. Ich erscheine in der prächtigen Tracht eines Sarazenen und werde mich Dir schon bemerklich machen . Bis dahin glaube und liebe und hoffe ! Ein neues Leben wird uns seine goldenen Thore öffnen ! « » O ich fühle es schon in mir , seit Du bei mir bist ! « rief sie mit seligem Lächeln . » Aber verrathe mich nicht ! « bat er wiederholt ; » indem ich zu Dir mich schlich , that ich , was ich nicht lassen konnte ; aber Niemand darf es erfahren - am wenigsten der König . « » König Max ? « fragte Ursula ; » was geht es ihn an ? « » Frage mich nicht - ich muß scheiden ! « und obwohl er so sprach und schon beide aufgestanden waren , verrann doch Minute nach Minute , ehe der letzte Kuß gegeben und das letzte zärtliche Lebewohl gesprochen war . - Da er fort war , sank Ursula auf ihre Kniee und weinte wie ein Kind . Jetzt erst , mitten in diesem plötzlichen Glück , kamen alle verhaltenen Thränen ihres Unglücks zum Ausbruch . Jetzt erst , wo alles , was sie indeß bei dem Gedanken gelitten , daß ihr Stephan könne genommen sein , genommen durch das Schrecklichste , was einem liebenden Wesen begegnen kann : durch Untreue , wie eine Last , unter der sie Tag und Nacht nur seufzend zu athmen vermochte , von ihr abgesunken - jetzt erst wagte sie einen vollen Blick auf die Größe derselben und in den Abgrund von Leid und Lebensöde , der neben ihr immer offen gegähnt hatte . Jetzt , wo die Gefahr überstanden war , wo nach einer furchtbaren Nacht eine leuchtende Sonne ihr aufgegangen , schaute sie noch einmal bebend zurück in die Nacht - und dankte inbrünstig dann dem Herrn , der sie nun in demselben Augenblick verscheucht , in dem Ursula noch unter den bängsten Zweifeln und Schmerzen gerungen hatte . Zwar wußte sie weder , was indeß geschehen war , noch was geschehen sollte - was sie indeß zu fürchten gehabt , noch was sie zu hoffen hatte - indeß , sie fragte nicht darnach . Sie hatte Stephan wiedergesehen , er war zu ihr mit der alten Liebe und Zärtlichkeit zurückgekehrt - noch fühlte sie seine heißen Küsse im Nachhall der Empfindung , das genügte ja , ihr Herz mit Jubel zu erfüllen und ihre Seele mit Freudigkeit neuer Hoffnung und dem Muth gegen alle Hemmnisse ihres Liebesglückes zu kämpfen . Vielleicht war es gut , daß ihr bald heimkehrender Vater etwas berauscht war und sich darum sofort niederlegte , sonst wäre ihm vielleicht die Veränderung aufgefallen , die indeß mit seiner Tochter vorgegangen ; denn das erneute Liebesglück hatte ihre erst gebleichten Wangen geröthet , und der Wiederschein einer Seligkeit , die sie plötzlich überkommen , strahlte aus ihren Augen und von ihrer Stirn . Am andern Tage , wo sich die hochgehenden Wogen des Entzückens ein wenig gelagert hatten , zeigte sie dem Vater ein ruhig heiteres Wesen , und er war seit langer Zeit einmal zufrieden mit ihr , als sie sich als gehorsame Tochter bereit zeigte , dem Schönbartlaufen beizuwohnen und nur sagte , er müsse ihr auch den Scherz gestatten , am Abend in einer Maske zu erscheinen , die er selbst zuvor nicht sehen dürfe - sie möge gern wissen , ob der eigene Vater sie wiedererkennen werde . Gabriel Muffel war wohl damit zufrieden , und machte ihr nur zur Bedingung , daß die Maske recht schön und reich sein müsse , damit sie nicht einfacher , sondern wo möglich prächtiger erscheine als andere Rathsherrentöchter . Das in Nürnberg als Fastnachtsfest eingeführte » Schönbartlaufen « stammte vom Jahre 1349 . Damals hatte die Fleischerzunft von Nürnberg bei einem Aufstand der andern Zechen dem Rathe ihre Treue erwiesen und dafür von Kaiser Karl IV. einen Freibrief auf einen öffentlichen Aufzug in Larven erhalten , welcher das » Schönbartlaufen « genannt ward . Als der dazu gehörige Aufwand anfing der Fleischerzunft beschwerlich zu werden , trat aus den höheren Ständen eine Gesellschaft zusammen , welche ihr zur Aufrechterhaltung und Vervollkommnung dieses Festzuges behülflich war , und am Ende denselben unter dem Namen der Fleischer ganz an sich brachte . Es waren meist junge Patrizier , und der Rath ordnete ihnen förmliche Hauptleute bei , welche zugleich die Züge anführen und auf Ordnung sehen mußten . Wie an jenem Sommertage , an welchem König Max einzog , so war auch an dem sonnigen , aber kalten Wintertage , an welchem das Schönbartlaufen stattfand , Ursula Muffel bei Elisabeth Scheurl , um aus deren Chörlein den Zug mit anzusehen . Die Reichstagsmitglieder waren auf dem Rathhaus versammelt , vor welchem jener begann und wieder endete . Die Betheiligung der Frauen dabei war keine andere , als daß sie an den offenen Fenstern standen , die Vorüberziehenden mit Backwerk warfen und dafür von ihnen mit Tannenzweiglein statt Blumen beworfen oder mit Rosenwasser bespritzt wurden . Elisabeth und Ursula erschienen in kostbare Pelze gehüllt und die Gesichter nur so weit verschleiert , daß sie selbst bequem um sich sehen konnten , an dem geöffneten Fenster des Chörlein . Sie hatten seit der Reichstag begonnen einander heute zum ersten Male wiedergesehen , und Ursula hätte von Elisabeth gern mehr über Stephan erfahren ; aber Elisabeth wich ihren Fragen aus , beschwor sie nicht zu verrathen , daß sie ihn gesehen , und nur bis zum Festabend in fröhlicher Hoffnung zu warten , an dem sich ihr ja Alles erklären werde . Und da Ursula weiter fragte : ob es Elisabeth nicht möglich gewesen , Stephan und sie dem Schutze des Königs Max zu empfehlen und an sein Versprechen zu mahnen , antwortete sie nur , daß der König jetzt nicht als ein harmloser Gast in Nürnberg sei , welcher der Stadt die Ehre seines Besuches erwiese , sondern daß er zu einem eilig berufenen Reichstag gekommen , von dem