Hochaltar ist aus Lindenholz geschnitzt , steht wie eine Monstranze auf dem Priesterplatze , und ist von fünf Fenstern umgeben . Viele Zeiten sind vorübergegangen . Der Gründer ist gestorben , man zeigt sein Bild aus rotem Marmor in Halbarbeit auf einer Platte in der Kirche . Andere Menschen sind gekommen , man machte Zutaten in der Kirche , man bemalte und bestrich die steinernen Säulen und die aus gehauenen Steinen gebauten Wände , man ersetzte die zwei Seitenaltäre , von deren Gestalt man jetzt nichts mehr weiß , durch neue , und es geht die Sage , daß schöne Glasgemälde die Monstranze umstanden haben , daß sie fortgekommen seien , und daß gemeine viereckige Tafeln in die fünf Fenster gesetzt wurden . Sie verunzieren in der Tat noch jetzt die Kirche . Die neuen Besitzer des Schlosses waren nicht mehr so reich und mächtig , andere Zeiten hatten andere Gedanken bekommen , und so war der geschnitzte Hochaltar von Vögeln , Fliegen und Ungeziefer beschmutzt worden , die Sonne , die ungehindert durch die viereckigen Tafeln hereinschien , hatte ihn ausgedörrt , Teile fielen herab und wurden willkürlich wieder hinauf getan und durcheinander gestellt , und in Arme , Angesichter und Gewänder bohrte sich der Wurm . Darum haben die Behörden des Landes den Altar wieder hergestellt , und zu diesem gingen wir . Eustach geleitete uns in die Kirche , es war ein sonniger Vormittag , kein Mensch war zugegen , und wir traten vor das Schnitzwerk . Eustach konnte vieles aus den Regeln der alten Kunst und aus der Geschichte derselben erklären . Er sprach über das Mittelfeld , in welchem drei ganze , überlebensgroße Gestalten auf reich verzierten Gestellen unter reichen Überdächern standen . Es waren die Gestalten des heiligen Petrus , des heiligen Wolfgang - beide in Bischofsgewändern - und des heiligen Christophorus , wie er das Jesuskindlein auf der Schulter trägt , und wie dasselbe nach der Legende dem riesenhaft starken Manne schwer wie ein Weltball wird und seine Kräfte erschöpft , welche Erschöpfung in der Gestalt ausgedrückt ist . Sehr viele kleine Gestalten waren noch nach der Sitte unserer Vorältern in dem Raume zerstreut . An dem Mittelfelde waren in gezierten Rahmen zwei Flügel , auf welchen Bilder in halberhabener Arbeit sich befanden : die Verkündigung des Engels , die Geburt des Heilandes , die Opferung der drei Könige , und der Tod Marias . Oberhalb des Mittelstückes war ein Giebel mit der emporstrebenden durchbrochenen Arbeit , die man , wie Eustach meint , fälschlich die gotische nennt , da sie vielmehr mittelalterlich deutsch sei . In diese durchbrochene Arbeit waren mehrere Gestalten eingestreut . Zu beiden Seiten hinter den Flügeln standen die Gestalten des heiligen Florian und des heiligen Georg in mittelalterlicher Ritterrüstung empor . Der heilige Florian hatte das Sinnbild des brennenden Hauses und der heilige Georg das des Drachen zu seinen Füßen . Eustach behauptete , daß sich nur aus der Ansicht eines Sinnbildes die Kleinheit solcher Beigaben zu altertümlichen Gestalten erkläre , da unsere kunstsinnigen Altvordern gewiß nicht den großen Fehler der Unverhältnismäßigkeit der Körper der Gegenstände gemacht haben würden . Mein Gastfreund sagte , ohne die Meinung Eustachs verwerfen zu wollen , daß man die Sache auch etwa so auslegen könne , daß man durch die über alles Maß hinausgehende Größe der Gestalten , gegen welche ein Haus oder ein Drache klein sei , ihre Übernatürlichkeit habe ausdrücken wollen . Mein Gastfreund sagte , es müßten einmal nicht nur viel kunstsinnigere Zeiten gewesen sein als heute , sondern es müßte die Kunst auch ein allgemeineres Verständnis bis in das unterste Volk hinab gefunden haben ; denn wie wären sonst Kunstwerke in so abgelegene Orte wir Kerberg gekommen , oder wie befänden sich solche in noch kleineren Kirchen und Kapellen des Hochlandes , die oft einsam auf einem Hügel stehen , oder mit ihren Mauern aus einem Waldberge hervor ragen , oder wie wären kleine Kirchlein , Feldkapellen , Wegsäulen , Denksteine alter Zeit mit solcher Kunst gearbeitet : so wie heut zu Tage der Kunstverfall bis in die höheren Stände hinauf rage , weil man nicht nur in die Kirchen , Gräber und heiligen Orte abscheuliche Gestalten , die eher die Andacht zerstören als befördern , von dem Volke stellen läßt , sondern auch bis zu sich hinauf in das herrschaftliche Schloß so oft die leeren und geistesarmen Arbeiten einer ohnmächtigen Zeit zieht . Meines Gastfreundes und Eustachs bemächtigte sich bei diesen Betrachtungen eine Traurigkeit , welche ich nicht ganz begriff . Wir betrachteten nach dem Altare auch noch die Kirche , betrachteten das Steinbild des Mannes , der sie hatte erbauen lassen , und betrachteten noch andere alte Grabdenkmale und Inschriften . Es zeigte sich hier , daß die fünf Fenster des Priesterplatzes nicht wie die Fenster des Kirchenschiffes in ihren Spitzbogen Steinrosen hatten , was als neuer Beweis galt , daß das Glas aus diesen Fenstern einmal heraus genommen worden war , und daß man zu besserer Gewinnung der Gemälde in den Spitzbogen oder gar zu bequemerer Einsetzung der viereckigen Tafeln die steinernen Fassungen weggeräumt habe . Ich ging mit manchem Gedanken bereichert neben meinen zwei Begleitern aus der Kirche . Auf der Rückfahrt schlugen wir einen anderen Weg ein , damit ich auch noch andere Teile des Landes zu sehen bekäme . Wir besuchten noch ein paar Kirchen und kleinere Bauwerke , und Eustach versprach mir , daß er mir , wenn wir nach Hause gekommen wären , die Zeichnungen von den Dingen zeigen würde , welche wir gesehen hatten . Die Männer sprachen auf der Rückreise auch von der mutmaßlichen Zeit , in welcher die Kirche , die das Ziel unserer Reise gewesen war , entstanden sein könnte . Sie schlossen auf diese Zeit aus der Art und Weise des Baues und aus manchen Verzierungen . Sie bedauerten nur , daß man Näheres darüber aus Urkunden nicht erfahren könne , da das Schriftgewölbe des alten Schlosses unzugänglich gehalten werde . Wir fuhren am Mittage