Sachen , Einschränkungen des Eigentumsrechtes durch Dritte , die sich so drehen , deuten , nutzen und ausdehnen ließen , daß der Eigentümer bald wie ein Mann war , der sein Feld auf der öffentlichen Landstraße liegen hat . Das Verpfänden und Belasten des Grund und Bodens ward in ein System gebracht , das den Urgrund aller menschlichen Verhältnisse , die Scholle , einem Handelsartikel gleichstellte . Es wurde möglich , daß einer durch Beleihung stiller Mitbesitzer eines Stück Landes ward . Dann mußte ihm der Eigentümer einen Teil der Erträge abgeben , die er durch seine Arbeit dem Boden abgerungen hatte , und jener genoß in der Ferne ohne Mühe die Früchte fremden Bodens und fremden Schaffens . So hatte sich das undeutsche Recht mit seinem egoistisch-kalten , verstandesmäßigen Formalismus wie ein Lavastrom über die heimischen Einrichtungen ergossen , alles mit starrer Kruste überdeckend , und auch die grünende Freiheit des bäuerlichen Ansiedlers auf Nimmerwiederkehr vernichtend . Der Büttnerbauer wußte von der Geschichte und Entwicklung seines Standes nichts . Kenntnis und Interesse für das Vergangene sind gering beim Bauern ; auch hat er wenig Standesbewußtsein , keinen Zusammenhalt mit seinesgleichen . Ihn kümmern nur die Nöte und Bedürfnisse , die ihn gerade im Augenblicke auf den Nägeln brennen . Er weiß von der Welt und ihrem Gange meist nur das Notdürftige , was er in der Schule erlernt , was er selbst erlebt und erfahren hat , und zur Not das Wenige von der Vergangenheit , was ihm die Eltern mitgeteilt haben . Traugott Büttner hatte nur ein dumpfes Gefühl , eine dunkle Ahnung , daß ihm großes Unrecht widerfahre . Aber wer wußte denn zu sagen : wie und von wem ! Wen sollte er anklagen ? Das war ja gerade das Unheimliche , daß es eine Erklärung nicht gab . Das Verderben war gekommen über Nacht , er wußte nicht von wannen . Menschen hatten Rechte über ihn und sein Eigentum gewonnen , Fremde , die ihm vor zwei Jahren noch nicht einmal dem Namen nach bekannt waren . Er hatte diesen Leuten nichts Böses angetan , nur ihre Hülfe , die sie ihm aufgenötigt hatten , in Anspruch genommen . Und daraus waren durch Vorgänge und Wendungen , die er nicht verstand , Rechte erwachsen , durch die er diesen Menschen hilflos in die Hände gegeben war . Er mochte sich den Kopf zermartern , er konnte das Ganze nicht begreifen . Eines blieb als Untergrund aller seiner Gedanken und Gefühle : ein dumpfer , schwelender Ingrimm . Ihm war unsagbares Unrecht geschehen . Sein Mund verstummte ; hätte er ihn aufgetan , es wäre eine Klage erschollen , die kein Richter dieser Welt angenommen hätte . Drittes Buch . I. Die Sachsengänger waren an ihrem Bestimmungsorte eingetroffen . Leiterwagen vom Rittergute Welzleben hatten sie an der Station abgeholt und nach dem Vorwerke Kabeldamm gebracht . Hier waren sie vom Inspektor in ihre Kaserne angewiesen worden . Am nächsten Morgen bereits ging ' s mit der Feldarbeit los . Die Rüben waren eben erst aufgegangen ; an ihnen gab es also noch keine Arbeit . Die Mädchen wurden daher mit Behacken des Wintergetreides beschäftigt , während die Männer bei der Frühjahrsbestellung zu helfen hatten . Es waren völlig neue Verhältnisse hier im Westen , in welche diese Ostländer ganz unvermittelt versetzt wurden . Weit und breit fruchttragende ebene Fluren . Feld an Feld , Schlag an Schlag , die das Auge kaum zu übersehen vermochte , durchquert von geradlinigen Kunststraßen und Obstalleen . Jede Handbreit Land war hier ausgenutzt . So kostbar schien dieser Boden , daß man keinem wilden Baum , keinem Strauch in der Feldmark das Leben gönnte . Nirgends fiel der Blick auf Unkraut . Sorgfältig waren die Steine aus dem Acker entfernt . Am Horizonte fehlte der Kiefernbusch , der im Osten fast überall das landschaftliche Bild einrahmt . Kein Wald , kein Gebüsch , keine Hutung zu erblicken . Wenig Wiese ; die Ackerscholle beherrschte hier alles . An Stelle des buntscheckigen Planes von winzigen Fleckchen und Streifchen , wie es die Sachsengänger von ihrer Heimat her gewöhnt waren , breitete sich hier das Zuckerrübenfeld mit den endlosen Reihen der gedrillten Rübenpflänzchen ; giftgrüne Streifen auf dunkelbraunem Untergrunde . Und nun erst die Bestellung ! Spatenarbeit kannte man hier nicht , der Handpflug war an vielen Stellen vom Dampfpfluge verdrängt . Das Getreide wurde mit der Dampfmaschine ausgedroschen , die Saaten mit der Drillmaschine bestellt . Und in der Wirtschaft war auch alles nach neuestem Zuschnitt . Das Rindvieh bekam Rübenschnitzel als Futter . Trotz der vielen Kühe und großartigen Stätte war die Milchwirtschaft doch nur unbedeutend . Das Vieh kam von auswärts in großen Transporten herein und stand nur zur Mast da . Kälber wurden nicht angebunden . Nur des Düngers wegen schien man Rindvieh zu halten . Und die Dörfer ! Da kam man sich vor wie in der Stadt . Die Häuser eng beieinander , den Nachbarn gleichend wie ein Ei dem anderen , weißgetüncht , kahl , mit Ziegeln abgedeckt . Kein Fachwerk , keine Holzgalerie , kein Strohdach . Hin und wieder war einmal der Ansatz zu einem Gärtchen zu erblicken , hinter steifem Staketenzaune . Der Grasgarten , die Obstbäume , die der ärmste Häusler des Ostens gern um sein Anwesen hat , fehlten ganz . Und wo waren die Düngerstätten , das Göpelwerk , der Taubenschlag , die Entenpfütze ? Diese Menschen hier nannten keine Kuh , kein Schwein , kein Federvieh ihr eigen . Dabei schien es hier eigentliche Armut nicht zu geben . Die Leute ließen sich nichts abgehen . Sie gingen einher in städtischer Kleidung . Bloße Waden gab ' s hier freilich nicht zu sehen ; selbst die Kinder liefen nicht barfuß . Die wenigen Bauern waren große Herren . Sie ritten und fuhren einher wie die Rittergutsbesitzer , wohnten in großen stattlichen Häusern und schickten ihre Kinder in die Stadt zur Schule . Wenn sie untereinander waren , redeten