Berka ' s sprüchwörtlich sein soll . Nun , doch mit Ausnahme , doch sehr mit Ausnahme , wendete die Mutter wohl- und selbstgefällig ein . Von dem Herrn Grafen Felix , dem Majoratsherrn , der manchmal bei uns im Laden gewesen ist , und von den alten Herrschaften mag das wahr sein , aber von dem jüngsten Herrn Grafen , der oben bei dem Kriegsrath im Quartier war , konnte man das nicht sagen . Er ist viel bei uns aus- und eingegangen ; ein liebenswürdiger junger Mann und , wie mein Mann schon sagte , wirklich gar nicht stolz , im Gegentheil , man hätte sagen können .... Laß es gut sein , fiel der Vater ihr in die Rede , und ein bitteres Lächeln spielte um seinen fein geschnittenen Mund . Man kennt diese Herablassung der Herren Edelleute , und vielleicht haben der Herr Architekt auch schon gelegentlich etwas davon erfahren oder bekommen noch einmal davon zu reden . Ich habe Dir und Seba Euer Vergnügen an der Gesellschaft des Herrn Grafen und der anderen jungen Herren nicht stören mögen - warum sollte ich das auch ? Aber es ist gut , daß Ihr nicht nöthig gehabt habt , ihn auf die Probe zu stellen und zu sehen , ob er je vergessen hat , wer er ist und wer wir sind . Und dem Vater gegenüber saß seine Tochter , saß die arme Seba , die jedes dieser Worte wie ein Dolchstoß traf . Sie haben Recht , Herr Flies , mein Mann ist der Graf Berka auch nicht ! rief der Architekt . Ich habe ihn vor Wochen , als ich hier in einem Speisehause zufällig mit Bekannten in seiner Nähe saß , in einer Weise von den Frauen und von seinen Eroberungen reden , und in der Weinlaune Wetten über den von ihm zu erreichenden Besitz eines jungen Mädchens eingehen hören , wie nur ein ganz frecher Wüstling sie zu machen vermag ! Ob er daneben - Herbert hielt inne , eine plötzliche Ideenverbindung machte ihn verstummen . Auch die Eltern wurden achtsam , denn Seba wechselte die Farbe und fuhr matt mit ihren Händen nach der Brust . Sie ertrug es nicht länger . Der Tag , das Licht , das Leben ängstigte sie heute wieder so , wie an jenem Morgen . Das Dasein that ihr wehe . Es faßte nach ihrem Herzen , nach ihrem Hirn , von allen Seiten drang es auf sie ein - spottende Blicke , höhnisches Lachen und die ganze eigene Unseligkeit ! Sie wollte fliehen , das Zimmer verlassen , aber die Glieder versagten sich dem Dienste , der Kopf schwindelte ihr . Sie stand auf , und sich mühsam aufrecht erhaltend , eilte sie davon . Viertes Capitel Es waren durch alle die Jahre hindurch immer sehr gemischte Empfindungen , mit denen Herbert nach Schloß Richten kam . Seine Bauarbeit versprach ein schönes Gelingen , aber sie schritt nicht so schnell vorwärts , als er es wünschte , weil die Schwierigkeiten alle zugetroffen waren , auf welche er gleich Anfangs aufmerksam gemacht hatte , und weil man ihm von Seiten der Gutsherrschaft nicht immer mit den zugesagten Arbeitskräften und Mitteln zur Seite stand , da sich die Kosten des Baues , wie Herbert es gleichfalls vorausgesagt hatte , eben durch die Ungunst des Terrains weit bedeutender gesteigert hatten , als der Freiherr es erwartet haben mochte . Indeß derselbe beschwerte sich darüber in keiner Weise ; die wachsende Geldausgabe regte in ihm vielmehr nur das Verlangen an , nun auch etwas vollständig Gelungenes und Bedeutendes zu schaffen , und da er bei Beginn des Unternehmens von dem Baumeister einmal auf die gute Wirkung hingewiesen worden war , welche ein Bauwerk , vom Schlosse und von der Terrasse aus gesehen , auf der Höhe machen würde , so kam er immer wieder darauf zurück , dort oben irgend ein Monument als Aussichtspunkt zu errichten , bis er endlich auf den Gedanken gerieth , da man nun die Kirche in Rothenfeld erbaute , die zuerst beabsichtigte Capelle auf der Höhe im Parke aufzuführen . Es war dabei von ihm nur auf einen kleinen , aber mit seinem Kreuze weithin sichtbaren Bau abgesehen ; dennoch stieß der Freiherr auch in diesem Falle auf ein abmahnendes Widerstreben bei Angelika . Ob die Baronin nicht zu übersehen vermochte , welchen den Gesammteindruck krönenden Abschluß man mit dem Capellenbau erzielen könnte , ob es richtige ökonomische Bedenken waren , oder ob irgend ein anderer Grund sie bestimmte , sich gegen den Plan auszusprechen , das konnte Herbert nicht ergründen . Er konnte überhaupt über diese Frau und namentlich über ihr Verhalten gegen ihn selbst durch all die Jahre nicht in das Reine kommen . Wenn er sich zu ihr hingezogen , von ihrer Theilnahme , ihrer Güte und Schönheit gefesselt , ja beherrscht fühlte , so stieß sie ihn im nächsten Augenblicke wieder einmal gewaltsam ab , und grade diese Ungleichheit ihres Betragens trug dazu bei , seine Phantasie mit ihrem Bilde zu beschäftigen . Er konnte ihr nur zürnen , wenn sie ihm gegenüberstand , wenn ihr kaltes Wort , ihr stolzer Blick ihn einmal trafen ; war er fern von ihr , so erschien sie ihm stets in dem sanften Schimmer ihrer Schönheit , er freute sich darauf , sie bald einmal wiederzusehen , er hatte eine Genugthuung daran , etwas für ihren Dienst zu übernehmen , und wenn er sie auch fortdauernd im Vollbesitze aller Glücksgüter sah , ertappte er sich oft darauf , daß er sie in seinem Geiste immer nur die arme Baronin nannte , und daß er ihrer mit Hingebung gedachte , weil sie ihm , er wußte selber kaum weßhalb , beklagenswerth erschien . Anders verhielt es sich mit dem Baron . Er war völlig wieder der frühere , selbstgewisse Herr geworden , und hatte es kein Hehl , daß er diese günstige Stimmung der Gesellschaft seiner Freundin , der Herzogin , verdanke ,