legen , an dieselbe übermütige Hand , welche die Harfe des Alten zerbrochen . Im Herbst 1834 . Die Schule ist auf einige Wochen geschlossen . Die Kinder helfen bei der Ernte ; diese ist spät reif geworden und muß nun noch vor dem Frost gewonnen werden . Oben auf den Felsenhöhen gibt es schon Schneestürme . Ich hätte doch wieder einmal hinaufsteigen mögen auf den hohen Berg , auf daß ich könnte hinausblicken . Ich lebe gar so vereinsamt in mich hinein . Die Alten sind mir weggestorben ; die Jungen habe ich erzogen , aber nicht zu meinen Genossen . Ich bin ihr Schulmeister . Den Schulmeister lassen sie in Frieden ziehen , und wenn er , alt und grau , auf seinem einschichtigen Bänklein sitzt , so werden sie meinen , ein Schulmeister müsse so sitzen . Der neue Pfarrer ist ein junger Mann , der schickt sich besser für sie ; der tut mit im Wirtshaus und auf der Kegelbahn . Als er sich letztlich aus der Kreisstadt das neue Meßbuch verschrieben , hat er auch Spielkarten kommen lassen . Der Lazarus und sein Weib , die Juliana , sind Besitzer des Grassteigerhofes ; sie setzen das Wirtshaus fort , handeln mit Tabak und allerhand Kleinigkeiten . Gar ausländische Kleiderstoffe sind bei dem Grassteiger zu haben . Es gibt Leute in der Gemeinde , die nicht mehr mit den Loden- und Zwilchjacken vorliebnehmen , die was Besonderes am Leibe haben wollen ; so zum Probieren , sagen sie heute noch . Aber ich achte , es ist Untreue ! Manchmal durchstreifen , wie voreh , Häscher unsere Gegend , um Schwärzer und Soldatenflüchtlinge einzufangen . Sommer 1835 . Ich erzähle die Dinge wieder nur meinen geduldigen Blättern ; sie bewahren die Geschehnisse länger in Erinnerung , als ich und ganz Winkelsteg . Es ist mir wie eine Pflicht geworden , unsere Schicksale aufzuzeichnen . Dereinst werden andere Menschen sein ; sie sollen auch von uns wissen . Zuweilen kommt Hagel und großes Wasser und vernichtet die Ernten und schleudert die strebsamen Ackerbauwirte in der Entwicklung ihres Wohlstandes auf Jahre zurück . So auch wieder in diesem Jahre . Die Leute dörren nun das Stroh , bringen es in die Mühle - es sind deren ein halb Dutzend im Tale - und das wird Brot für den Winter sein . In meinem Leben ist kein Wettersturm und kein Sonnenschein . Aber ich will mein Frühjahr und meinen Sommer haben , und jetzt habe ich zu meiner Wanduhr eine Vorrichtung gemacht . Die Metallschelle des Schlagwerkes habe ich weggetan und dafür aus zwei Blättchen und einer Feder ein Ding zusammengetan , das zu jeder Stunde den Wachtelschlag nachahmt . Hier in der Gegend hört man die Wachtel kaum alle drei Jahre einmal ; aber in meiner Stube bleibt es nunmehr Sommer zu allen Jahreszeiten . Die Kinder und ich haben eine rechte Freude daran . Da draußen im Holdenschlager Graben , durch den jetzt eine neugebaute Straße zieht , dort , wo die Winkelsteger Gemeinde begrenzt ist , haben unsere Bauern ein Wetterkreuz setzen lassen . Es hat drei Querbalken , an denen die bildlichen Leidenswerkzeuge des Herrn ragen . Das Kreuz wird als Schutz gegen böse Wetter hoch verehrt . Der uralte Schwamelfuchs aber meint , dasselbe sei mehr schädlich als nützlich ; es lasse die bösen Wetter , die ja alle vom Zahn herabkämen , nicht weiter , und so müsse es sich über Winkelsteg entleeren . Auf die Meinung des Schwamelfuchs hin haben die Bauern das Wetterkreuz richtig niederreißen lassen . Hingegen haben nahe an derselben Stelle die Holdenschlager ein ganz ähnliches aufgestellt , auf daß die Gewitter hier gebannt und nicht hinaus auf ihre Felder gelangen können . Jetzt sind die Winkelsteger in doppelter Verlegenheit und ich , ihr Lehrer , mit ihnen . Schulhalten und nichts als Schulhalten , und die Hirngespinste unter diesen Filzhüten sind nicht umzubringen . Schulhalten ! Es ist viel , und dennoch ist es ein tatenloses Leben . Wie ist das anders gewesen zur Zeit , als wir die Gemeinde erweckt haben ! - Es gäbe auch heute noch genug und übergenug zu schaffen und zu erschaffen ; aber der alte Pfarrer ist gestorben , der neue schiebt mich beiseite und soll letzthin gesagt haben , es gäbe Wichtigeres zu tun , als was so ein Abc-Jäger plane . Ich bin so alt noch nicht und täte noch arbeiten . Ein paar Stunden schulhalten , Schreibbogen linieren , Federn und ein saures Gesicht schneiden , ein wenig Brennholz klieben und die paar Geschäftchen in der Kirche , das macht meinen Kopf leer und meine Zeit nicht voll . Der Schlaf ist bald satt , und wenn ich , bis die lange Nacht vergeht , im Bette müßig liege , so ist das noch das Allerschlechteste . Da kommen mir Gedanken zum Närrischwerden - alte Zeiten - blütenzarte Gesichter und totenblasse - ja zum Närrischwerden . Und dann höre ich eine Stimme : ich hätte meinen Weg verfehlt , könnte in Glanz leben und sehr glücklich sein ... Aufspringe ich vom Lager , die Geige reiße ich von der Wand und hebe an zu scharren an den Saiten , auf daß ich die Gespenster wieder verscheuche . Und die Saiten , die wissen mir besseren Trost ; sie flüstern , ich möge zufrieden sein , ich hätte das Glück gehabt , ersprießlich für die Menschen zu arbeiten , ich hätte den Hang , stets der Vollkommenheit meines eigenen Wesens zuzustreben , ich hätte die Herrlichkeit der Schöpfung um mich , ich hätte die Geister großer Menschen in meinen Büchern versammelt . Ich würde noch manches nach meinen Kräften wirken und dereinst mit Befriedigung die Augen schließen . Ich habe mir wieder , wie seiner Tage einmal , aber ernstlicher vorgenommen , in meinen freien Stunden des Sommers mich mit der Pflanzenwelt abzugeben , sie wissenschaftlich zu zerlegen und zu betrachten . Aber wie geht es mir dabei ? Da