Zügel , glückselig gingen die Kinder nebeneinand , sie hatten heut zum erstenmal den Gipfel des hohen Twiel wieder erschaut und mit frohem Aufjauchzen begrüßt . » Erzähl ' ihnen nicht alles ! « flüsterte Audifax seiner Gefährtin zu und flocht dichtes Weidengezweig um die Körbe . Schon war die lange Friderun herbeigesprungen und trug die Hadumoth halb auf den Armen weg : » Grüß Gott , verloren Söhnlein ! Trink Sackpfeifer , trink Sturmläufer ! « rief ' s aus aller Mund dem Audifax zu - sie wußten von des Jungen Gefangenschaft und reichten ihm die großen Steinkrüge zum Willkomm . Die Kinder hatten unterwegs beredet , wie sie der Herzogin zu Haus entgegentreten wollten . » Wir müssen ihr schön danken « , hatte die Hirtin gesagt , » und ich muß ihr den Goldtaler zurückgeben , ich hab ' den Audifax umsonst bekommen , werd ' ich ihr sagen . « » Nein « , hatte Audifax erwidert , » wir legen vom Hunnengold noch die zwei größten Münzen darauf und bringen ihr die dar : sie möcht ' uns gnädig bleiben wie bisher , das sei unser Dank und Buße in den Herzogsschatz , daß ich die Waldfrau erschlagen . « Sie hatten das Gold schon gerüstet . Jetzt sahen sie die Herzogin bei Ekkehard unter der Tanne stehen . Der tobende Lärm der Mannen unterbrach das landwirtschaftliche Gespräch der beiden . Praxedis kam gesprungen und kündete die wunderbare Mär . Jetzt kamen die jungen Flüchtlinge selber , sie führten sich . Vor Frau Hadwig knieten sie nieder , Hadumoth hielt ihren Taler empor , Audifax zwei große güldene Schaumünzen ; er wollte sprechen , die Worte blieben aus ... Da wandte sich Frau Hadwig mit stolzer Anmut zu den Umstehenden : » Die Narretei meiner zwei jungen Untertanen schafft mir Gelegenheit , ihnen meine Gnade zu beweisen . Seid dessen Zeugen ! « Sie brach einen Haselzweig vom Strauch , tat einen Schritt vor , schüttelte dem Hirtenknaben und seiner Gefährtin die Münzen aus der Hand , daß sie weit hinüberflogen ins Gras , und berührte beider Scheitel mit dem Zweig : » Stehet auf « , sprach sie , » keine Schere soll von heut an euer Haupthaar mehr kürzen , als der Burg Hohentwiel eigene Leute seid ihr gekniet , als freigesprochene und freie erhebt euch und behaltet einand so lieb in der Freiheit wie ehedem . « Es waren die Formen der Freilassung nach salischem Recht206 . Schon der Kaiser Lotharius hatte seiner alten Magd Doda den güldenen Denar aus der Hand und damit das Joch der Sklaverei vom Nacken geschüttelt . Audifax aber war fränkischer Abstammung , darum hatte sich Frau Hadwig nicht nach ihrem alemannischen Landrecht gerichtet . Die beiden standen auf . Sie begriffen , was vorgegangen . Dem Hirtenknaben wollte es schwarz vor den Augen werden , der Traum seiner Jugend , Freiheit , Goldschatz ... alles Wahrheit geworden , dauernde Wahrheit für jetzt und immerwährendes Immer ! ... Er sah Ekkehards ernstes Antlitz und warf sich mit Hadumoth vor ihm nieder : » Vater Ekkehard « , rief er , » wir danken auch Euch , daß Ihr ' s wohl mit uns gemeint ! « » Wie schade , daß es schon zu spät worden « , rief Praxedis herüber , » Ihr könntet gleich noch ein Paar mit dem Band der Ehe zusammenschmieden oder wenigstens feierlich verloben , die taugen so gut zueinand wie die zwei da drüben . « Ekkehard ließ sein blaues Aug ' lange auf den beiden ruhen . Er legte ihnen die Hand auf und machte das Zeichen des Kreuzes über sie . » Wo ist das Glück ? « sprach er leise vor sich hin . - - In später Nacht ritt Rudimann , der Kellermeister , in sein Kloster zurück . Die Furt war trocken , er konnte zu Roß hinüber . Von des Abts Zelle glänzte noch ein Lichtschimmer in den See nieder . Er klopfte bei ihm an , öffnete die Tür halb und sprach : » Meine Ohren haben heute mehr hören müssen , als ihnen lieb war . Mit dem Hofgut zu Saspach am Rheine wird ' s nichts ! Sie setzt das Milchgesicht von Sankt Gallen drauf ... « » Varium et mutabile semper femina ! Wankelmütig und veränderlich stets ist das Weib207 ! « murmelte der Abt , ohne sich umzuschauen . » Gute Nacht ! « Siebzehntes Kapitel . Gunzo wider Ekkehard . Zu den Zeiten , da all das seither Erzählte an den Ufern des Bodensees sich zugetragen , sah fern in belgischen Landen im Kloster des heiligen Amandus sur l ' ElnonA1 ein Mönch in seiner Zelle . Tagaus , tagein , wenn die Pflicht der Klosterregel ihn freiließ , saß er dort wie festgebannt ; Wintersturm war gekommen , die Flüsse zugefroren , Schnee , so weit das Auge reichte - er hatte dessen keine Acht ; der Frühling trieb den Winter aus - es kümmerte ihn nicht ; die Brüder plauderten von Krieg und schlimmer Botschaft aus dem befreundeten Land am Rhein - er hatte kein Ohr für sie . Auf seiner Zelle lag Stuhl und Schragen mit Pergamenten überdeckt , des Klosters ganze Bücherei war zu ihm herabgewandert , er las und las und las , als wollt ' er den letzten Grund der Dinge ergründen ; - zur Rechten die Psalmen und heiligen Schriften , zur Linken die Reste heidnischer Weisheit , alles ward durchwühlt ; dann und wann machte ein höhnisch Lächeln dem Ernst seiner Studien Platz , und er schrieb sich auf schmale Streifen Pergamentes hastig etliche Zeilen heraus . Waren es Goldkörner und Edelsteine , die er auf seiner Bergmannsarbeit aus den Schachten alten Wissens grub ? Nein . » Was mag dem Bruder Gunzo widerfahren sein ? « sprachen seine Genossen , » ehedem ist seine Zunge gegangen wie ein Mühlrad , und die Bücher haben Ruhe vor ihm gehabt : Sie