– „ Gott sei Lob und Dank ! “ „ Kinders , “ sagte sie mit verschmitztem Lachen , „ ihr müßt heut ’ noch warten , Vater hat noch keine Zeit , aber dafür kriegt ihr auch ganz was Apartes zum Heiligen Christ . Die Kinder machten erwartungsvolle Gesichter und fügten sich , vorläufig interessierte sie die Zubereitung der Karpfen . Aber das Wasser brodelte längst auf dem Herde und noch immer war eine Totenstille im Hause . Da riß Karoline die Geduld . „ Nu kommt , Kinders – was zu doll is , is zu doll ! Es soll doch einer über so ’ n bißchen Liebesglück nich seine leibhaftigen Würmer am heiligen Weihnachtsabend vergessen ! “ Und umringt von ihnen , schritt sie zur Thür der Stube des Herrn Oberförsters und klopfte mit hartem Finger , und Hermann donnerte mit den Fünften dagegen . „ Vater ! Vater ! “ schrieen die Mädchen , „ es ist beinah ’ Acht ! “ „ Herein ! scholl es , und da stürmten sie hinein , und mit Ausnahme von Karoline , die ja nicht mehr überrascht werden konnte , blieben sie mit offenem Mund und starren Augen stehen . Da saß der Vater auf dem Sofa und neben ihm , ganz rot , ganz verweint und doch lächelnd , ihre Hand in des Vaters Hand , ihren Kopf an seiner Schulter , die Tante – die Tante Hede . Und Karoline flüsterte dem Mariechen etwas ins Ohr und verschwand dann , die Thür hinter sich zuziehend . Das Kind stand noch einen Augenblick , dann lief es zu Hede . die es lachend und weinend auf den Schoß hob . „ Ist ’ s wahr , daß du meine Mama wirst ? “ „ Ja ! Ja ! Kommt her ! “ rief der Oberförster . „ Die Tante will es , sie will bei uns bleiben – das schenke ich euch zu Weihnachten , Kinder , eine neue Mama , eine Mutter ! Und er stand auf und hob seinen Jungen empor und setzte ihn neben Hedwig , und dann zog er seine Aelteste heran . „ Dir hat sie am meisten gefehlt , Große , freust du dich denn auch ? “ Das Kind aber barg den Kopf an des Vaters Brust und fing an zu weinen . „ Ich hab ’ mir ’ s doch schon zum Geburtstag gewünscht , “ sagte sie . „ Und nun hört ! Heute abend bringt das Christkind euch nichts , ich will Tante Hede hinaufbegleiten , sie muß ihrem Bruder erzählen , daß sie eure Mutter werden will . Aber morgen , dann zünden wir beide euch den Baum an . Ihr werdet nachher recht vergnügt und artig zu Bette gehen und euch auf morgen freuen . In Anbetracht der neuen Mama wurde die hinausgeschobene Christbescherung genehmigt , und nach einigen Minuten gingeu Oberförster Günther und Hede Kerkow nebeneiuander durch die Dunkelheit der heiligen Nacht . Droben im Erker brannte das einsame Lichtlein wie immer , im Doktorhause war alles dunkel , nur über ihnen flammten die Sterne , diese ewigen Weihnachtslichter . Er hatte ihre Hand genommen und atmete hörbar . „ Hede , sagte er gepreßt , „ mir ist , als habest du Schweres zu überstehen heute – dein Bruder – „ Sei ohne Sorgen – er braucht mich nicht , “ antwortete sie . Aber auch ihr klopfte das Herz . Dann nahmen sie Abschied für heute abend . „ Ich danke dir ! Ich danke dir , “ sagte er leise , „ mögest du es nie bereuen ! “ „ Ich danke dir , “ antwortete sie hell und fröhlich . Du weißt nicht , du weißt ja nicht , wie arm und heimatlos ich war , wie reich ich jetzt bin wie lieb ich dich habe ! “ Er wollte sie an sich ziehen , aber sie hielt ihn zurück . „ Mehr als du mich ! setzte sie leise hinzu , „ viel mehr ! “ „ Nein ! “ sagte er . „ Wirklich ? “ „ Ja , Hedwig ! Ich habe dir ja alles gebeichtet , du vermagst dir nicht vorzustellen wie ich mich nach dir gesehnt habe , all die Zeit her . „ Aber – ? “ . Sie wandte den Kopf und sah bang zu dem dunklen Hause hinunter , in dem sie Aenne wußte . „ Das ? Das ist ausgekämpft , Hede , und jetzt ist ’ s klar in meiner Seele , und so ruhig , so tief innerlich froh und friedlich fühle ich mich . “ „ Leb ’ wohl , “ flüsterte sie gerührt , „ auf morgen ! Leb ’ wohl ! “ Sie sahen sich ein Weilchen in die Augen , dann zog er sie an sich und küßte sie . Heinz , der sonst kaum sah und hörte , ob die Schwester im Zimmer sei oder nicht , vermißte sie heute . Vielleicht waren die Kerzen des Weihnachtsbaumes schuld daran , daß er die Zusammengehörigkeit mit ihr wieder fühlte , die Erinnerung an die süße , gemeinsam verlebte Kinderzeit ! Er wartete , zuerst ungeduldig , dann ward er unruhig , einigemal pochte er an die Thür ihres Zimmers – vergebens . Wundern konnte er sich nicht , wenn sie eine wärmere Atmosphäre aufsuchte als die , welche hier herrschte , indes heute , heute am Weihnachtsabend ? Und wo mochte sie sein ? Vielleicht bei Mays ? Aber es sah ihr gar nicht ähnlich , sich an solchen Festtagen in intime Familienkreise zu drängen . Möglicherweise auch hatte sie ein paar Arme , denen sie bescherte . Er erinnerte sich , daß sie immer nähte und strickte in letzter Zeit , wenn er sie sah . Es konnte auch sein , daß sie bei ihren ehemalige Pfleglingen sich befand , lieber Gott , warum auch nicht , wenn ’ s nur nicht gerade heute