Tod vor Augen , wollte Herr Someiner mit dem Irdischen abschließen und sein Testament machen ; aber sein Leiden gewährte ihm die freie Minute nicht , die er zum Schreiben nötig hatte . Er kam der völligen Auflösung immer näher . Vom Abend bis zum Morgen , unter Blitz und Donner , lief Frau Marianne zwischen Krankenstube und Küche unermüdlich hin und her . Und in den kurzen Pausen , die ihr die Pflege des leidenden Gatten bewilligte , hatte sie notwendige Kriegsgeschäfte zu erledigen . Sie mußte , was an Geld , an Schmuck und Silber im Hause war , auf dem Dachboden verräumen oder an den undenkbarsten Plätzen vermauern . Die alte Magd , die der Amtmännin bei diesem Huschelwerke behilflich war , äußerte dunkle Ahnungen über das Findertalent der Kriegsleute , denen sie auch sonst noch himmelschreiende Dinge zutraute . Doch Frau Marianne fand die tapfere Antwort : » Soll nur einer kommen ! Dem schlag ich meinen Schurz ums Maul , daß ihm Hören und Sehen vergeht . « Die gleiche Arbeit , die von der Amtmännin auf dem Dachboden und sonstwo geleistet wurde , geschah während dieser Gewitternacht in allen Häusern von Berchtesgaden . Wer einen Knopf von Wert besaß , vergrub ihn . Auch im Stift waren viele Hände damit beschäftigt , die Pergamente und Kostbarkeiten , das silberne Tafelgeschirr und das bescheidene Quantum des nach den Rüstungen der letzten Wochen noch übrigen Bargeldes in Sicherheit zu bringen . Noch immer hofften die Chorherren , daß Fürst Pienzenauer in jeder nächsten Stunde mit der ersehnten Hilfe aus Salzburg heimkehren würde . Und als mit dem erwachenden Morgen das Gewitter sich ausgetobt hatte und ein schwerer Nebel das Tal bis zum Erdboden füllte , setzten die Herren neues Zutrauen auf dieses dicke Grau , bei dem auch eine feindliche Übermacht den Sturm nicht wagen konnte . Doch sie wollten sichergehen für alle Fälle . Als es zu dämmern anfing , knatterten sieben mit Nahrungsmitteln , Zelttüchern , Decken , Kissen und Kochgeschirr beladene Wagen zum Königssee hinauf . Dort war eine versteckte Waldschlucht mit einer großen Höhle , die man die Klostergrube nannte . Hier hatten sich auch bei früheren Kriegshändeln die flüchtenden Chorherren geborgen . Alle , die zum fürstpröpstlichen Hof des heiligen Peter gehörten , hatten Kenntnis von diesem Schlupf und wußten , wohin sie rennen mußten , wenn eine gefährliche Stunde schreien würde : » Menschenkind ! Jetzt spring ! « Gegen die neunte Morgenstunde fing von Westen her ein fester Wind zu blasen an und brachte die grauen Schwaden der Lüfte in jagende Bewegung . Und da hörte man von der Reichenhaller Gegend herüber ein dumpfes Murren , das ferne Stimmengebrüll der Hornaußin und der Landshuterin , die beim Hallturm mit der Anna und Susanne musizierten . Die Berchtesgadner wußten , es stand eine erdrückende Übermacht vor den Grenzen des Ländleins . Je schneller die dumpfen Pulverstimmen in der Ferne bollerten , um so mehr begann sich das Gefühlter Unsicherheit zu einer ratlosen Verwirrung zu steigern . In den Höfen des Stiftes und in allen Gassen von Berchtesgaden gab ' s ein schreiendes Gerenne . Inmitten dieses angstvollen Aufruhrs spielte ein paradiesisches Idyll , von den häßlichen Dingen der Welt durch dichtgeschlossene Fensterläden geschieden . In der ebenerdigen Dampfkammer des Badhauses , Jessen obere Stockwerke den frummen Fräulein und Pfennigfrauen zur Wohnstatt angewiesen waren , nahmen zwei blessierte Helden während des Bades ihr reichliches Frühstück ein , der Chorherr Jettenrösch , mit einem Verband um den rechten Oberarm , und der junge Siegwart zu Hundswieben , mit verbundenem Haardach und einem knopfähnlichen Pflaster auf der Nasenspitze . Jeder von den beiden saß in einer hohen , langen , zwiebädrigen Holzkufe . Dem Jettenrösch saß in der Wanne das Fräulein Rusaley gegenüber , dem Hundswieben das Fräulein Aglaja . Zwischen Männlein und Weiblein war über die Kufe ein Brett gelegt und mit gesticktem Linnen bedeckt . Neben den Zinntellern , auf denen Obst und hartgekochte Eier aufgetragen waren , standen die mit Rotwein gefüllten Becher . In einer dritten Kufe saß einsam das Fräulein Gerilind und spielte mit flinken Hämmerchen auf einer Stahlzitter . Die frummen Fräulein trugen hohe , mit allerlei Glitzerschmuck gezierte Hauben , die das Haar züchtig verhüllten . Während man so das Frühstück verzehrte , wurde mit höfischer Zierlichkeit ein heiteres , neckendes Gespräch geführt . Und manchmal lachte Fräulein Aglaja oder Fräulein Rusaley mit hellen Stimmchen belustigt auf . Nur das einsame Fräulein Gerilind blieb ernst und widmete sich mit musikalischem Pflichtgefühl dem klingenden Stahlkonzert , obwohl von diesen feinzirpenden Tönen nicht viel zu vernehmen war . Denn die zwei großen kupfernen Dampfretorten , unter denen das Feuer in gemauerten Herden prasselte , ließen mit sausendem Geräusch die heißen , köstlich nach Latschenöl duftenden Dunstwolken , in die Kammer strömen . So verging den Badenden der halbe Vormittag in modischer Ergötzlichkeit . Bei dem sonnigen Frohsinn , der ihre weltentrückten Seelen erfüllte , bemerkten sie lange nicht , daß das Wasser , in dem sie saßen , bedenklich an angenehmer Temperatur verlor . Aber schließlich fühlten sie doch den wachsenden Entgang an Sitzwärme und läuteten der Bademagd . Diese Magd erschien nicht . Als jener angstvolle Aufruhr durch die Gassen von Berchtesgaden gesprungen war , hatte auch der erschrockene Bader mit seinen Leuten Reißaus genommen und völlig der in der Dunstkammer sitzenden Badgäste vergessen , die beim sausenden Gepfurr der Dampfretorten weder den versiegenden Buchsendonner in der Ferne vernommen hatten noch das wachsende Menschengeschrei der nahen Gasse zu hören vermochten . Aber jetzt , weil unter den Retorten das Feuer auszugehen drohte und der Dampf immer schwächer zischte , wurden die Arkadier im verkühlenden Wasser aufmerksam auf die rohen Stimmen der Außenwelt . Und plötzlich hörten sie ein verzweifeltes Geschrei , dazu den Hufschlag jagender Rosse auf dem Pflaster . Herr Jettenrösch , von böser Ahnung befallen , hüpfte aus der Kufe heraus und zerrte an einem Fenster die Läden auf . Über seinen Kopf weg fuhr