kann der Teufel nichts anhaben . « Und eben das seien auch die Worte gewesen , die damals auf Lehnert einen so tiefen Eindruck gemacht hätten , so tief , daß er anderen Tages zu ihm gekommen sei und ihm gesagt habe : » Ja , es sei so , und er fühle deutlich , daß nur das ein rechtes Leben sei , sich , mit Gott im Herzen , vor dem Tode nicht zu fürchten , und solches Leben zu führen sei seine Sehnsucht ; und wenn ihn der Teufel der Eitelkeit und Selbstgerechtigkeit nicht ganz verblende , so möcht er wohl sagen dürfen , er glaube , daß er nicht bloß die Sehnsucht , sondern auch die Kraft zu solchem Leben habe ... « - » Und diese Kraft , meine Lieben , er hat sie gehabt und hat sie bestätigt und ist gestorben , wie seine Sehnsucht war . Denn einen andern zu retten , den er liebte , das hat ihm den Tod gebracht . Dieser Tod war schwer , aber er war auch ein Ausgleich und eine Sühne . Das hat er selbst empfunden , und in diesem Glauben und in der Hoffnung , daß seine Schuld getilgt sei , wie sein letztes Wort uns bezeugt , ist er gestorben . « Und nun sangen die Kinder wieder : » Valet will ich dir geben , Du arge falsche Welt , Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt ; Im Himmel ist gut wohnen , Hinauf steht mein Begier , Da wird Gott ewig lohnen Dem , der ihm dient allhier . « Alle waren bewegt und befriedigt , sogar Kaulbars . Als er aber schließlich auf seinem Vorwerk ankam und von seiner Frau gefragt wurde , wie ' s denn eigentlich gewesen sei , kam doch etwas vom alten Adam wieder in ihm heraus , und so mußt er denn wieder nörgeln , wie ' s nun mal seine Natur war . » Ja , Röse , wie soll es gewesen sein « , hob er an , » es war ja soweit alles ganz gut . Aber als der alte Herr von Bredow begraben wurde , war nicht halb soviel los . Sie haben immer zuviel von ihm gemacht , und eigentlich war es , wie wenn ein Prinz begraben würde . Und Obadja , denk ich , wird nu woll auch noch Landestrauer ausschreiben . Was zuviel is , is zuviel ... Und Miss Ruth , na , die weinte , daß es ein Jammer war , und die alte Pollacksche schrie , als ob sie der Bock stieße . Und der verrückte Franzose , den hättst du sehen sollen . Der stand da , geradso , als ob er lebendig mit eingemauert werden sollte . Und wenn sie ihn mal kriegen , na , denn kann so was auch immer noch kommen . « Um dieselbe Nachmittagsstunde aber , wo Kaulbars diese Betrachtungen seiner Frau gegenüber anstellte , saß Obadja an seinem Arbeitstisch und schloß einen längeren Brief mit der geschnörkelten Aufschrift : An den Kirchen- und Gemeindevorstand zu Wolfshau bei Krummhübel in Schlesien ( Prussia ) . Der Brief selbst aber lautete : » Dem verehrlichen Kirchen- und Gemeindevorstande zu Wolfshau ( Krummhübel ) habe ich in nachstehendem die Pflicht , das Hinscheiden ihres Ortsangehörigen Lehnert Menz bekanntzugeben . Er starb hier am 1. Juni d. J. und wurde den 4. in unserer Familiengruft zu seiner letzten Ruhe bestattet . Über sein Vorleben und seine Schuld war ich durch ihn selbst unterrichtet , aber ebenso war ich , von dem Tage seines Eintritts in unser Haus an , auch ein Zeuge seiner Reue . Seine Tüchtigkeit bei der Arbeit , seine kleinen gesellschaftlichen Gaben , seine Demut und Bescheidenheit ( wohl erst durch den Gang seines Lebens erworben ) , vor allem aber seine gute Sitte , machten ihn zum Liebling unseres Hauses , und es war beschlossen , ihn , noch im Laufe dieses Sommers , meiner Familie näher zu verbinden : die Hand meiner Tochter Ruth , die er durch seinen Mut und seine Geistesgegenwart gerettet hatte , war ihm zugesprochen . Alles ließ eine glückliche Zukunft erwarten . Als er mir aber auch den auf einem Jagdausfluge begriffenen und in eine gefährliche Lage geratenen Sohn erhalten wollte , war es ihm , nach Gottes unerforschlichem Ratschluß , vorherbestimmt , diese neue Liebestat mit seinem Leben zu bezahlen . Im eifrigen Suchen nach dem , den er in unserem Gebirge verirrt glaubte , glitt er einen steilen Bergkegel , den wir den Look-out nennen , herab und verletzte sich dabei derart ( der Hüftknochen sprang aus dem Gelenk ) , daß er unfähig war , sich von der Unglücksstelle fortzubewegen , geschweige denn seinen Rückweg nach unserem Dorfe hin zu finden . Und in Einsamkeit ist er dort oben gestorben , nicht ohne daß sich zu seinem körperlichen Schmerz auch noch der Schmerz des Gewissens gesellt hätte , wie seine letzten Worte mit aller Bestimmtheit bezeugen . Wir fanden ihn den zweiten Tag , hoch auf dem Kamm des Gebirges , tot , mit einem in die Brusttasche gesteckten Zettel , auf den er , nachdem er sich eigens die Hand mit seinem Messer geritzt , all das mit Blut niedergeschrieben , was ihm in seiner letzten schweren Stunde das Herz bewegt hatte . Das Holzstäbchen , das ihm dabei gedient , hielt er noch in seiner Rechten . Die niedergeschriebenen Worte aber lauten : Vater unser , der du bist im Himmel ... Und vergib uns unsere Schuld ... Und du , Sohn und Heiland , der du für uns gestorben bist , tritt ein für mich und rette mich ... Und vergib uns unsere Schuld ... Ich hoffe : quitt . Mir aber , der ich , neben der Meldung vom Tode des Lehnert Menz , auch diese seine letzten Worte zu Ihrer Kenntnis zu bringen hatte , sei es gestattet , hinzuzufügen , daß