der starke Mann einen Zentner . Vreneli fühlte das wahre Mitleid , fühlte , wie es ihm wäre im Mieder des armen Fraueli , gab ihm , was es bei sich hatte , und hieß es , ihns bald mit dem Kinde zu besuchen . Jetzt schossen dem armen Weibchen Tränen die Backen herunter , es stund vor Vreneli und konnte lange nicht reden . » Du bist immer das Beste , das gleiche Vreneli , « sagte sie , » bringst schon für das Kind schier mehr , als ich nehmen durfte , kömmst vom Wirtshaus , hockest da in meiner Armut , hörst einen ganzen halben Tag mein Gestürm an und gibst mir jetzt noch mehr , als ich dir abnehmen darf « Als Vreneli auf der Annahme bestund , dieweil es komme aus gutem Herzen und es nichts desto weniger es machen könne , sagte das Fraueli : » He nun so dann , so will ich es nehmen und alle Tage für dich beten , anders kann ich dir nicht vergelten . Du weißt nicht , aus welcher Not du mich ziehst und wie glücklich du mich machst , und ich kann es nicht sagen . Jetzt kann ich drei Batzen hier , sieben Batzen dort bezahlen , die ich geliehen hinter dem Rücken meines Mannes und die mich schon lange schlaflos gemacht . Ich brauchte sie nicht für mich , sondern für den Arzt ; mein Mann hatte gemeint , es sei nicht nötig , es werde dem Kinde schon bessern , wenn es Gottes Wille sei . Ich habe mein Sonntagsmieder versetzen müssen , das kann ich auslösen und vielleicht einmal Schuhe machen lassen . Nein , du gutes Vreneli , du weißt nicht , was du an mir tust , ein rechter Engel vom Himmel bist du mir , und unser Herrgott wolle es dir vergelten an dir und deinen Kindern . Gott Lob und Dank , jetzt werde ich wieder schlafen können , und wenn Gott uns gesund läßt , so wird es schon noch besser kommen , ich zweifle nicht . « So glücklich hatte Vreneli lange niemand gesehen , kaum Uli , als es ihm endlich Ja sagte , glücklicher gemacht als dieses arme Fraueli . Kaum konnte es sich von ihm trennen , was doch endlich sein mußte . Als Vreneli wieder allein war und seines Weges ging , da wogten die Gedanken stromsweise durch seine Seele . Das Glück des armen Weibes schwebte ihm vor den Augen . Das ist doch groß und schön , von Kleinem so glücklich werden zu können , das ist ein groß Gegengewicht gegen das tägliche Elend . Solch Glück wird denen nicht , welche man gewöhnlich die Glücklichen nennt , welche sich in einem Zustande befinden , welcher allen Wünschen zu genügen scheint , ein Glück , welches aber so langweilig und peinlich werden kann , daß schon mancher Engländer oder anderer Narr in Verzweiflung geriet und sich vor den Kopf schoß . Es überschlug , was es wohl noch alles hätte für das arme Weib , und erstaunte , wie reich es war an alten Schuhen , Strümpfen und andern Herrlichkeiten , welche es nicht mehr brauchen konnte und welche Schätze waren in diese Armut hinein . Es über , schlug , ob es sie nicht in seine Nähe ziehen , zu einem bessern Dasein ihnen verhelfen könnte ; das wäre ihm reich vergolten durch eine treue Seele , welcher es vertrauen und die es gebrauchen könnte im Hause für Dinge , welche man nicht gerne allen anvertraut , und von welcher es sicher wäre , daß sie nicht Partie mit den Andern gegen sie machen würde . Dann mußte es denken , in welcher ganz andern Lage es sei als seine Freundin , welche vor zehn Jahren , gleich berechtigt an das Glück der Welt , mit ihm auf einer Bank gesessen . Es hatte so oft Gott und der Base geklagt , hatte sich in gedrückter Lage gefühlt , Angst gehabt um ihr Dasein , Kummer , Sorgen aller Art , gemeint , die Zukunft sei eben eine schwarze Wolke voll Blitz und Donner , hatte es sich nicht schwer damit versündigt ? Es hatte gesehen nach denen , welche über ihm stunden , und nicht mit den Millionen sich verglichen , welche die untern Stufen der menschlichen Gesellschaft füllen , oder es hatte gar nichts verglichen , sondern bloß bitterlich geseufzt über seine Bürde , ohne zu bedenken , daß ohne diese kein Mensch sein darf auf Erden , so wenig als ohne Druck der Luft . Vreneli fühlte sich als eine reiche , vornehme Frau gegenüber der armen Freundin , es konnte schenken Schätze , konnte ihr Herz glücklich machen trotz einem Kaiser , hatte zu essen vollauf , Vorräte , brauchte mit dem Kreuzer nicht zu knausern , konnte seine Kinder kleiden lassen nach Bedürfnis und Verstand , hatte Hoffnung , es zu etwas zu bringen . Es stund vor ihnen eine weite Bahn , freilich vielen Wechselfällen ausgesetzt , auf welcher aber doch schon so Viele durch Fleiß und Nachhaltigkeit reich geworden . Da schämte sich Vreneli bitterlich und bis zum Weinen . So gehe es einem , wenn man nicht von Hause komme und bloß seine Sache sehe und seine Lage , warf es sich vor ; da werde man ungeduldig , undankbar , wisse nicht , wie gut man es habe , und werde unverträglich . Man wisse nicht mehr , wie alle Menschen an einander zu tragen hätten , meine , nur die , mit welchen man lebe , hätten ihre Fehler , wollten sie aus Bosheit nicht ablegen , machten einen mit Fleiß unglücklich ; sehe man sich aber um , so sei es anders , der alte Mensch sei überall und nur da am wenigsten drückend , wo man mit Geduld ihn trage , mit Sanftmut arbeite am neuen Menschen . Es kam ihns so eine rechte Wehmut an ,