und da die Dobschütz schon vorher zugesagt hatte , Asta begleiten zu wollen , so stiegen nun alle drei die Terrasse hinunter , um , am Strande hin , den etwas näheren und schöneren Weg zu nehmen . Die breite Wasserfläche lag beinahe unbewegt , und nur dann und wann schob eine schwache Brandung ihren Schaum bis dicht an die Düne heran . Asta war glücklich , das Meer wiederzusehen , und brach oft ab in Erzählung ihrer Pensionserlebnisse , wenn dann und wann ein wunderbarer Lichtschimmer gerade über die stille Flut hinglitt oder die Möwen ihre Flügel darin eintauchten ; aber mit einem Male war ihr Interesse für Meer und Lichtreflexe hin , und Elisabeth Petersens ansichtig werdend , die , von der Düne her , auf den Strand hinaustrat , eilte sie der Freundin entgegen und umarmte und küßte sie . Holk und die Dobschütz waren in diesem Augenblicke zurückgeblieben , was den beiden vor ihnen herschreitenden Freundinnen , die sich natürlich eine Welt von Dingen zu sagen hatten , sehr zupaß kam , aber auch Holk war es zufrieden , weil ihm der sich rasch erweiternde Zwischenraum eine lang herbeigewünschte gute Gelegenheit bot , mit der Dobschütz ungezwungen über Christine zu sprechen . » Es ist mir lieb , liebe Dobschütz « , begann er , » daß wir einen Augenblick allein sind . Ich habe schon längst mit Ihnen sprechen wollen . Was ist das mit Christine ? Sie wissen , daß ich nicht aus Neugier frage , noch weniger , um zu klagen , und am allerwenigsten , um anzuklagen . Es hat Zeiten gegeben , wo Sie dergleichen mit anhören mußten , wo Sie schlichten sollten ; aber wie Sie wissen , liebe Freundin , diese Zeiten liegen zurück und kehren nicht wieder . Aller Streit ist aus der Welt , und wenn ich mit Christine durch den Park gehe , wie ' s noch heute vor dem Frühstück der Fall war , und das Eichhörnchen läuft über den Weg und der Schwan fährt über den Teich und Rustan , der uns begleitet , rührt sich nicht , vielleicht auch dann nicht , wenn ein Volk Hühner auffliegen sollte - so fällt mir immer ein Bild ein , auf dem ich mal das Paradies abgebildet gesehen habe ; alles auf dem Bilde schritt in Frieden einher , der Löwe neben dem Lamm , und der liebe Gott kam des Weges und sprach mit Adam und Eva . Ja , liebe Dobschütz , daran erinnert mich jetzt mein Leben , und ich könnte zufrieden sein und sollt es vielleicht . Aber ich bin es nicht , ich bin umgekehrt bedrückt und geängstigt . Handelte sich ' s dabei nur um mich , so würd ich kein Wort verlieren und in dem , was mir , trotz des vorhandenen Friedens , an Behagen und Freude fehlt , einfach eine mir auferlegte Buße sehen und nicht murren , ja vielleicht im Gegenteil etwas wie Genugtuung empfinden . Denn ein Unrecht fordert nicht bloß seine Sühne , sondern diese Sühne befriedigt uns auch , weil sie unserem Rechtsgefühl entspricht . Also noch einmal , wenn ich jetzt spreche , so sprech ich nicht um meinet- , sondern um Christinens willen und weil jeder Tag mir zeigt , daß sie wohl vergessen möchte , aber nicht vergessen kann . Und nun sagen Sie mir Ihre Meinung . « » Ich glaube , lieber Holk , daß Sie ' s mit Ihrem Wort getroffen haben - Christine will vergessen , aber sie kann es nicht . « » Und hat sie sich in diesem Sinne gegen Sie geäußert ? Hat sie zu verstehen gegeben , daß alles doch umsonst sei ? « » Das nicht . « » Und doch leben Sie dieser Überzeugung ? « » Ja , lieber Holk , leider . Aber Sie dürfen aus diesem mich allerdings beherrschenden Gefühle nichts Schmerzlicheres und namentlich auch nichts Gewisseres ableiten wollen , als nötig , als zulässig ist . Ich weiß nichts Gewisses . Denn wenn ich auch nach wie vor der Gegenstand von Christinens Freundschaft bin - und wie könnt es auch anders sein , zeigt ihr doch jede Stunde , wie sehr ich sie liebe - , so bin ich doch nicht mehr der Gegenstand ihrer Mitteilsamkeit . Wie sie gegen alle schweigt , so auch gegen mich . Das ist freilich etwas tief Trauriges . Sie war daran gewöhnt , ihr Herz gegen mich auszuschütten , und als wir damals , ein unvergeßlich schmerzlicher Tag , aus dem Hause gingen und erst im Dorfe unten und dann in Arnewiek und zuletzt in Gnadenfrei die schwere Zeit gemeinschaftlich durchlebten , da hat sie nichts gedacht und nichts gefühlt , was ich nicht gewußt hätte . Wir waren zwei Menschen , aber wir führten nur ein Leben , so ganz verstanden wir uns . Aber das war von dem Tage an vorbei , wo Christine wieder hier einzog . In ihrem feinen Sinn sagte sie sich , daß nun wieder eine neue Glücks- und Freudenzeit angebrochen sei oder wenigstens anbrechen müsse , und weil ihr - Verzeihung , lieber Holk , wenn ich dies ausspreche - , weil ihr die rechte Freude doch wohl ausblieb und ihr andererseits ein weiteres Klagen unschicklich oder wohl gar undankbar gegen Gott erscheinen mochte , so gewöhnte sie sich daran , zu schweigen , und bis diesen Tag muß ich erraten , was in ihrer Seele vorgeht . « Holk blieb stehen und sah vor sich hin . Dann sagte er : » Liebe Dobschütz , ich kam , um Trost und Rat bei Ihnen zu suchen , aber ich sehe wohl , ich finde davon nichts . Ist es so , wie Sie sagen , so weiß ich nicht , wie Hülfe kommen soll . « » Die Zeit , die Zeit , lieber Holk . Des Menschen guter Engel ist die Zeit . « » Ach , daß Sie recht