, welches wir ihm zur Last legen . « » Du hast recht , Junge , es geht nicht , es geht nicht , « versetzte der Oberstlieutenant , indem er , wie entkräftet , auf feinen Platz zurücksank , » und dann Johanna , bedenke Johanna , die in ihrer unglücklichen , religiösen Ueberspanntheit ihr ganzes Heil allein von seinen verdammten Lehren erwartet . Welche Folgen könnte es für sie haben , erführe sie , daß er – daß er – « » Sprechen Sie es aus , Herr Oberstlieutenant , « fügte ich zähneknirschend hinzu , » sprechen Sie es ohne Rückhalt aus : erführe Johanna , daß der Herr Bernhard ein Schurke , ein Gotteslästerer fei , der nur nach einem tief angelegten , verbrecherischen Plan handelte . Mein Lebensglück hat der Verräther zerstört , indem er Johanna an den Rand des Grabes brachte , und ich habe nichts mehr zu verlieren . Aber eine Aufgabe bleibt mir noch , eine heilige Aufgabe , nämlich meine Hand in das Blut des Schurken und seines Mitschuldigen zu tauchen , in ihren letzten Lebensaugenblicken ihre Verbrechen aufzuzählen und ihnen in die ersterbenden Ohren zu schreien . « » Du wirst das nicht thun , mein Sohn , « sagte der Oberstlieutenant entschieden , » Du wirst das nicht thun , wenn Dir die letzten Wünsche Deines greisen Vormundes noch etwas gelten . Ziehe hin in Frieden , gründe Dir in fernen Landen eine neue Heimath und gönne mir den Trost , Deiner als eines braven , von keiner unedlen Handlung besudelten Mannes gedenken zu dürfen . « Ich schwieg , aber mein Entschluß , blutige Vergeltung zu üben , war noch nicht erschüttert , und um einen klaren Blick in Bernhard ' s verderbliches Gewebe zu gewinnen , bat ich den Oberstlieutenant , mir zu erzählen , wie Johanna ' s trauriger Seelenzustand seinen Anfang genommen , und welchen Ursachen es vorzugsweise zuzuschreiben sei , daß die verheerende Krankheit mit so rasender Schnelligkeit um sich gegriffen und ihre Gesundheit unheilbar zerstört habe . Der Oberstlieutenant , als ob es ihm lieb gewesen sei , sich ausschließlich mit der Vergangenheit beschäftigen zu können und dadurch andern auf ihn einstürmenden , peinigenden Gedanken zu entgehen , begann ohne zu zögern : » Welch harter Schlag für uns Alle die Nachricht war , daß Du als Hochverräther verhaftet worden seift , um einem schmachvollen Loose entgegenzugehen , brauche ich Dir nicht zu schildern . Ich sah die schönsten Hoffnungen , die ich noch am späten Abend meines Lebens hegen durfte , durch Deinen unverantwortlichen Leichtsinn zerstört und betrachtete daher , wie es für einen Mann von loyalen Gesinnungen nicht anders möglich , jede fernere Verbindung zwischen uns auf ewig abgebrochen . Meine gute Lisette dachte ähnlich , doch hob sie Deine guten Eigenschaften hervor und behauptete , daß es nie so weit gekommen wäre , wenn Du über Religionssachen nicht so leichtfertig geurtheilt und Dir einen richtigen Begriff über das ewige Leben angeeignet hättest . « » Du kennst ihre schwache Seite , sie hält viel auf Ohrenbeichte und Messen , und nur ihre hingebende Liebe zu mir war Ursache , daß es während unsers langen , glücklichen Ehestandes nie weiter , als zu einigen harmlosen Plänkeleien kam , bei welchen ich , da ich mich jedesmal festredete , stets den Kürzeren zog . « » Anders , als wir Beide , « dachte Johanna . » Das liebe Kind , obwohl in tausend Aengsten , tadelte Dich und Deine Handlungen nicht nur nicht , sondern pries dieselben sogar als Beweise Deines edlen Charakters . Händeringend beschwor sie mich , Dir zur Flucht behülflich zu sein , und nicht eher beruhigte sie sich einigermaßen wieder , als bis ich , von ihrem Jammer überwältigt , heilig versprach , ihre paar Tausend Thaler zu Bestechungen und wer weiß was sonst noch zu verwenden und Dir aus den Weg nach Amerika zu helfen . Ursprünglich war meine Absicht , Dich zur Strafe für Dein Vergehen noch etwas länger warten zu lassen , dann die Gnade des Königs für Dich anzurufen , und erst wenn dies fehlschlagen sollte , zu andern Mitteln meine Zuflucht zu nehmen . « » Eh ' ich über das Wie und Wann der Erfüllung meines an Johanna gegebenen Versprechens mit mir im Reinen war , trat ein Umstand ein , der alle unsere Pläne wieder umstieß . « » Zu den Plänen gehörte nämlich , daß Johanna mit Dir in irgend einer Hafenstadt zusammentreffen und als Deine Dir angetraute Frau Dich in ' s Ausland begleiten wollte . – Armes , armes Kind , nie hatte ich Dir so viel Muth zugetraut ! « » Eines Tages also , es mochte ungefähr acht Wochen nach Deiner Verhaftung sein , trat Johanna hastig in meine Stube . Ihre Augen waren verweint , ihre Locken zerrauft , ihr Gesicht glühte und dabei zitterte sie dergestalt , daß sie sich kaum aufrecht zu halten vermochte . « » Onkel ! rief sie laut aus und ihre Augen waren so starr auf mich gerichtet , daß es mich förmlich erschreckte , wie sind meine Eltern gestorben ? « » Deine Eltern ? fragte ich verwirrt zurück , denn gerade diese Frage hätte ich am allerwenigsten erwartet ; Deiner Mutter mußt Du Dich noch erinnern können , fügte ich dann hinzu , und Dein Vater starb , als Du noch ein ganz kleines Kind warst . Aber was soll das , wie kommst Du daraus ? « » Onkel , Du verschweigst mir etwas , wohlan , so will ich es Dir sagen ! fuhr sie mit einer Heftigkeit fort , die ich noch nie an ihr bemerkte , noch für möglich gehalten hätte . Meine Mutter hat sich an meinen ! Vater versündigt und mein Vater hat Hand an sich selbst gelegt ! Ich bin die Tochter einer Sünderin und eines Selbstmörders , und meine Eltern schmachten in der ewigen Verdammniß , während ich