beim vollen goldgelben Julimondenschein sentimentaleren Naturen überlassend , hatte er die Absicht , am nächsten Mittag , wenn er sonst von Hackert und dem Prinzen nichts erfuhr , mit seinem Einspänner und dem anschmiegsamen Bello sich auf den Rückweg zu begeben . Kaum hatte er wol am Abend gedacht , daß am folgenden Morgen nicht nur eine nähere Bekanntschaft mit Ackermann und seinem Knaben ihm diesen Entschluß vereiteln , sondern auch eine abenteuerliche Kette von Misverständnissen aller Art ihn so umstricken würde , daß er sich für ' s Erste vom Fuße des Schlosses Hohenberg nicht wieder loswinden konnte und der Lage sich aussetzen mußte , dort die seltsamsten Dinge zu erleben . Zweites Capitel Selmar Ackermann Als Dankmar zwar in aller Frühe aber doch wiederum wahrnahm , daß Niemand sich nach ihm erkundigte , der Prinz und Hackert wirklich verschwunden waren , wollte er noch einmal zur Schmiede gehen und vor seiner Abreise von dem alten und jungen Zeck , die ihm doch ein gar sonderbares Paar schienen , prüfenden Abschied nehmen . Bello begleitete ihn . Das kranke und sonst so schweigsame Thier wurde an der Schmiede sogleich wieder unruhig und gerieth in sein schon bezeichnetes , dem alten Schmied so widerwärtiges Kläffen und Bellen . Es schien ihm schon von Ferne ziemlich lebendig unter und vor dem Dache der Schmiede . Da standen Wagen und Pferde , die die Hülfe dieser Dorfvulkaniden in Anspruch nahmen . Bauernbursche , herrschaftliche Stallknechte , auch einer von Lasally ' s Jokeys , der die » quihnende Laura « eben wieder in die Ställe des Schlosses zurückführte . Näher gekommen , merkte er , daß die meisten der hier Haltenden ungeduldig waren , lärmten und abgefertigt sein wollten . Aber nur der junge Zeck war zugegen und nahm in Ruhe , da er die Flüche nicht hörte , eine Arbeit nach der andern vor . Die Lärmenden mußten sich gedulden und zerstreuten sich durch Possen , die , seit sie Dankmar hörte , nur ausgelassener wurden ; denn die Menschen sind geborene Schauspieler und werden , beobachtet , im Guten und Schlimmen nur rührsamer . Bello sprang zwischen diesen Tumult mitten hinein und stöberte einen Flüchtling auf , dem seine Lebhaftigkeit doch bedenklich vorkam . Es war dies der junge Ackermann , der an der Schmiede unter ihrem von zwei Holzsäulen getragenen Vorbau dem Hufbeschlag zugeschaut hatte . Als die Reden der Bauernbursche zu derb wurden - sie kamen meist aus dem Ullagrunde , besonders vom reichen Bauer Sandrart - wandte er sich schon dem grünen Rasen zu , der rechts vom Hause lag und mit Obstbäumen bepflanzt war . Dort witterte ihn Bello und beängstigte ihn . Dankmar sah schon längere Zeit , wie der Knabe , der ihm denselben gefälligen Eindruck wie gestern machte , auch einer alten Magd zuschaute , die zwischen den Obstbäumen eine Leine zog , um auf ihr Wäsche zu trocknen , und ihr allerhand Antworten abzugewinnen suchte . Doch ein weichliches Ding ! sagte er sich . Was nimmt er an der Wäsche für einen unmännlichen Antheil ! Wie er die Sacktücher mustert ! Ich will glauben , er ist nur neugierig und will die Buchstaben lesen , mit denen sie gezeichnet sind . Bello hatte es vielleicht eigentlich nur auf die Alte abgesehen und erschreckte nur zufällig auch den Knaben . Dankmar bedeutete ihm Ruhe , trat dem Rasen und den Obstbäumen näher und knüpfte mit dem jungen erröthenden Amerikaner ein Gespräch an . Wo ist dein Vater , Kleiner ? fragte Dankmar mit einer Stimme , die ihm selber komisch vorkam , denn er suchte ihr den Ausdruck des Holden zu geben , weil sie Holdes anredete ... Oben bei dem Schmied ! war die schüchterne , verlegene Antwort ; ich erwarte ihn hier . In der That war das Feuer in der Esse am Verglimmen . Ein Eisen auf dem Ambos verglühte . Die Geräthschaften lagen alle so durcheinander , als wenn sie eben Einer im Nu weggeworfen hätte . Der junge Zeck konnte die Arbeit kaum allein zwingen ... Wie gefiel es dir gestern auf dem Schlosse oben ? sagte Dankmar , um sein Gespräch nicht sogleich wieder abzubrechen . Mir weit besser als dem Vater ! sagte der Knabe . Der hat freilich wol schon Vieles gesehen , was schöner ist , entgegnete Dankmar . Ihr kommt ja weit her ? Von Amerika , sagte der Knabe , und setzte nach einigem Besinnen hinzu : Aus Missouri . Aus Missouri ! Ja , ja ! Man erzählte mir ' s schon in der Krone , bemerkte Dankmar . Da seid ihr wol nur zum Besuche hier und werdet gewiß wieder übers Meer zurückwollen ? Das wissen wir selbst noch nicht , erwiderte der Knabe . Wenn es dem Vater wieder in Deutschland gefällt , bleiben wir ; wo nicht , kehren wir nach Columbia am Missouri zurück , wo wir gewohnt haben . Nach Columbia ! Am Missouri ! ..... sagte Dankmar herzlich ; so will ich wünschen , daß euch Alles hier erfreuen und befriedigen möge , damit wir nicht nur gute Menschen an Amerika verlieren , sondern deren auch welche von da wieder herübergewinnen . Der Knabe schlug zerstreut mit seinem Stöckchen auf einige hochstehende Grashalme ..... Dankmar fühlte , daß ein längeres Gespräch mit dem schüchternen und bescheiden die Augen niederschlagenden Kinde es ängstigen würde und brach , wenn auch ungern , seine Unterredung ab . Er konnte nicht umhin , dem Knaben flüchtig die erröthenden Wangen zu streicheln , worauf dieser vollends feuerroth wurde und sich geängstigt abwandte . Dankmar nickte noch einmal und wandte sich links zur Schmiede . Ein Wagen fuhr eben davon . Zwei Pferde , hinten angebunden , hüpften ihm , mit neuen Hufeisen beschlagen , lustig nach . Lasally ' s Jokey war gleichfalls verschwunden . Nur noch ein Reitknecht hielt den Huf eines Gaules , dem der junge Zeck , in Hemdärmeln , ganz schwarz berußt , die Hornhaut