“ fragte er . „ Sehr gut ! Er ist aber auch sehr teuer . “ „ Ist die Rechnung dabei ? “ „ Hier ist sie ! “ „ O , es ist nicht so schlimm , Hecht ist auch der eleganteste Schneider der Stadt . “ Ein bitterer Zug spielte um den Mund der Pro ­ fessorin und sie konnte sich nicht enthalten zu sagen : „ Wenn ich denke , daß Du mir neulich den so notwendigen Schal weigertest , der die Hälfte kostete und — “ „ DeineToiletten wandern in die Apotheke , meine Gute “ , versetzte Herbert giftig . „ Meine Toiletten ! “ wiederholte die Frau , „ wenn Du je mit mir ausgehen müßtest , Du würdest Dich meiner schämen , so dürftig ist meine Kleidung . “ „ Von einer kränklichen Frau , deren Pflege den Gatten Summen kostet , fordert Niemand großen Luxus ! “ Frau Herbert sah ihren Mann mit einem ein ­ zigen , unbeschreiblichen Blicke an — aber sie schwieg . Eine Minute lang bog sie den müden Kopf an die harte , steife Stuhllehne zurück , sie hielt jedoch die schlechte Lage nicht aus und nahm dann ihre Arbeit wieder auf . Auch dabei kam ihr eine schmerzliche Erinnerung , wie der Arzt ihr dringend einen bequeme ­ ren Sessel angeraten hatte , um in aufrechter Stellung schlummern zu können , wie aber auch dies kleine Opfer gleich allen andern verweigert worden war ! — Da ging die Tür auf und herein flog , flatterte , rauschte ein Wesen : halb Kind , halb alte Jungfer , halb Schmetterling , halb Fledermaus . Um ihr Haupt wogte wild eine Fülle mattblonder Locken . Eine breite Stumpfnase gab ihrem Gesicht etwas Naives , Jugendliches , was der lüsterne verschmitzte Ausdruck ihrer enggeschlitzten Augen und ihrer farblosen eingefallenen Wangen Lügen strafte . Ebenso glichen ihre kurzen , weit auseinanderstehenden Zähnchen denen eines acht ­ jährigen Kindes , welches eben erst geschichtet hat , wäh ­ rend die Falten um die schmalen , aber stets weit ge ­ öffneten Lippen auf ein Alter von einigen dreißig Jahren hinwiesen . Das Körperchen , auf welchem der seltsame Kopf mit der ungeheuern Lockenmähne saß , war zart und schmächtig , wie das eines halbwüchsigen Mädchens , die Hände klein , aber runzelig , wie die einer Greisin . Ihr Anzug bestand in leichten , fliegen ­ den Gewändern , — von ihrem runden Strohhut wallten hellbraune lange Bänder hernieder . Gang , Sprache , Haltung waren leicht , schäkernd sylphenhaft ! Es ergab sich auf den ersten Blick , daß sich dieses Wesen hochpoetisch , hochbegabt , reizumflossen fühlte und daß , wenn es auch in Wirklichkeit einige Dreißig alt war , es doch nur sechszehn Jahre sein wollte ! — Solch ein Geschöpf ist nur denkbar mit einer Noten ­ - oder Zeichenmappe in der Hand und einem mystischen Naturgesetz zufolge fehlte ihr dieselbe auch nicht . — „ Brüderchen ! “ rief sie auf Herbert zugaukelnd , „ wie schön Du bist in dem neuen Fräckchen ! Ei , ei ! Ziehst Du ’ s heute Abend ins Kränzchen an zu Möllners ? Ja ? “ Sie legte trällernd ihre Mappe , Hut und Handschuhe ab . „ Jufallera , jufallera ! Ach ich bin heute so vergnügt , ich möchte nur singen , gar nicht mehr sprechen . “ Dann stimmte sie den Refrain des reizenden Taubert ’ schen Liedes an : „ Weiß nicht , weiß nicht — ich muß nun einmal singen ! “ 39 Da fiel ihr ein , daß sie die Gattin ihres Bruders noch nicht begrüßt hatte . „ O , liebe Ulrike , verzeih ’ , daß ich Dich nicht gefragt , wie es Dir geht ! Noch nicht besser ? O ! Ach , Deine Elsa ist heute wieder so mächtig er ­ regt — es ist mir so — ich weiß nicht ! Es flutet und wogt in meinem Busen , so — so maienhaft ! Ich muß schnell an die Arbeit — heute — ich fühl ’ s — in dieser Stimmung werd ’ ich etwas schaffen ! “ Und mit diesen Worten wollte sie zu den selige ­ ren Gefilden ihres eigenen Zimmers entschweben , als Herbert , der mittlerweile seinen Frack gegen ein weißes Sommerröckchen vertauscht hatte , sie zurückrief : „ So bleib ’ doch und laß ein vernünftiges Wort mit Dir reden . “ Sie blieb stehen . „ Was willst Du denn eigentlich schaffen ? Man kann Dich ja nie Dir selbst überlassen . “ Sie hüpfte zu dem Bruder und legte neckisch den Fin ­ ger auf den Mund , ihm mit Schelmerei in die Augen schauend : „ Brüderchen , ich werde Dich überraschen ! Ich habe eine Idee ! “ „ Sei so gut und laß die Albernheiten , Du wirst wohl nicht mit Deinem eigenen Bruder kokettieren wollen . Sag ’ mir , welche Idee Du hast , es wäre die erste brauchbare , die in Deinem Kopfe entstanden ! “ „ O Du ungalanter Bruder , Du ! “ schmollte die lieblich Erzürnte , „ Deinem Schwesterchen so weh zu tun ! Doch wenn Du befiehlst , so will ich gehorchen und Dich in das stille Walten einer Dichter- und Malerseele blicken lassen . Ist doch Gehorsam die süße Pflicht , in der sich jedes Mädchen üben muß , damit es dereinst einen Gatten glücklich machen kann . “ „ Nun also zur Sache ! “ rief Herbert ungeduldig . Elsa schlug verschämt die Augen nieder und stam ­ melte in reizender Künstlerschüchternheit errötend : „ Professor Möllner sagte neulich scherzhaft zu mir , als ich ihn fragte , welche Schriftstellerin ihm die liebste sei : , Diejenige , welche das beste Kochbuch schreibe ! ’ So will ich denn dem bösen Schäker zei ­ gen , daß ich auch das kann . — O , er wird staunen