ Ja , später freilich , “ sagte Jonas kleinlaut . „ Wenn nicht – wenn Sie nicht auch – Herr Capitain – Sie sollten doch lieber auch heirathen . “ „ Bleib ’ mir vom Leibe mit Deinen Vorschlägen ! “ rief Hugo , ärgerlich auffahrend . „ Ich dächte , es wäre vorläufig genug , daß Du unter den Pantoffel geräthst . Jetzt packe die Koffer und nimm Abschied von Deiner Annunziata ! Denn morgen in aller Frühe geht es fort . Ich – habe auch noch Abschied zu nehmen . “ Die letzten Worte klangen so eigenthümlich gepreßt , daß Jonas verwundert aufschaute . Er wußte , daß es nicht die Art seines Herrn war , sich den Abschied irgendwo und irgendwie schwer zu machen , und doch hörte sich das an , als werde ihm das Lebewohl diesmal recht von Herzen schwer . Zum Glück befand sich der Matrose in der gleichen Lage ; deshalb grübelte er nicht viel nach , sondern machte sich an das Einpacken , während Hugo nach den Zimmern hinüberging , die jetzt seine Schwägerin bewohnte . Einige Minuten stand er regungslos vor der geschlossenen Thür , als wage er es nicht einzutreten ; dann auf einmal legte er wie mit einem plötzlichen Entschluß die Hand auf den Drücker und öffnete . Ella saß am Schreibtisch . Sie war allein und im Begriff , einen soeben vollendeten Brief zu schließen , als ihr Schwager eintrat und sich ihr rasch näherte . „ Haben Sie sich in Deutschland angemeldet ? “ fragte er , auf den Brief deutend , „ Consul Erlau wird ganz H. aufrührerisch machen mit seiner Verzweiflung darüber , daß er ohne Sie und den Kleinen zurückkehren muß . “ Die junge Frau legte die Feder bei Seite und stand auf . „ Es thut mir weh , daß der Onkel sich so unendlich schwer in die Trennung findet , “ entgegnete sie . „ Ich habe bereits nach Kräften für einen Ersatz gesorgt und brieflich eine seiner Verwandten gebeten , meine Stelle in seinem Hause einzunehmen , da mich jetzt andere Pflichten rufen . Seinen Wunsch , mich nach H. zu begleiten und