stehen Ihnen gut . Bei solchen denkenden Leuten haben die Beweise des männlichen Mutes etwas Rührendes , bei den leeren Köpfen sieht es leicht so aus , als gehörte das zum Handwerk . Aber Sie müssen noch leiden , die Wunde hat noch ein frisches Ansehen , ein ganz frisches , Sie Armer . Nicht wahr , Sie werden dem Kicki folgen , und sich eine Zeitlang schonen , nicht wahr ? Es ist mir ganz neu an Ihnen , daß Sie so freundlich lächeln und eine schwatzhafte Frau so liebenswürdig anhören können . Indessen , mein junger Landsmann , Sie müssen ein anderes Leben hier beginnen , wenn Sie nicht in vage , gefährliche Verwirrnisse geraten wollen . Wo waren Sie heut abend , ehe Sie so spät in diesem Saale erschienen ? « Valerius sah sie verwundert an . » Im patriotischen Klub waren Sie , mitten unter den wildesten , exaltiertesten Demokraten , mit denen in kurzem der offene Kampf losbrechen wird ; lassen Sie diese ultrademokratischen Dinge , die Ihnen gar nicht einmal so natürlich sind , als Sie glauben . Sie haben sich vielmehr diese Grundsätze als eine Art von Tugend angeeignet , weil Sie aus Trieb nach Charakterstärke eine Art Schwärmer sind , ein Systematiker . « Hier unterbrach der Graf Kicki die Fürstin und führte sie zur Tafel . Valerius stand überrascht von all den plötzlichen Erscheinungen , die wie ein lustiges Gewitter über ihn hereingebrochen waren , und bemerkte es kaum , daß Hedwig und Stanislaus zu ihm traten , und daß das fröhliche Mädchen über seine Geistesabwesenheit lachte . Aber er fühlte es mit innigem Behagen , als sie ihren Arm in den seinen legte . Den andern reichte sie Stanislaus und unter ihren Scherzen und liebenswürdigen Vorwürfen , daß der Herr von Valerius sie auf eine abscheuliche Weise ignoriert und kaum von weitem gegrüßt habe , kamen sie in den Speisesaal . Die Fürstin saß nicht weit von ihnen , und ihre Augen sahen mit einem seltenen Gemisch von Wehmut und Lebhaftigkeit auf den jungen Deutschen , wenn er angelegentlich mit Hedwig plauderte , und wenn seine Augen mit unverhehltem Wohlgefallen auf den Zügen des glänzenden Mädchens ruhten . Sie saß dicht neben ihm , und wenn sie eilig eine Bemerkung mitzuteilen hatte , da war ihre rote Wange , ihr fröhlicher , kleiner Mund so dicht an dem bleichen Gesichte des Nachbars , daß selbst ein unbefangener Zuschauer hätte glauben können , statt der Worte würden einmal plötzlich Küsse gewechselt werden . Stanislaus saß ohne Aufmerksamkeit für die beiden schwatzenden Leute neben ihnen . » Ich bin nur neugierig , « sagte Hedwig , » was aus uns beiden Verlobten werden soll , wenn wir immer so wenig Zeit füreinander haben , sehen Sie nur , wie Stanislaus unverwandten Auges da hinüber guckt nach jenem alten Schnurrbart , ich wollte , Sie wären mein Verlobter , Valerius , Sie erzählen mir doch hübsche Geschichten , aber sind Sie auch so gut , so gut und lieb wie Stanislaus ? Sie glauben es nicht , wie sehr er ' s ist , wie sehr ! « » Und denken Sie gar nicht an den armen Joel ? « sprach leise Valerius . Hedwig errötete , schlug die Augen nieder und sagte nach einer Weile mit noch leiserer Stimme : » Ach der arme Joel ! - Aber - ach , was weiß ich . « Als die Tafel aufgehoben wurde , geleiteten die beiden jungen Männer Hedwig an den Wagen , sie war müde und schläfrig , und sagte ihnen kaum » Gute Nacht . « Beide stiegen die Treppen wieder hinauf , da begegnete ihnen jener alte Schnurrbart , den Stanislaus während des Essens unablässig betrachtet hatte . Es war ein bejahrter stattlicher Mann , sein hartes und stolzes Gesicht war von einem starken grauen Knebelbarte beschattet , einem feineren Beobachter entgingen aber jene Winkel seiner Züge nicht , in welchen eine lauernde Verstellung , oder List oder Geschmeidigkeit kauerte ; es war nicht leicht , das richtige Wort dafür zu finden . Seine Kleidung war sehr einfach und unscheinbar , aber national , der Bediente reichte ihm einen alten Militärmantel , und Stanislaus , der sich schnell bei seinem Freunde verabschiedete und mit jenem Alten die Treppe wieder hinabstieg , nannte ihn » Herr General . « Es kamen indes mehr Gäste , die sich entfernten ; Valerius fürchtete , seine schöne Landsmännin nicht mehr zu finden , er ließ sich keine Zeit , nach dem Namen dieser Erscheinung zu fragen , die ihm interessant war . Die Fürstin ging im Saale auf und nieder , umringt von einer Menge polnischer Herren . Ihre Schönheit hatte die lebhaften Männer angezogen , und ihr gewandter Geist spielte mit den feurigen Huldigungen , welche diese Nation mit dem ihr eigenen ritterlichen Ungestüm darbrachte , und immer eifriger darbrachte , je spröder , leichter und vornehmer die Fürstin dergleichen aufnahm . Keiner sah sich sonderlich beachtet , jeder war zuversichtlich , und ihr Eifer , die Aufmerksamkeit der reizenden Frau zu fesseln , wurde immer lebhafter , je weniger Konstantie davon Notiz nahm . So bildete sich jene stürmische Unterhaltung um sie her , wo im Grunde niemand Anteil an dem Gegenstande des Gesprächs nimmt , obwohl alle dafür zu glühen scheinen , jene Unterhaltung des Egoismus , wo nur jeder hervorzutreten trachtet . Valerius hörte eine Zeitlang hin und folgte mechanisch der Gruppe ; die Fürstin sah ihn nicht , und es schien ihm , als läge ein ungewöhnlicher Ernst auf ihrem Gesichte , ein Ausdruck von Kummer , den er niemals auf diesen ungetrübten Formen erblickt hatte . In der Mitte des Saales wartete er , bis die Gruppe vom andern Ende wieder zurückkam , dann ging er ihr entgegen . Denn die Flanken dieser Schlachtordnung waren so stark besetzt , daß man zu der belagerten Festung nicht durchzudringen vermochte . Konstantie lächelte , als sie ihn kommen sah