Ausnahms-Ausnahm afm Hof da , dö werd ich dir vertun . « » Du unterstündst dich - ? ! « » Jedes weitere Wort spar ! Vergiß nit , wen d ' vor dir hast . Ich brauch mir von dir nix sagen z ' lassen ! « Damit kehrte ihm Helene den Rücken zu und schritt voran nach der Stube zurück , während der alte Sternsteinhofer mit geballten Fäusten , die eingezogenen Arme vor Wut schüttelnd , hinter-dreinstapfte . Der große Ärger tat aber weder seiner Eßlust noch seiner Trunkliebe Abbruch , sondern schien beide nur zu vermehren , denn ihm schmeckte kein kleiner Bissen und mundete kein mäßiger Schluck , so daß er , als die Gäste aufbrachen , mit kläglicher Stimme erklärte , daß ihn » nun schon d ' Füß verließen und d ' Augen nix mehr taugen wöllten « ; die Schilderung seines Zustandes ließ man , als der Wahrheit gemäß , unangefochten , aber die Rechtfertigung desselben durch sein Alter wies man spöttisch zurück , und einige Minderbejahrte meinten : heut wären sie just so alt wie er oder er so jung wie sie . Er erbat sich das Geleite Käsbiermartels , und der Lange mühte sich denn auch getreulich , seinem Schützlinge geweisten Weges über den Hof zu helfen ; es gelang ihm , allen kleinen Fährlichkeiten auszuweichen , und wenn es bei größeren merkwürdigerweise fehlschlug , so bestand er sie einträchtig mit dem Freunde . Er rannte mit ihm gegen ein halb offenstehendes Scheunentor , und als dieses durch den Anprall ganz aufflog , so stürzten beide in taumelnder Hast dahinter her , so weit es sich in den Angeln drehte , ein paar Schritte weiter fielen sie Arm in Arm über einen umgestürzten , ausgemusterten Brunnentrog ; von diesem einen » Verlauf « und andern » Fall « abgesehen , erreichten sie glücklich das Ziel , und da lallte an der Schwelle des Häuschens der Käsbiermartel : » Was bist du - du aber in dein altn Tägn - für - für a leichtsinniger Mon - gält ' s - könnt mer dich heut wieder - hint - hint im Wagngflechtel habn ... « Der alte Sternsteinhofer riß sich von seinem Begleiter los und versetzte ihm eins in die Rippen , daß der laut aufschrie . Aber trotz seiner Erbitterung vergaß der Käsbiermartel nicht , daß ihm doch noch obliege , den Alten unter Dach zu bringen , und so faßte er ihn denn neuerdings an , freilich etwas kräftiger als just not tat , und unter Gefluche und Gepolter ging es die Treppe hinan , unter Gekrache und Geberste zur Kammertüre hinein , und da fand sich plötzlich der Käsbiermartel allein im Finstern . » Sternsteinhofer « - rief er halblaut - » Sternsteinhofer ! Wo bist denn ? No , so meld dich , dummer Kerl , ob d ' da bist ? « Erst nach einer Weile antwortete aus einer Ecke her ein lautes Schnarchen . » Ah so « , sagte befriedigt der Lange , dann sah er nach dem leeren Bette , meinte : » Es wär doch a Sünd « , und legte sich in dasselbe . - - Früh am Morgen öffnete sich oben auf dem Sternsteinhofe ein Fenster der großen Stube , Helene beugte sich heraus und sah auf das Dorf hinab . Ein leichter Flor lag noch da unten . Langsam kam die Sonne im Rücken des Hügels herauf , und unten am Bache ward es licht . Das Turmkreuz der kleinen Kirche brannte , die Häuschen und Hütten hauchten sich rot an , und einzelne Fenster erglühten . Frisch wehte die Morgenluft . Die Bäuerin strich einzelne Haarsträhnen , die ihr vor dem Auge fächelten , zurück . Als sie nach der letzten Hütte sah , wo sie eine freudlose Kindheit verlebt , und nach dem Häuschen daneben , wo sie sich und andern zu Leid und Last gehaust hatte , da erfaßte es sie gleich der bedrückenden Empfindung verworrenen Träumens ; doch von hier oben verschmolzen die einzelnen Behausungen der Straße nach in eine helle Zeile und mit den grünen Hügeln dahinter und dem blauen Himmel darüber in ein freundliches Bild ; das eigene Erlebte verblaßte vor dem Gedenken an das gemeinsame Drangsal und Elend , dem sie entronnen und das von zutiefst da unten , am Fuße des Hügels , nicht hinanreichte zum Gipfel , von dem es ihr nun doch vergönnt war herabzuschauen , wie sie es einst in kindischer Seele gewünscht und ersehnt . So hatte es sich doch gefügt ! Ein dankbares , fast andächtiges Gefühl überkam sie ; dankbar , sie wußte es selbst nicht gegen wen oder was : gegen die Sonne , die alles so warm und freundlich beschien , gegen die Luft , die über allem webte und sich regte , gegen das Dörfchen , die Halde , den blauen Himmel , gegen die ganze , schöne , prangende Welt - ? - Sie faltete die Hände vor der Brust . Lange blieb sie so , plötzlich fuhr sie mit einem lachenden Schrei zurück . Der junge Bauer stand hinter ihr , er hatte sie mit beiden Händen unter den Achseln angefaßt . XXII Monate verstrichen , der alte Sternsteinhofer und die junge Sternsteinhoferin liefen einander , sich nicht suchend noch meidend , ungezählte Male über den Weg ; wohl bemerkte er den mißgünstigen Blick , der ihn bei jeder Begegnung seitwärts streifte , ohne daß es ihn zum Nachdenken brachte , wie derselbe stets gleich und unverändert blieb , selbst als er offen ein immer höhnischeres Gesicht dagegen kehrte . Hat sich halt ein bissel im Reden übernommen , die Neue , und dafür , daß es bei leeren Worten bleibt , ist er der - alte ! Es war an einem heiteren Abende , als er auf dem ihm eigenen Wägelchen von Schwenkdorf , wo er den Käsbiermartel besucht hatte , heimfuhr ; er ließ das Rößlein nach Gefallen des