- in Corona verlieben wollte , « versetzte der Graf , » so würde ich mich allenfalls darin ergeben ! Aber er ist leider ! gar kein Mensch mit einem beweglichen Herzen . « » Welch Unglück Du mit Deinen Kindern hast ! « sagte Levin mit gutmütigem Spott . - Regina richtete sich einstweilen auf Stamberg ein und wurde von der Baronin , die ihr Zimmer nicht mehr verlassen konnte , freundlicher behandelt , als man es zu Windeck erwartete . Nicht als ob der Liebesbeweis sie rühre ; sondern weil sie sehr bald in Regina eine Eigenschaft erkannte , die sie höher als jede andere schätzte : Regina war im Stande , die Führung der Geschäfte unter ihrer Leitung zu übernehmen , Geschäftsbriefe zu schreiben , Rechnungen durchzusehen , Kostenüberschläge nachzurechnen und die Ordnung des Hauses geradeso aufrecht zu halten , wie die Baronin es seit fünfzig Jahren zu Windeck erst und dann zu Stamberg getan hatte . Da Regina immer ganz bei ihrer Pflichterfüllung war , in welcher sie den Willen Gottes freudig erkannte und vollzog , so war sie aufmerksam bei den Anweisungen , welche die Großmama ihr gab und äußerst pünktlich in deren Vollziehung , so daß die Baronin ihr jedesmal glänzendes Lob spendete , wenn der Graf bald allein , bald mit Corona und der Baronin Isabelle nach Stamberg kam . Hatte Regina aber gehofft , durch ihre Liebe und Ergebenheit die Großmutter zum Urquell aller Liebe - zu Gott hinzuweisen , so irrte sie sich gründlich . Das religiöse Leben hatte bei derselben während siebenzig Jahren unter dem Gefrierpunkt gestanden ; sie hatte zu keiner Zeit , nicht in der Kindheit , nicht in der Jugend , nicht in guten und nicht in schlimmen Tagen die beseligenden Lehren des Christentums , die Wonne der Erlösung , die Gnaden der Sakramente in sich aufgenommen , sondern stets auf ein fremdes kühles Wissen vom Christentum sich beschränkt und mit großer Selbstgefälligkeit darin ein Genügen gefunden . Überdies war sie immer höchst tugendhaft gewesen , nämlich so , wie die Welt es versteht . Der heilige Gregor von Nyssa , welcher sagt : » Tugend ist die praktische Liebe zu Gott « - würde vermutlich Julianens Tugend minder hoch geschätzt haben , als sie selbst es tat . Aber von den Heiligen , deren Leben und Lehren die Ausübung des Evangeliums sind , wußte Juliane nichts ; sie begnügte sich mit ihren Ideen von Gott und Unsterblichkeit und erwähnte zuweilen mit einer bei ihr höchst seltenen Anwandlung von Ehrfurcht zweier Schriftsteller , aus denen sie hauptsächlich jene Ideen geschöpft habe : das waren Herder und Jean Paul . Sie vertraute sogar Reginen an , daß sie , obzwar eine abgesagte Feindin aller Schwärmerei , dennoch ein wenig für Jean Pauls Romane geschwärmt habe und bis zur Stunde nichts Rührenderes und Ergreifenderes kenne , als in dessen » Hesperus « Lord Horions Grabschrift . Regina fragte ganz erwartungsvoll , wie diese laute ? Juliane erwiderte : » Eine weiße Marmortafel mit einem blutroten Herzen in der Mitte bildete den Grabstein , und unter dem Herzen standen nur die zwei Worte Es ruht . « » Ich würde es noch schöner finden , liebe Großmama , « sagte Regina , » wenn zwei Worte hinzukämen und wenn es hieße : Es ruht in Gott . « » Nein , « entgegnete die Baronin , » gerade dieser Ausdruck der vollkommenen Einsamkeit in stiller Grabesruhe ist erhaben . Aber freilich ! das verstehen nur wenige ! Ich erzählte dies einmal meinem seligen Mann , Deinem Großvater , und er gab mir lachend zur Antwort : Ich wünsche nicht ein solches Coer-Aß als Grabstein zu haben . « Regina schwieg ; aber heimlich stimmte sie dem Großvater bei . Fünf Monate brachte sie auf Stamberg und im Krankenzimmer zu , ohne andere Erholung als die , jeden Sonntag Morgen zum Gottesdienst nach der nächsten katholischen Kirche zu fahren und sich dort durch den Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altars zu stärken . Dann schied die Baronin vom Leben und verhauchte still ihre letzten Atemzüge in Reginas Armen . Hätte Regina nicht ihrem brechenden Auge das Kruzifix vorgehalten und nicht die Gebete der Sterbenden neben ihr gebetet : so würde niemand geahnt haben , daß dies das Sterbelager einer Christin sei . Der Graf war in höchster Spannung wegen des Testamentes seiner Mutter und in grenzenloser Überraschung , als es geöffnet wurde . Es war in den letzten Monaten und zwar zu Gunsten Uriels gemacht . Warum Orest nicht Universalerbe - wie das früher ihre Absicht war ; ob sie ein anderes Testament vernichtet hatte ; ob sie ihr Vermögen Reginen zuwenden wollte und in der Voraussetzung , daß diese Uriel heiraten werde , es ihm vermachte ; ob sie nur bis zuletzt zeigen wollte , sie sei unumschränkte Herrin ihres Vermögens : das alles blieben Fragen ohne Antwort , und nur die Tatsache bestand : Uriel war Herr auf Stamberg . Dies trug sich im Frühling zu , und im Sommer ging Graf Windeck mit seinen Töchtern nach England . Er fand Zerstreuung und veränderte Luft ganz notwendig für Regina . Der Anhauch von zarter Schwermut , der sich wie ein leichter Schleier über ihre Schönheit legte , erschien ihm als Kränklichkeit , als Nervenschwäche . Aber Regina sagte zu Levin : » Lieber Onkel , ich bin nicht krank und fünf Wintermonate an einem teuren Kranken- und Sterbebett erschüttern meine Nerven nicht . Allein dies Leben und dies Scheiden vom Leben in tiefer Gottentfremdung , wie ich es bei meiner armen Großmutter vor Augen hatte - sieh ! das hat mir Herzweh gemacht . « Levin war immer bemüht , Regina in der Tugend der Heiligen , in der Demut , zu üben und lächelnd fragte er : » Ah , Du hofftest wohl , Deine arme Großmutter im Laufe einiger Monate für die katholische Wahrheit zu gewinnen ? O mein liebes Kind , soll Dir