aufeinander , und die Farbe trat für einen Augenblick aus seinen Wangen . Er war offenbar sehr zornig . Ein Ausdruck des Hasses glühte in seinem Auge auf , als es auf der jungen Dame haftete , die ihm das Spiel , das er sich so leicht gedacht hatte , wider alles Erwarten erschwerte . Er beherrschte sich jedoch und hob mit sanfter , liebkosender Hand ihr Gesicht in die Höhe . Das arme Wesen zuckte und zitterte unter dieser heuchlerischen Berührung und ließ willenlos ihr zartes Köpfchen auf seiner Hand liegen . » Du würdest mich also verlassen , Helene , « frug er traurig , » wenn ich den schweren Schritt thun müßte ? Würdest dich von mir abwenden und mich einsam lassen mit einer ungeliebten Frau ? « Sie hob die vom Weinen geröteten Lider in die Höhe , und ein Strahl unsäglicher Liebe brach aus ihren Augen . Er hatte seine Rolle vortrefflich gespielt und erkannte aus diesem einen Blicke sofort , daß er gewonnenen Boden unter den Füßen habe . » Du kämpfst jetzt denselben Kampf , « fuhr er fort , » den ich in den letzten Tagen durchmachen mußte , ehe ich zu dem festen Entschlusse kam ... Im Augenblicke mag auch dir der Gedanke schrecklich sein , daß eine dritte Person in unser schönes Verhältnis eintreten soll ; ich gebe dir aber mein Wort , daß dies durchaus nicht auf störende Weise geschehen wird ... Bedenke , Helene , daß ich dann viel mehr für dich thun , für dich leben kann , als jetzt ... Du kannst zu mir nach Odenberg ziehen , und ich will die Hände unter jeden deiner Schritte legen , will dich behüten und halten wie meinen Augapfel . « Hollfeld besaß nicht Geist , dafür aber einen hohen Grad von Schlauheit , wie wir sehen , mit der er wirksamer agierte , als vielleicht ein anderer mit bedeutenden Gedanken . Sein armes Opfer ging mit blutendem , zerrissenem Herzen und völlig zerstörter Willenskraft in sein Netz . » Ich will es versuchen , den Gedanken zu ertragen , « flüsterte Helene endlich fast unhörbar . » Was aber müßte das für ein Wesen sein , das mich duldet , und das ich endlich als Schwester lieben lernte ... Kennst du wohl ein solch opfermutiges , hochstehendes weibliches Gemüt ? « » Ich habe eine Idee ... sie kam mir vorhin ganz plötzlich ... sie ist aber ganz flüchtig und unausgebildet . Ich behalte mir vor , sie dir nach reiflicher Ueberlegung mitzuteilen ... Aber du mußt erst ruhiger werden , teure Helene . Bedenke , ich lege ja die Wahl meiner künftigen Gattin einzig und allein in deine Hände ; es hängt von dir ab , das zu verwerfen oder anzuerkennen , was ich dir vorschlagen werde . « » Und fühlst du dich stark genug , neben einem Weibe zu leben , dem dein Herz nicht gehört ? « Er unterdrückte weislich ein spöttisches Lächeln , denn Helenes Augen hingen an seinem Munde . » Ich kann alles , was ich will , « antwortete er , » und deine Nähe wird mir Kraft geben ... Um eins aber will ich dich bitten , sage meiner Mutter noch nichts von dieser wichtigen Angelegenheit . Sie will , wie du weißt , ihre Hände in allem haben , und ich dulde nun einmal ihre Bevormundung nicht ; sie erfährt die Sache noch zeitig genug in dem Momente , wo ich ihr meine Braut vorstelle . « Zu jeder anderen Zeit würde dieser herzlose , unkindliche Ausspruch Helene empört haben , aber in diesem Augenblicke hörte sie ihn kaum ; denn ihr ganzes Fühlen und Denken wirbelte abermals in einem wilden Aufruhr durcheinander bei dem einzigen Worte » Braut « , das nun einmal - obgleich es sehr oft namenlos unglückliche Bräute gibt - den Begriff von Liebesseligkeit und Maiwonne an sich knüpft . » O mein Gott ! « seufzte sie und rang die fest zusammengeballten Hände , die auf ihren Knieen lagen , in namenloser Qual . Ich habe immer gehofft , das nicht erleben zu müssen ... Nicht , daß ich so selbstsüchtig gewesen wäre zu denken , du solltest um meinetwillen einsam durchs Leben gehen , aber ich glaubte , die voraussichtlich kurze Dauer meines Daseins würde dich bestimmen , diesen Schmerzenskelch an mir vorübergehen zu lassen , du würdest warten , bis meine Augen das Schreckliche nicht mehr sehen könnten . « » Aber Helene , wo gerätst du hin ? « rief Hollfeld , nur noch mühsam seine Ungeduld unterdrückend . » Wer wird in deinen Jahren an den Tod denken ! ... Leben , leben wollen wir und mit der Zeit noch recht glücklich werden , das hoffe ich ganz gewiß ... Ich will dich jetzt allein lassen . Ueberlege dir die Sache , und du wirst zu demselben Schlusse kommen wie ich . « Er drückte ihre Hände zärtlich an seine Lippen , hauchte einen Kuß auf ihre Stirn - was er bis dahin nie gethan hatte - , nahm seinen Hut und verließ leise das Zimmer . Draußen , nur durch die Thür von der armen Getäuschten geschieden , schlug er verschmitzt lächelnd ein Schnippchen ; wie gemein und bubenhaft sah er in diesem Augenblicke aus ! Er war über die Maßen zufrieden mit sich selbst ... Noch vor einer Stunde war sein Herz von Grimm erfüllt gewesen . Seine Leidenschaft für Elisabeth , durch den Widerstand des jungen Mädchens zu einer rasenden angefacht , war in hellen Flammen über seinem eigenen Haupt zusammengeschlagen und hatte ihn seit gestern um alle seine gerühmte Selbstbeherrschung gebracht . Inmitten dieser Liebesraserei war ihm aber trotzdem nicht ein einziges Mal der Gedanke gekommen , dem heißbegehrten Mädchen seine Hand zu bieten , um in ihren Besitz zu gelangen ; er würde sich selbst für wahnsinnig gehalten haben , wenn eine solche Idee durch seinen Kopf geflogen wäre . Dafür aber zermarterte