der Baron , der in seinem Stuhle hin- und herrückte , ich dächte , der Gegenstand dieses Gespräches eignete sich nicht besonders - Ich kenne die Rücksichten , die ich unserm Stande schuldig bin , sagte die Baronin , und werde sie zu beobachten wissen . Der Abfall des Barons von dem Glauben seiner Väter ist leider zu notorisch , als daß ich einem Freunde des Adels ( der Pastor krümmte den Rücken ) , einem Freunde unseres Hauses ( Se . Ehrwürden legte die Hand auf ' s Herz ) gegenüber mit dem schmerzlichen Geständniß der Wahrheit zurückhalten sollte . - Sie wissen , Pastor Jäger , daß der Baron unsere Gesellschaft flieht , um die von allerlei sonderbaren Menschen , denen man sonst geflissentlich ausweicht , mit Vorliebe aufzusuchen , daß er die gottlose Phrase von den sogenannten Rittern vom Geist beständig im Munde führt , und daß von ihm ausgezeichnet zu werden - namentlich , wenn diese Auszeichnung Jemanden trifft , dessen gesellschaftliche Stellung so himmelweit von der seinigen verschieden ist - beinahe so viel heißt , als ein verlorener Mensch sein . Nun hat der Baron gestern Abend Herrn Stein in einer ganz auffallenden , um nicht zu sagen , anstößigen Weise ausgezeichnet ; er hat nicht nur sein Möglichstes gethan , ihn bei der Gesellschaft zu introduciren , sondern ihn vollkommen wie seines , wie unsers Gleichen behandelt , und um diesem Benehmen , für das ich keinen Ausdruck suchen will , die Krone aufzusetzen , ihn , als der Wagen von Grenwitz , der Herrn Stein von Barnewitz abholen sollte - wir waren schon vor dem Souper aufgebrochen - nicht gleich zur Stelle war , in seinem eigenen Wagen bis vor unser Hofthor mitgenommen , das heißt , ihm zu Gefallen einen Umweg von fast einer Meile gemacht . Aber , liebe Anna-Maria , das würde auch jeder Andere - Verzeihe , lieber Grenwitz , das würde nicht jeder Andere gethan haben , und vor Allem würde es der Baron , dessen schroffes , ungefälliges Wesen , selbst den Standesgenossen gegenüber , sprüchwörtlich ist , nicht gethan haben , wenn er nicht in Herrn Stein auch so einen Ritter vom Geist , das heißt , einen Gesinnungsgenossen , einen Freidenker und Freiheitshelden , enfin einen unmoralischen Menschen , um das Wort zu wiederholen , das vorhin Deinen Unwillen erregte , lieber Grenwitz , und von dem Du mir jetzt zugeben wirst , daß es leider das passende ist - gefunden zu haben glaubte . Die Baronin schwieg , in dem wohlthuenden Bewußtsein , ihre Ansicht siegreich verfochten zu haben ; der Pastor schwieg , die edle Gönnerin in diesem Genusse nicht zu stören und der Baron schwieg , weil er schlechterdings nichts zu sagen wußte . In dieses dreifache Schweigen hinein ertönte vom Hausflur her , auf welchen die Thür des Zimmers führte , das Miauen einer Katze , dem sofort das laute zornige Kläffen eines Hundes folgte . Diese Töne waren im Schlosse Grenwitz , wo weder Hunde noch Katzen geduldet wurden , etwas so Unerhörtes , daß die im Zimmer Befindlichen sich erstaunt ansahen . Was bedeutet denn das ? sagte der Baron aufstehend und die Thür öffnend . Ah , sieh da , Herr Baron ! ertönte eine helle , klare Stimme . Es ist Herr Timm ! sagte dieser zu den im Zimmer Befindlichen zurückgewandt , und dann zu dem draußen : Wollen Sie nicht näher treten , Herr Geometer ? Neunundzwanzigstes Capitel Der , welcher dieser Aufforderung des Barons sofort folgend , in das Zimmer trat , war ein junger Mann von vielleicht fünfundzwanzig Jahren , obgleich die frische Farbe seines hübschen bartlosen Gesichtes ihn kaum dem Jünglingsalter entwachsen scheinen ließ . Der wohlgeformte Kopf war mit einem schlichten , blonden Haar bedeckt , das lang genug war , um nach hinten gestrichen zu werden , und die weiße Stirn frei zu lassen , die keck und fest sich über einem Augenpaare wölbte , dessen Farbe , so weit man es durch die Gläser der Brille , die der junge Mann trug , erkennen konnte , ein mattes Blau war . Seine Gestalt war mittelgroß , aber breitschultrig und sein gedrungener , muskulöser Körper augenscheinlich zur Ertragung von Strapazen aller Art ausnehmend geeignet . Auf sein Aeußeres schien der junge Mann sehr wenig zu geben . Seine Kleidung bestand aus einem hellen Sommerrock von zweifelhafter Farbe , der schon manchen Sturm erlebt zu haben schien , und aus Beinkleidern von demselben Stoff und derselben Farbe und Beschaffenheit . Seine Wäsche war , als sie aus den Händen der Wäscherin kam , jedenfalls saubrer gewesen . Seine Haltung entsprach seiner Kleidung , das heißt , sie war weniger elegant als bequem , und hatte noch das mit jener gemein , daß Herr Timm sie offenbar unter Umständen mit einer besseren vertauschen konnte . Bitte tausendmal um Entschuldigung , sagte er lachend , indem er sich vor der Baronin ohne alle Förmlichkeit verbeugte und dem Pastor vertraulich zunickte , daß ich die Unterhaltung der Herrschaften durch mein lyrisches Intermezzo stören mußte , aber ich wußte mir wirklich nicht anders zu helfen , da ich nicht die Ehre habe , Frau Baronin , Ihre Bedienten namentlich zu kennen , trotz alles Suchens keinen Klingelzug auf dem Flur entdecken konnte , und schon vergeblich in vier Thüren hineingesehen hatte . Hätte ich ahnen können , daß diese fünfte , welche ich übrigens gar nicht bemerkte , von dem Herrn Baron selbst geöffnet werden sollte , so würde ich mir natürlich meinen musikalischen Vortrag erspart haben , der allerdings nur für das weniger empfindliche Ohr eines in der Nähe befindlichen dienstbaren Geistes berechnet war . - Wie befinden Sie sich , Frau Baronin ? Angegriffen von der Hitze ? Wäre kein Wunder - fünfundzwanzig Grad im Schatten - reine Treibhaus-Temperatur . - Ich soll Sie von Ihrer Frau Gemahlin grüßen , Herr Pastor ; sprach sie vor einer Stunde in Faschwitz . Sie wird